Service-Mitarbeiter im Museum Folkwang fühlen sich nach Kündigung ausgenutzt

Helen Sibum
Einigen Service-Mitarbeitern des Museums Folkwand wurde gekündigt.
Einigen Service-Mitarbeitern des Museums Folkwand wurde gekündigt.
Foto: Knut Vahlensieck
Die städtische Tochter-Gesellschaft RGE hat sechs Service-Mitarbeitern im Museum Folkwang in Essen nach wenigen Monaten wieder gekündigt. Die Betroffenen fühlen sich ausgenutzt. Bei der RGE weist man die Vorwürfe der Entlassenen zurück.

Essen. Rund 218.000 Besucher hatte die Ausstellung „Farbenrausch“ mit Werken von Munch, Matisse und den Expressionisten im Museum Folkwang. Ein schöner Erfolg für die Macher der Schau, die wegen der großen Nachfrage in die Verlängerung ging und am 20. Januar endete. Doch während die einen das Gelingen einer weiteren glanzvollen Wechselausstellung bejubelten, war anderen nicht nach Feiern zumute. Mehrere Service-Mitarbeiter erhielten ihre Kündigung.

Am letzten Ausstellungstag habe sie das Schreiben abends im Briefkasten gefunden, sagt eine Frau, die mit Beginn des „Farbenrauschs“ im Herbst ihren Dienst angetreten hatte. Sie habe damals einen Vertrag für sechs Monate bekommen, bis April 2013. „Mir wurde in Aussicht gestellt, dass der Vertrag verlängert wird.“ Entsprechend engagiert sei sie gewesen, habe in den geschäftigen Monaten viele Überstunden geleistet. Doch dann kam das Aus – Erklärung: keine. Was rechtens ist, denn das sechsmonatige Arbeitsverhältnis war mit einer sechsmonatigen Probezeit belegt und für eine Kündigung vor deren Ablauf braucht es eben keine Begründung.

Museum Folkwang will sich nicht äußern

Arbeitgeber der Frau, die von Kolleginnen mit ähnlicher Erfahrung berichtet, war die RGE Servicegesellschaft Essen, eine Tochter der Stadt, die Dienstleistungen in den Bereichen Reinigung, Sicherheit und Gastronomie anbietet. Das Museum Folkwang selbst will sich zu der Kritik denn auch nicht äußern. Mit der Personalplanung der RGE habe man nichts zu tun, versteht sich auch nicht als Auftraggeber. „Die Vertragskonstruktion mit der RGE ist eine andere.“

Bei der RGE weist man den Vorwurf der Entlassenen zurück, man habe lediglich den Mehrbedarf während der Ausstellung decken wollen und von vornherein geplant, sich nach Abschluss von den Mitarbeitern zu trennen. „Es war nicht so, dass sie gezielt für die Wechselausstellung eingestellt wurden“, sagt Marc-Tobias Huber, Leiter des Personalwesens bei der RGE. Man habe durchaus dauerhaft Bedarf an Personal und hätte die neuen Kräfte nach der Ausstellung an anderer Stelle eingesetzt, hätte man nicht während der Probezeit festgestellt, dass man nicht zusammenpasse.

Es habe keine "Massenentlassungen" gegeben

Falsch sei auch der Eindruck, es habe „Massenentlassungen“ gegeben, vielmehr ging es um drei Mitarbeiter im Saaldienst und drei am Empfang. Nicht alle hätten ihre Kündigung am letzten Ausstellungstag bekommen, und wenn doch ein Brief just am 20. Januar zugestellt wurde, sei das Zufall. Huber verweist zudem auf die „teils übertarifliche Bezahlung“, die die Mitarbeiter freilich auch nicht kritisieren.

Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ballt man dennoch die Faust in der Tasche. „Was nützt einem das schönste Geld, wenn man am nächsten Tag draußen ist?“, sagt Lothar Grüll, Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Essen. Bei der RGE gebe es eine „extrem hohe Fluktuation“, auch deshalb liegen die Gewerkschafter mit der kommunalen Tochter seit langem über Kreuz. Sie biete ihren Mitarbeitern vielfach keine fairen Rahmenbedingungen, findet Grüll, der zum Beispiel die mangelnde Altersversorgung des Reinigungspersonals beklagt. „Dabei ist das genau die Klientel, die später ohne Sicherheit da steht.“