Sechs Minuten ohne Luft zu holen - Jennifer aus Essen taucht in 80 Metern Tiefe

Jennifer Wendland trainiert im Grugabad.
Jennifer Wendland trainiert im Grugabad.
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
  • Die beste Freitaucherin Deutschlands kommt aus Essen
  • Jennifer Wendland kann sechs Minuten die Luft anhalten
  • Um zu trainieren, verzichtet die Essenerin sogar auf die Hochzeitsfeier ihrer Schwester

Essen.. Einmal noch Luft holen. Ganz ruhig, nicht zu viel, aber intensiv. Dann versinkt Jennifer Wendland in der Tiefe. Verschwunden in einem Schlund aus dunkelstem Blau.

Eine Minute, zwei, drei. . . Nur sie, das Wasser und die scheinbar unendliche Weite des Meeres. Ohne Hilfsmittel, ohne Alarmknopf, ohne Notausgang.

Was für die meisten Menschen ein Alptraum wäre, ist für die Essenerin ihre Vorstellung von Glück. „Es ist wunderschön“, sagt die 31-Jährige. „Diese Beherrschung des Körpers, dazu die Einsamkeit und Stille unter Wasser. Das Gefühl, alles mit sich selbst auszumachen.“

Jennifer Wendland ist Deutschlands beste Freitaucherin. Sie stürzt sich ohne Atemgerät nach unten. 80 Meter in die Tiefe.

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Drei deutsche Rekorde

Beim Klettern wäre sie wohl die, die ohne Seil raufgeht, und beim Segeln die, die allein in einer Jolle den Atlantik überquert. „Die meisten Freunde finden meinen Sport verrückt“, sagt Jennifer Wendland und lacht. Sie kann sie verstehen, aber sie ist sich ihrer Sache sicher.

Ein Profi, der gleich in drei Disziplinen des Freitauchens den deutschen Rekord hält – eine mit und zwei ohne Schwimmflossen –, der vor zwei Jahren Bronze bei der Weltmeisterschaft gewonnen hat und Freitag losfliegt zur nächsten WM: „Ich möchte wieder mit einer Medaille zurückkommen.“

Jennifer Wendland hat ihren Körper langsam an die extremen Ziele herangeführt

Das Luftanhalten muss sie kaum noch üben, sie schafft es bis zu sechs Minuten lang. „Man kann lernen, dass der Atemreiz spät einsetzt, aber das letzte Stück ist auch für mich das schwerste. So wie bei einem Läufer, bei dem sich vor dem Ziel die Muskeln melden. Ich denke dann an etwas Schönes.“

Während sie so schnell wie möglich, aber so behutsam wie nötig zurück zum Tageslicht aufsteigt, stellt sie sich oft vor, dass ihre Freunde dort stehen und applaudieren.

Hochleistungssportler wie sie leben von der Kraft des Gedanken und der Willensstärke. Yoga hilft ihr dabei oder auch die Auseinandersetzung mit Ängsten. Bei ihrem Sport gibt es keine tosende Menge auf der Tribüne oder Mutmacher an der Strecke.

Sie verpasst die Hochzeit

Ein halbes Jahr lang hat sich die Essenerin, die bei RWE arbeitet, auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Für den 26. August ist ihr erster Start angesetzt, im offenen Meer bei Roatán, einer Karibik-Insel vor Honduras. Tausende Kilometer entfernt heiratet am selben Tag ihre Schwester.

„Als Sportler muss man leider im Privatleben kürzertreten.“ Sie wird schon drei Wochen vor der WM auf der Insel sein, um sich an das Klima zu gewöhnen, um das Meer zu spüren und ein Gefühl für das Wasser zu bekommen. Und sie wird Haferflocken ansetzen mit Wasser, Zimt und Honig. „Das bekommt mir vor dem Tauchen am besten.“

Jennifer Wendland ist ein disziplinierter Mensch, der dazu fröhlich ist und viel lacht.

Ein Fehler nur kann beim Freitauchen fatale Folgen haben, er kann den Körper ruinieren

Immer wieder kommt es zu Unfällen unter Wasser, weil die Lunge dem Druck der Tiefe nicht standhält, weil die Ohren die Belastung nicht mitmachen oder der Taucher ohnmächtig wird. Die junge Deutsche hat noch nichts dergleichen erlebt. „Ich versuche, das Risiko zu kalkulieren.“

Sie verbringt viel Zeit in Ägypten, wo auch ihr Trainer arbeitet. Ist sie in ihrer Heimat, konzentriert sie sich auf das Techniktraining. Da taucht sie minutenlang im Grugabad ab.

Jennifer Wendland ist zwar Deutschlands Beste und zählt international zur Spitze der Freitaucher, aber reich wird sie mit ihrem Sport nicht. Im Gegenteil. „Ich musste sparen, um mir das alles erlauben zu können.“ Sie lächelt. Es ist ihre Vorstellung von Glück.

 
 

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