Schlägerei zwischen Libanesen - Nachspiel vor Schwurgericht

Stefan Kober
Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei in den Mittagsstunden des 1. August 2012 zu einer Massenschlägerei zwischen zwei verfeindeten Großfamilien nach Altendorf aus.
Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei in den Mittagsstunden des 1. August 2012 zu einer Massenschlägerei zwischen zwei verfeindeten Großfamilien nach Altendorf aus.
Foto: ANC-News
Eine wüste Auseinandersetzung zwischen zwei libanesisch-stämmigen Familien beschäftigt in den kommenden Wochen die Justiz. Neben einem am Donnerstag startenden Verfahren beginnt im März ein Prozess wegen versuchten Totschlags. Vor anderthalb Jahren wurde einer der Angreifer selbst zum Opfer.

Essen. Die wüste Auseinandersetzung zwischen zwei libanesisch-stämmigen Clans in Altendorf vor anderthalb Jahren hat noch ein weiteres juristisches Nachspiel. Während am Donnerstag in Essen unter verschärften Sicherheitsbestimmungen zunächst der Prozess gegen zwei Brüder wegen Sachbeschädigung, gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung beginnt, startet am 11. März ein weiteres Verfahren - diesmal vor dem Schwurgericht. Die Anklage gegen Abrahim Z. (26) lautet auf versuchten Totschlag.

Rückblende: Am 1. August 2012 dringen drei Brüder gewaltsam in eine Wohnung am Holdenweg ein. Eine heftige Schlägerei bricht dann zwischen mehreren Beteiligten aus, unter anderem mit Küchenutensilien gehen die verfeindeten Familien aufeinander los. Die Auseinandersetzung verlagert sich um die Mittagszeit dann auf die offene Straße. Abrahim Z. soll da bereits zwei Küchenmesser in den Händen halten, ein langes und ein kurzes. Schließlich fliehen die drei mutmaßlichen Angreifer. Laut Anklage soll Abrahim Z. ihnen nachgesetzt haben. Auf der Flucht soll einer der Brüder, Mohammed Z., gestolpert und auf dem Boden liegen geblieben sein. Daraufhin soll Abrahim Z. zugestochen haben - mit „Tötungsvorsatz“, so die Staatsanwaltschaft. Zwei drei Zentimeter tiefe Stiche treffen das Opfer in Rücken und Oberarm, verletzen Leber und Lunge. Das Leben des 27-Jährigen muss im Krankenhaus durch eine Not-Operation gerettet werden. Die beiden Messer sind nach dem Vorfall nie gefunden worden.

32 Zeugen sind geladen

Der Angeklagte Abrahim Z. behauptet, „nur“ einmal zugestochen zu haben. Erst daraufhin habe Mohammed Z. das Gleichgewicht verloren und sei gestolpert. Abrahim Z. wurde nach der Tat zunächst in Untersuchungshaft geschickt, ist aber längst wieder auf freiem Fuß.

Das Essener Landgericht hat für den Prozess acht Verhandlungstage angesetzt. 32 Zeugen sind geladen. Wenn der Prozess gegen Abrahim Z. am Essener Landgericht beginnt, dürfte ein mögliches Urteil gegen die ab Donnerstag angeklagten Brüder, von denen einer vom Angreifer zum Opfer wurde, schon gesprochen sein.