Schüler entwickeln App für Blinde

Seit Jahren geistert das Thema Fachkräftemangel durch die deutsche Presselandschaft - die Jugend interessiere sich nicht mehr für Naturwissenschaften, 100 000 Ingenieure fehlen, Deutschland falle im internationalen Vergleich zurück.

Felicitas Schönau, Schulleiterin des Werdener Gymnasiums, kennt diese Schlagzeilen und weiß um die Verantwortung ihrer Schule für die Zukunft des Standortes Deutschland. „Wir haben schon vor Jahren begonnen, gegen diesen Trend zu arbeiten und die Naturwissenschaften zu fördern“, erläutert die Oberstudiendirektorin.

Beim Regionalwettbewerb von „Jugend forscht“ in Marl gab es von sieben Kategorien insgesamt nur in zwei Kategorien jeweils einen ersten Platz – einen davon haben Natalie Klippert und Janik Münk erhalten. Natalie hat 2013, Janik 2014 am Werdener Gymnasium Abitur gemacht, beide sind jetzt in der Ausbildung, kommen aber weiterhin regelmäßig zur Arbeitsgemeinschaft „Physik & Technik“ von Physiklehrer Dr. Alexander Busse und haben dort an ihrem Projekt gearbeitet. Insgesamt haben beide dieses Jahr zum dritten Mal bei „Jugend forscht“ teilgenommen.

Ihr Projekt heißt „WatchSmart“ und ist der Kategorie „Mathematik /Informatik“ zugeordnet. Es geht dabei darum, Smartwatches durch die Entwicklung spezieller Apps für die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter Menschen nutzbar zu machen. Sehbehinderte Menschen haben bekanntlich im Alltag mit vielen Schwierigkeiten umzugehen. Für eine Reihe hiervon gibt es inzwischen verschiedenste mehr oder weniger alltagstaugliche technische Hilfsmittel. Eine noch recht marktneue Technik stellen die Smartwatches dar – Minicomputer, die wie Armbanduhren getragen werden, aber eine Fülle von Sensoren besitzen und zum Teil über offene Programmierschnittstellen verfügen. Die Idee der Schüler war es, zunächst zu ermitteln, in welchen Lebensbereichen Bedarf an technischen Hilfsmitteln besteht und inwiefern sich dieser Mangel durch eine Applikation für eine Smartwatch beseitigen ließe.

Im zweiten Schritt wurden exemplarisch eine oder zwei solche Softwarelösungen realisiert und in Zusammenarbeit mit sehbehinderten Menschen bezüglich ihrer Eignung zur Lösung des jeweiligen Problems evaluiert.

Das Werdener Gymnasium nimmt seit Jahren erfolgreich am Wettbewerb „Jugend forscht“ teil, was auch Bestandteil des naturwissenschaftlichen Konzepts der Werdener Traditionsschule ist. Das Gymnasium verfügt bereits über Naturwissenschaftsprofilklassen in der Unterstufe, die so genannten Science plus-Klassen.

In der Mittelstufe gibt es die speziellen Wahlfächer Biochemie und Informatik. In der Oberstufe bietet die Schule neben Informatikgrundkursen auch Leistungskurse in allen naturwissenschaftlichen Fächern, Biologie, Physik und Chemie, sowie Projektkurse in Biomedizin und Bionik an. Daneben finden viele Arbeitsgemeinschaften im Nachmittagsbereich statt wie die Chemie-AG und die Physikolympiade.

Angesichts solch engagierter Schüler und Lehrer muss man keine Angst um die Zukunft des Standortes Deutschland haben. Im Gegenteil: Man darf gespannt sein, was die jungen Forscher als nächstes entwickeln werden.

 
 

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