Senioren sind die Sorgenkinder

Wieder drei Tote, mehr Unfälle und mehr Verletzte auf Essens Straßen – die Verkehrsunfallbilanz für das vergangene Jahr lässt die Polizei nach dem historischen Tiefstand in der Crash-Statistik des Jahres 2013 merklich auf die Euphorie-Bremse treten: „Wir sind mit der Entwicklung nicht zufrieden“, räumte Polizeidirektor Dittmar Hoga, Leiter der Verkehrsdirektion, gestern beim Blick auf die 2014er Zahlen unumwunden ein.

Das Jahr begann früh schön und das hatte seine Schattenseiten: „Der Winter, der ein Sommer war“, so Hoga, habe die Unfall- und Verunglücktenzahlen in den ersten drei Monaten explodieren lassen wie Hyazinthen in der Frühlingssonne. Motorrad- und Radfahrer, Skater und spielende Kinder auf den Straßen sorgten gleich zu Beginn des vergangenen Jahres für über 20 Prozent mehr Unfälle als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Erst übers Jahr habe sich dieser Ausreißer wieder relativiert, sagte der Polizeidirektor. Verhagelt hat er die Statistik aber dennoch: 22.801 Verkehrsunfälle sind 918 mehr als im Jahr zuvor. Dabei wurden 340 Menschen schwer verletzt. Das waren elf mehr als in 2013. 1.814 Verkehrsteilnehmer erlitten leichte Verletzungen. Wiederum ein Plus von 193.

Inzwischen sind die Senioren wieder die Sorgenkinder: 249 über 65-Jährige verunglückten auf Essens Straßen. Das ist mit 15,3 Prozent der größte Anstieg unter allen Altersgruppen. Bei den jungen Erwachsenen registrierte die Polizei einen Zuwachs um 3,5 Prozent: Insgesamt verunglückten 325 18- bis 24-Jährige. 201 Kinder bis zum Alter von 14 Jahren waren im vergangenen Jahr in Unfälle verwickelt. Das ist ebenfalls ein Plus von 2,6 Prozent. 26 von ihnen kamen auf dem Schulweg zu Schaden, was einer Zunahme von 4 Prozent entspricht.

Vor allem Fußgänger leben in der Stadt zusehends gefährlich: 378 von ihnen verunglückten im Verkehr. Das waren knapp 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor und für Dittmar Hoga eine „erhebliche Steigerung“. In 153 Fällen verhielten sich die Passanten falsch. 81 von ihnen waren 65 Jahre und älter. Essen wird nicht jünger und das lässt nichts Gutes hoffen – jedenfalls nicht aus Sicht der Verkehrsexperten der Polizei: „Ältere Menschen sind länger aktiv, sei es als Fahrzeugführer auf einem Motorrad oder einem Roller“, sagt Hoga, für den feststeht: „Die Zahlen werden sich weiter verstärken.“

Nicht nachlassen will die Polizei bei den Kontrollen des fließenden Verkehrs: Viele kleine und weniger große Blitzeraktionen haben nach Einschätzung des Polizeidirektors dazu geführt, dass die Zahl der Unfälle, bei denen überhöhte Geschwindigkeit die Ursache war, um 17,6 Prozent zurückgingen. Noch nicht genug: In ihrem Hoheitsgebiet will die Essener Polizei „das Geschwindigkeitsniveau insgesamt senken“. Mehr Überwachung hat allerdings eins nicht verhindern können: Die Zahl der Unfälle unter Drogen- oder Alkoholeinfluss nahm um 7,1 Prozent auf 271 zu.

Nach wie vor passieren die meisten Crashs aber beim Abbiegen oder Wenden. 1097 waren’s im vergangenen Jahr, 58 weniger als im Jahr zuvor. Einmal in der Woche kommen dabei Fußgänger zu Schaden. Nicht selten, weil sie sich als Verkehrsteilnehmer mehr mit ihrem Handy beschäftigen als mit ihrer eigenen Sicherheit.

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