Schlosshotel Hugenpoet kämpft ums Überleben

Janet Lindgens
Das Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig hat ein Schutzschirmverfahren beantragt.
Das Schloss Hugenpoet in Essen-Kettwig hat ein Schutzschirmverfahren beantragt.
Foto: Hans Blossey
Das Kettwiger Hotel Hugenpoet hat wegen drohender Insolvenz Anfang der Woche ein Schutzschirmverfahren beantragt. Es geht nun darum, die weitere Existenz des Hauses zu sichern, betont Geschäftsführer Michael Lübbert, der auch zu den Gründen für die Schieflage Stellung nimmt.

Essen. Anfang des Jahres wurden Michael und Petra Lübbert noch als Hoteliers des Jahres ausgezeichnet. Die Eigentümer des Schlosshotels Hugenpoet hätten bei allen Erweiterungen den Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart hervorragend bewältigt und das Haus zukunftsfähig gemacht, begründete die Jury ihr Urteil.

Nun, fast elf Monate später, müssen die Lübberts allerdings um die Zukunft ihres Hauses in Kettwig kämpfen. Das Schlosshotel Hugenpoet ist angeschlagen. Um eine drohende Insolvenz zu verhindern, hat der geschäftsführende Gesellschafter, Michael Lübbert, an diesem Montag ein so genanntes Schutzschirmverfahren beim Insolvenzgericht beantragt. „Wir sind nicht insolvent, sondern es ist eine Vorsichtsmaßnahme, um den Weiterbestand des Unternehmens zu sichern“, sagte Lübbert auf Nachfrage. Die Möglichkeit eines Schutzschirmverfahrens ist recht jung. Es rückt die Sanierung eines in Schieflage geratenen Unternehmens in den Vordergrund.

Gemischte Gefühle bei den Mitarbeitern

Am Dienstag informierte Lübbert die rund 80 Mitarbeiter über den Schritt. Drei Wochen vor dem Weihnachtsfest. Viele seien mit gemischten Gefühlen aus der Betriebsversammlung gegangen, hieß es. Lübbert betonte jedoch, dass es keine Entlassungen geben werde. „Wenn wir Personal abbauen, nutzen wir die Fluktuation“, sagte er.

In den nächsten drei Monaten, so lang läuft das Schutzschirmverfahren in der Regel, erhalten die Mitarbeiter nun Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Das verschafft dem Hotel Luft, um sich neu aufzustellen. In den drei Monaten wird es vor allem aber darum gehen, zusammen mit dem eingesetzten Sachverwalter einen Sanierungsplan aufzustellen.

Sternerestaurant „Nero“ im Sommer geschlossen

Die wirtschaftlichen Probleme des Hotels sind schon länger bekannt. Ende Juli schloss Lübbert das Sterne-Restaurant „Nero“. Er hatte damals offen darüber gesprochen, dass man mit dem Spitzenrestaurant kein Geld verdiente, sondern es quersubventionieren musste. „Vielleicht hätten wir den Schritt schon vor einem Jahr gehen sollen“, sagt er jetzt. Lübbert hatte das Aus des „Nero“ mit der allgemein schwierigen Wirtschaftslage und dem Rückgang im Geschäftskundenbereich begründet. Vor allem aber seien die Kosten beim aufwendigen Umbau des Schlosses, das aus dem 17. Jahrhundert stammt, unerwartet in die Höhe geschnellt, so Lübbert.

Ab Donnerstag, 5. Dezember, findet im Schloss wieder der Nikolaus-Markt statt. Die angekündigte vorweihnachtliche Stimmung dürfte zumindest bei den Mitarbeitern etwas getrübt sein.