Schüler schrauben für Flüchtlinge

Stadtwald..  In der Gesamtschule Süd nehmen Schüler für Flüchtlinge den Schraubenschlüssel in die Hand. 30 Fahrräder, Roller und anderes, was Räder hat, haben sie im Umfeld zusammengesammelt und in der eigenen Schülerwerkstatt „Fix und fertig“ repariert. Unterstützung gibt es von einem örtlichen Radgeschäft, bald schon sollen die Drahtesel und der Rest über den Möbelmarkt der Caritas-Flüchtlingshilfe Essen an Mann, Frau und Kind gebracht werden.

„Die Idee dazu entstand eher zufällig. Ich lag krank im Bett und habe die Klingel des mobilen Metallsammlers gehört“, erzählt Mike Carlson, Lehrer der Gesamtschule Süd. Und da er als Abteilungsleiter der Sekundarstufe I auch übergeordnete Aspekte im Schulleben im Auge behält, dachte er sich: Über dieses Thema könnte man doch den Schülern das Flüchtlingsthema näher bringen.

Gedacht, getan. Mit der Schülervertretung (SV) hatte Carlson schnell Unterstützer, die sich um die Organisation kümmerten. Die Schülerwerkstatt, die seit ihrer Gründung etwa im Jahr 2002 schon einen Umbau des Schul-Forums gestemmt oder die Beschilderung zur Schule erstellt hatte, sollte den handwerklichen Teil übernehmen. Schüler der Oberstufe gestalteten ein Plakat, das in benachbarten Geschäften und Märkten zum Spenden aufrief. „Und wir haben Schüler und Lehrer aufgefordert, im Familien- und Freundeskreis die Werbetrommel zu rühren“, erzählt Schülersprecherin Mounia Kartiov (17). Daneben hörten die Betreiber des Fahrradgeschäftes „Tretwerk“ vom Engagement der Schüler und stiegen ein, sammelten ebenfalls, zahlten Neukäufern eine kleine „Abwrackprämie“ für ihr altes Rad.

Zwölf Schüler, ein Gedanke

Das hat alles gut geklappt, sogar sehr gut. „Innerhalb kurzer Zeit kamen viele Spenden zusammen. Außerdem waren die meisten auch noch in erstaunlich gutem Zustand“, berichtet Vertrauenslehrer und Mitkoordinator Constantin Schoblock. Nach und nach füllten sich Lagerraum und Lern- und Werkraum der Schülerwerkstatt, die für Ergänzungsunterricht im Bereich Werkstatttechnik der Schule zuständig ist. „Es gab eigentlich nur Kleinigkeiten zu reparieren. Hier musste eine Schaltung eingestellt werden, dort Licht getauscht oder nur eine Kette gesäubert werden“, schildert Lehrer und Werkstattleiter Uwe Seifert.

Für die zwölf Schüler ab der 9. Jahrgangsstufe, die ein Mal in der Woche für eineinhalb Stunden die Schülerwerkstatt besuchen, und dort nicht nur Handwerkliches erlernen sondern auch Kostenvoranschläge oder Rechnungen schreiben und mit den Erlösen den Werkzeugbestand von „Fix und Fertig“ aufbessern, war das eine schöne Abwechslung. „In den ersten Wochen habe ich bestimmt acht Räder repariert oder leichte Gebrauchsspuren beseitigt“, erzählt Arndt Püttmann (16). Und Schulkollege Nico Duske (15): „Wir haben Bremsen repariert und vieles mehr. Manchmal haben wir die Räder aber auch einfach nur säubern müssen.“ Zusätzlich halfen die Partner vom Fahrradgeschäft aus, überließen den Schülern Ersatzteile zum Selbstkostenpreis und spendeten Werkzeug.

Schon in der kommenden Woche werden die ersten Räder für einen kleinen Preis zu haben sein. Übrigens: Die Rahmennummern wurden bereits der Polizei übermittelt, jeder Käufer bekommt ein Zertifikat. „Damit auch jeder den rechtmäßigen Besitz nachweisen kann“, erklärt Mittelstufenleiter Mike Carlson.

Doch mit dem ersten Schub Fortbewegungsmittel soll noch lange nicht Schluss sein. Schüler der Gesamtschule und die Betreiber des Radgeschäftes sammeln weiter. Einräder, Inliner oder Bobby-Cars werden aber nicht mehr angenommen. Uwe Seifert: „Wir freuen uns über jeden Spender – aber bitte nur noch Fahrräder.“

 

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