Selbstbewusstes und sicheres Auftreten lässt sich lernen

Theaterpädagogin Katrin Sasse
Theaterpädagogin Katrin Sasse
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Querdenkerin, Ingenieurin, Lehrerin, Schauspielerin, Trainerin, Beraterin und ein Mensch mit Humor. So beschreibt Katrin Sasse sich selbst. Vielfältig. Wie ihre Kurse, die sich genauso an Schauspieler wie an Schüler, Studenten oder Führungskräfte und Manager richten. „Ich mache einfach, was mir Spaß macht“, sagt Sasse.

Spaß – genau der ist die Grundlage für die Workshops, die sie seit 2007 regelmäßig im Kulturzentrum Grend in Steele und der Theaterschule Essen-Süd anbietet. Wer bei der studierten Chemikerin selbstbewusstes und sicheres Auftreten in Vorträgen oder gegenüber Mitarbeitern und Kollegen lernen möchte, der wird in den Seminaren kurzerhand zum Schauspieler gemacht. „Einen Vortrag zu halten ist wie eine Rolle zu spielen, man muss dabei nicht man selbst sein“, erklärt Sasse. Es gehe immer darum, überzeugend aufzutreten, mutig und sicher. So lernte sie es in ihrer Schauspielausbildung an der Theaterschule Süd. Das erkannte sie aber auch selbst, als sie während des Studiums mündliche Vorträge verpatzte.

Improvisationstheater vermittelt Sicherheit

„Inhalte sind erstmal sekundär. Wichtig ist, dass man sie überzeugend vermittelt“, meint Sasse heute. Eine beliebte Methode, in ihrem zweitägigen Training mehr Sicherheit zu erlernen, ist das Improvisationstheater. „Die Teilnehmer müssen eine spontan gewählte Rolle übernehmen. Die kann komplett unsinnig sein. Wichtig ist das Auftreten“, erklärt die Steelerin. Geschult werden Körpersprache, Stimme und Präsenz. Ihr Repertoire an Übungen überarbeite sie ständig, „schon um mich nicht selbst zu langweilen“.

Als Chemikerin habe sie den Spaß genauso schnell verloren wie als Lehrerin. Der erfolgreiche Kampf gegen eine Krebserkrankung habe sie mutiger gemacht. „Seither tue ich nur noch das, was mir Freude macht – man lebt schließlich nur einmal“, sagt die 45-Jährige und lacht. Dabei riskiert sie auch, zu scheitern. „Innovativ denken und handeln ist oft schwieriger als Altbekanntes zu bieten.“ Das musste sie feststellen, wenn sie wieder mal eine Idee nicht verwirklichen konnte. „Deshalb schreibe ich keine langen Konzepte mehr, sondern gehe auf die Leute zu und versuche, durch die Arbeit zu überzeugen.“

"Auftritte sind purer Spaß"

Vor allem mit ihrem jüngsten Projekt – einer eigenen Schauspielgruppe, mit der sie seit Sommer 2012 interaktives Theater anbietet – gehe es in diesem Sinne voran, auch wenn sie noch immer viel Überzeugungsarbeit leisten müsse. „Das ist das Schwierigste, die Auftritte sind dann wieder purer Spaß.“

Während das interaktive Theaterspielen langsam anläuft, konzentriert sich Sasse auf die Freude am Vermitteln. Jüngst startete sie einen Workshop, der sich explizit an Frauen richtet. „Viele Frauen haben im Beruf Männer über sich. Ich versuche, ihnen näher zu bringen, wieso das so ist und was wir vielleicht sogar von den Männern lernen können.“ Gerade Frauen mit dem Anspruch auf eine Führungsposition interessierten sich für ihre Tipps und Ratschläge, sagt Sasse. Anders als bei Schüler- und Studentengruppen arbeite sie hier mit mehr Theorie. „Diese Gruppen verlangen das, die wollen Erklärungen und nicht nur Praxis.“

Egal ob Theorie oder Praxis, eines ist in Sasses Arbeitsweise immer gleich: „Ich möchte keine Ergebnisse einfordern oder erzwingen, sondern Impulse geben.“ Ob sich bei ihren Teilnehmern letztlich etwas verändert habe, könne man nach „der 21-Tage-Herausforderung“ sehen. Nach dieser Zeit stellen sich ihrer Erfahrung nach Verbesserungen ein, wenn man das Gelernte konsequent anwendet.

Dann könne auch der schüchternste Mensch bei einem Vortrag oder im Gespräch mit dem Chef – Spaß haben.

 

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