Schleuser-Razzia – Flüchtlinge zahlten bis zu 10.000 Euro

Polizisten bei der Razzia in Essen am Mittwochmorgen.
Polizisten bei der Razzia in Essen am Mittwochmorgen.
Foto: KDF-Television & Picture Germany
  • Der Bundespolizei ist ein Schlag gegen eine große Schleuserbande gelungen
  • In Essen wurde ein 24 Jahre alter Mann festgenommen, der der Kopf der kriminellen Organisation sein soll
  • Gegen 17 Beschuldigte werde "wegen gewerbsmäßiger Einschleusung von Ausländern, Urkundenfälschung sowie des Verschiffens von falschen amtlichen Ausweisen" ermittelt

Essen/Gelsenkirchen. Der Bundespolizei ist am Mittwochmorgen ein Schlag gegen eine große Schleuserbande gelungen. 571 Beamte rückten in den frühen Morgenstunden aus und durchsuchten im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hildesheim in drei Bundesländern Wohnungen und Geschäftsräume. Ein Schwerpunkt der Razzia lag in Essen. Hier wurde ein 24 Jahre alter Mann festgenommen, der der Kopf der kriminellen Organisation sein soll.

Wie die Bundespolizei am Mittwochvormittag nach den Durchsuchungen erklärte, ermittelt sie gegen 17 Beschuldigte "wegen gewerbsmäßiger Einschleusung von Ausländern, Urkundenfälschung sowie des Verschiffens von falschen amtlichen Ausweisen".

Libanesisch-kurdischer Familienclan

Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Bundespolizeipräsidium "überwiegend um polizei- und medienbekannte Angehörige eines libanesisch-kurdischen Familienclans der Volksgruppe der sogenannten Mhallamiye Kurden." Der Clan sei bisher durch schwere Gewaltstraftaten im Rotlicht- und Rauschgiftmillieu aufgefallen. Daher habe man Unterstützung der Spezialeinheit GSG9 angefordert.

Der 24 Jahre alte Hauptbeschuldigte habe für die Schleusung von Syrern und Libanesen nach Deutschland ein internationales Netzwerk von Kontaktpersonen genutzt. Sie sollen ihm bei der Beschaffung falscher Dokumente geholfen haben und die Flüchtlinge auf dem Weg nach Deutschland mitunter begleitet haben.

Sechs weitere Beschuldigte wurden vorläufig festgenommen, um ihre Identitäten auf dem Revier festzustellen, sagte der Einsatzleiter der Bundespolizei, Helgo Martens, nach der Aktion. Weitere zehn Beschuldigte befinden sich nach Angaben der Bundespolizei bislang auf freiem Fuß.

Schleuser kassierten bis zu 10.000 Euro

Als Preis für die Einschleusung verlangte die Bande bis zu 10.000 Euro pro Person – den größten Teil im Voraus. "Teilweise haben die Beschuldigten offenbar erst mit dem Hinweis auf die ihnen angeblich zur Verfügung stehende kriminelle Logistik den Entschluss zur illegalen Reise nach Deutschland bei den späteren Geschleusten hervorgerufen", erklärte die Bundespolizei am Mittwochvormittag. "Diese Summen zeigen, dass immer mehr kriminelle Netzwerke sich auf die Schleusungskriminalität fokussieren, weil dort viel Geld zu machen ist", betonte Einsatzleiter Martens.

Die Geschleusten reisten überwiegend mit Flugzeugen nach Deutschland. Die Bande beschaffte dafür gefälschte Reisedokumente und Aufenthaltsgenehmigungen. Laut Bundespolizei erkannten in mehreren Fällen bereits ausländische Grenzpolizisten, dass die Dokumente gefälscht waren.

So saß eine zehnköpfige libanesische Familie über mehrere Wochen in Kuala Lumpur/Malaysia fest, da falsche Papiere dort aufgeflogen waren. Laut Bundespolizei schritten das UN-Flüchtlingshilfswerk und die Deutsche Botschaft aus humanitären Gründen ein und ermöglichten die Weiterreise nach Deutschland. Nach ihrer Ankunft in Deutschland kritisierten Familienmitglieder das nach ihrer Auffassung betrügerische Verhalten der Schleuser öffentlich gegenüber einem arabischsprachigen Fernsehsender.

Der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann, erklärte: "Auch diese Festnahme und die Durchsuchungen belegen erneut, dass es den Schleusern um´s Kasse machen geht, und nicht um das Schicksal der Geschleusten. Dabei ist den vermeintlichen 'Fluchthelfern' jedes Mittel recht."

Neun Objekte rund um den Altenessener Bahnhof durchsucht

Die Bundespolizei durchsuchte bei der Razzia am Mittwoch insgesamt 24 Objekte, darunter neun in Essen rund um den Altenessener Bahnhof. Im Visier hatten die Ermittler auch einen libanesischen Imbiss an der Altenessener Straße. Die Altenessener Straße wurde im morgendlichen Berufsverkehr im Bereich des Bahnhofs gesperrt. Der Großeinsatz führte zu Verkehrsbehinderungen im Essener Norden. Gegen 9.20 Uhr waren die Durchsuchungen laut Bundespolizei abgeschlossen.

Auch in Gelsenkirchen, Solingen, Gladbeck, Hildesheim sowie an weiteren Orten in Niedersachsen und Baden-Württemberg richteten sich die Durchsuchungen gegen die Schleuser. Die Beamten stellten zahlreiche Beweise gegen die Schleuser sicher. Außerdem fanden die Bundespolizisten: salafistische DVDs, sieben Macheten, Schwerter, Messer, Munition für Handfeuerwaffen, eine Laserzieleinrichtung für ein Gewehr, diverse Ausweis- und Passdokumente, unversteuerten Tabak, mehrere Kartons mit gefälschter Markentextilware sowie 32 Kilogramm illegale Böller mit insgesamt über fünf Kilogramm Sprengstoff.

 
 

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