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Sextäter im Essener Stadtwald: Ist er DESWEGEN gescheitert?

Sexuelle Übergriffe im Essener Stadtwald

Im Essener Stadtwald gab es innerhalb kürzester Zeit drei sexuelle Übergriffe. Fühlen sich die Essener dort noch sicher?

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Essen. Mit Hochdruck sucht die Polizei Essen derzeit nach dem mutmaßlichen Sextäter, der vermutlich mindestens drei Frauen im Stadtwald überwältigt hat. Doch was wissen wir über den Täter? Was könnte sein Motiv sein?

Die Polizei nimmt aus Opferschutzgründen keine Stellung zu den Umständen der Tat. Sie spricht von schweren Sexualdelikten. Der Täter ist noch unbekannt. Ein Phantombild und eine Beschreibung der Person liegen der Polizei vor:

So wird der Tatverdächtige beschrieben:

  • Er wird auf etwa 50 Jahre alt geschätzt.
  • Er soll etwa 1,70 Meter groß sein.
  • Der Mann hat eine kräftige muskulöse Statur.
  • Zur Tatzeit war er dunkel gekleidet. Er trug eine schwarze Mütze und eine schwarze Jacke.

Gleich zwei Mal soll der Tatverdächtige im Dezember 2018 Frauen sexuell belästigt haben. An Rosenmontag dann eine weitere versuchte Vergewaltigung. Mit einem Messer bedrohte er sein Opfer. Dieses konnte sich aber wehren. Mit einem Regenschirm schlug die Frau um sich und sprühte dem Angreifer Reizgas in die Augen.

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Doch warum scheiterte der Täter?

„Wissenschaftliche Studien beweisen, dass frühzeitige und heftige Gegenwehr die Chance drastisch erhöhen, dass die Tat abgebrochen wird“, weiß Psychotherapeutin Anne Hellmann aus Essen. Sie ist zudem langjährige Karate-Trainerin im Polizeisportverein Essen und leitet Selbstverteidigungskurse. Das Wissen hätten sich die Frauen zunutze gemacht, sagt sie, indem sie sich nicht als Opfer präsentierten. Heftige Gegenwehr und Schreien könne den Täter oft von der Tat abhalten.

Dieser Meinung ist auch der Essener Psychotherapeut Christian Lüdke. Täter würden sich in der Regel Opfer aussuchen und keine Gegner. „Wenn man aber entschlossen auftritt und sich wehrt, bringt sie das komplett aus dem Ruder“, so Lüdke. Dann treten sie den Rückzug an. Übrigens: In 89 Prozent aller Fälle wehren sich Frauen bei einem solchen Angriff, teilte er weiter mit.

Warum griff der Täter immer wieder in derselben Gegend Frauen an?

Hier vermuten die Experten eine Verbindung zum Essener Stadtwald. „An dem Ort zeigt der Täter seine Handschrift“, erklärt Lüdke. „Möglich ist, dass sich der Täter im Umfeld der Tatorte gut auskennt. Kennt er die Umgebung, so kennt er auch mögliche Fluchtwege und fühlt sich dort sicherer“, schließt auch Hellmann. Sie meint zudem, dass die letzten Tatorte kritisch zu betrachten seien. „Auch ein Straßenseitenwechsel hätte keine Verbesserung der räumlichen Situation erbracht, weil die Gehwege beidseitig bewaldet sind“.

Was könnte das Motiv des Täters sein?

Das Motiv zu ergründen, ist natürlich nicht einfach auszumachen. Generell gebe es zwei Arten von Tätertypen, erklärt Christian Lüdke im Gespräch mit DER WESTEN weiter. Einmal den sexuell motivierten Täter und dann noch den Tätertyp, dem es um Macht, um Kontrolle geht. In diesem Fall treffe nach seiner Ansicht wohl eher Letzteres zu. Lüdke: „Aus einem Ohnmachtsgefühl heraus werde bei solchen Taten häufig ein Gefühl von Allmacht ausgelöst.“

Nach Ansicht des Psychotherapeuten handele es sich nach jetzigem Wissensstand sehr wahrscheinlich um beliebige Opfer, die auf keine direkte Beziehungstat hindeuten. Dennoch müsse von einem gewissen Planungsgrad ausgegangen werden, meint Lüdke. Bei drei Versuchen könne man durchaus auch vom Anfang einer Serie sprechen, erklärt der Essener Psychotherapeut.

Wie sollten Frauen sich jetzt verhalten? Was raten die Experten?

Wachsam sollte man sein. Wenn man sich unsicher fühlt, könne ein Tierabwehrspray – ein Pfefferspray – helfen. „Doch das muss man dann auch schon in der Hand parat haben“, so Lüdke. „Auch laut zu schreien: 'AUS DEM WEG, STOPP, LASS DAS' ist hilfreich.“ Die Selbstverteidigungstrainerin verrät zudem, dass sie in ihren Kursen die Teilnehmer daraufhin schult, „unsichere Wege im Vorfeld zu erkennen“, wie eben das verborgene Waldgebiet. „Ich gebe den Rat, solche unsicheren Wege zu meiden oder zu zweit oder in einer Gruppe zu gehen“, sagt die Kampfsport-Expertin.

Psychotherapeutin rät: „Unsichere Wege meiden“

Schon seit Tagen ist die Polizei dort mit Patrouillen vor Ort, um den Unbekannten zu finden und dann festzunehmen. Die Beamten prüfen derzeit die zahlreichen Zeugenhinweise.

Polizei wertet Zeugenhinweise aus

Es könnte sein, dass der mutmaßliche Täter weitere Sexualstraftaten begangen hat, die der Polizei noch nicht bekannt sind. Auch sucht die Polizei nach weiteren wichtigen Hinweisen von Frauen, denen der Sextäter vielleicht in dem Gebiet rund um den Stadtwald schon begegnet ist.

Wenn du etwas Verdächtiges bemerkt hast oder wenn du eine Begegnung mit dem mutmaßlichen Täter hattest, die dir komisch oder gar unheimlich vorkam, dann melde dich bei der Polizei unter 0201-82 90 oder unter der bekannten Notrufnummer. (js)

 
 

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