Senioren betrogen - Mehr als sieben Jahre Haft

Das Eurozeichen an der Decke, Onkel Dagobert im Goldbad vor Augen: Vor diesen anregenden Bildern im Büro am Kopstadtplatz in der Essener City riefen die Telefonbetrüger Senioren an.
Das Eurozeichen an der Decke, Onkel Dagobert im Goldbad vor Augen: Vor diesen anregenden Bildern im Büro am Kopstadtplatz in der Essener City riefen die Telefonbetrüger Senioren an.
Foto: Fremdbild
Mit drastischer Verteidigerschelte endete am Freitag nach 116 Prozesstagen ein Mammut-Verfahren gegen Telefonbetrüger vor dem Landgericht Essen. Der Richter warf den Verteidigern vor, mit über 300 Anträge das Verfahren bewusst verschleppt zu haben.

Essen.. Gezielt Senioren hatten sich die Telefonbetrüger ausgesucht, die von ihrem Call-Center am Kopstadtplatz in der Essener City aus in wenigen Monaten rund eine Million Euro Gewinn machten. Zu sieben Jahren und drei Monaten Haft wegen „gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs“ verurteilte die XXI. Strafkammer am Donnerstag den Hauptangeklagten Ahmet Al. Die Komplizen des 37-Jährigen bekamen fünf beziehungsweise drei Jahre und neun Monate Gefängnis.

Ein Mammut-Prozess ging damit zu Ende. Vor fast drei Jahren, am 4. Oktober 2010, startete das Verfahren. Mehrfach hatte Richter Volker Wrobel seitdem die Beweisaufnahme geschlossen. Doch Anträge der Verteidigung verzögerten das Ende immer wieder. Nach 116 Sitzungstagen wählte Wrobel im Urteil deutliche Worte und warf den Verteidigern Verzögerungstaktik vor. Namentlich sprach er die Duisburger Anwälte Prank, Ceylan und Noch an. Mit über 300 Anträgen, deren Sinn oft nicht eindeutig gewesen sei, hätten sie sich „im Grenzbereich versuchter Strafvereitelung“ bewegt.

Verzögerungstaktik

Die Verzögerungstaktik sei teils aus eigenen finanziellen Motiven erfolgt, zum Teil aber auch, um das Gericht zu einer niedrigen Strafe zu bewegen. Wrobel wies solche Versuche zurück: „Das Landgericht Essen und diese Kammer, wir lassen uns nicht erpressen.“

Dem Angeklagten Ahmet Al, dessen letztes Wort acht Stunden an zwei Tagen dauerte, bescheinigte das Gericht „eine hohe kriminelle Energie“. Er sei die dominante Figur gewesen. In großem Stil hatte die mutmaßliche Bande „hilfsbedürftige ältere Mitbürger“ anrufen lassen und ihnen Einträge in Internet-Gewinnspielen vorgegaukelt. Um zu kündigen, müssten sie 89,85 Euro zahlen, wurde ihnen gesagt. Viele zahlten. Selbst wenn sie keinen Computer mit Internet-Anschluss besaßen.

In abgehörten Telefonaten hatten die Angeklagten sich über ihre Opfer lustig gemacht. Sinngemäß hieß in einem dieser Anrufe: „Jeden Tag stehen in Deutschland zigtausende Idioten auf. Ein paar davon muss ich haben.“

 
 

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