Schwarzmarkt für Wartenummern bei Zulassungsstelle in Essen

Lange Wartezeiten sind bei der Kfz -Zulassungsstelle im Steeler Globuscenter häufig an der Tagesordnung.
Lange Wartezeiten sind bei der Kfz -Zulassungsstelle im Steeler Globuscenter häufig an der Tagesordnung.
Foto: WAZ
  • In der Kfz-Zulassungsstelle in Steele gab es einen schwunghaften Handel mit Wartenummern
  • Betrüger hatten sich frühmorgens „im Stapel“, so die Stadt, Wartemarken gesichert, um diese zu verkaufen
  • Mittlerweile kontrolliert die Stadt morgens die Ausgabe - Bürger müssen Name und Anliegen angeben

Essen.. In der KfZ-Zulassungsstelle in Essen-Steele hat sich offenbar ein Handel mit Wartemarken entwickelt, den die Stadt seit einigen Tagen bemüht ist zu unterbinden. Das Presseamt bestätigte am Dienstag Klagen von Bürgern, denen am Eingang des Globus-Centers, wo die Behörde ihren Sitz hat, Wartemarken gegen Geld angeboten worden waren. Leserin Gabriele Kleinekathöfer berichtete dieser Zeitung, sie hätte 15 Euro an „ausländische Mitbürger“ zahlen sollen, die das Geschäft mit den Nummern unter Kontrolle hätten. „Wo führt das noch hin? Das macht mich als Kunde sowas von wütend.“

Wachleute am Wertmarkendrucker

Die Stadtverwaltung ist nach eigenen Angaben dazu übergegangen, die frühmorgendliche Ausgabe der Wartenummern penibel zu kontrollieren. „Hierzu stellen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu Beginn der morgendlichen Öffnungszeit an die Markendrucker und befragen die Bürgerinnen und Bürger vor Herausgabe des Terminzettels zum Anlass der Vorsprache. Um eine Weitergabe des Zettels zu verhindern, werden die Terminzettel zusätzlich noch mit dem Namen bzw. dem Kennzeichen des Fahrzeugs ergänzt“. All dies sei nötig, weil „bestimmte Personengruppen“ zuvor „im Stapel unberechtigt und ohne tatsächlichen Anlass einer persönlichen Erledigung“ sich hatten Termine reservieren lassen.

Aber damit nicht genug: Die Zustände rund um den Wertmarkendrucker waren offenbar so chaotisch, dass die Stadt jetzt sogar Wachleute dazustellt: „Zur Sicherstellung einer geordneten Abwicklung wird die morgendliche Terminzuordnung zusätzlich noch durch Sicherheits-Personal der RGE begleitet“, heißt es. Missbrauchsfälle seien seitdem nicht mehr bekannt geworden und auch die Bürger zufrieden. Nun, nicht alle: Der ganze Vorgang sei zusätzlich zeitraubend, so Gabriele Kleinekathöfer.

Bürger zahlen, um nicht nochmal ins Amt zu müssen

Der Grund dafür, dass Wartemarken ein gutes Geschäft sind, liegt auf der Hand: In Bürgerämtern und eben auch der KfZ-Zulassungsstelle sind nun schon seit vielen Monaten die Zeitkontingente für die Anliegen der Bürger knapp: „An einigen Tagen sind die am Markendrucker verfügbaren Kontingente leider bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt vollständig ausgebucht bzw. belegt“, räumt die Stadt ein.

Schlecht ist das vor allem für Berufstätige, die nicht endlos Zeit haben und deren Anliegen drängt. „Um nicht ein weiteres Mal den Gang zur Kfz.-Zulassungs- oder Fahrerlaubnisbehörde antreten zu müssen“, so die Stadt, hätten sich einige Bürger entschieden, die gegen Geld angebotenen Termin-Zettel zu kaufen. „Dies hat natürlich letztlich nicht unerheblich dazu beigetragen, dass die frei verfügbaren Buchungs-Zeiträume noch schneller vollständig geblockt waren.“

Zum Kommentar: Vom Irrsinn in der Essener Kfz-Behörde

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