Schatzsuche als echte Herausforderung mit Überraschungen

Und nun...? Die Schatzsuche gestaltete sich knifflig.
Und nun...? Die Schatzsuche gestaltete sich knifflig.
Mit Glück und Geschick konnte man im Rahmen der Schatzsuche von DB Regio NRW und den Tageszeitungen unserer Mediengruppe eine Kiste mit echtem Gold finden. Bei der aufwendigen Schnitzeljagd galt es zunächst, 18 Rätsel zu lösen. Nach knapp fünf Stunden kam die Einsicht: Das Lösungswort trägt jeder Teilnehmer schon den ganzen Tag mit sich Spazieren.

Witten. Bereits am Bahnhof wird über mögliche Favoriten spekuliert. „Am Ende gewinnt bestimmt die Kleine da hinten“, sagt Stefan Janßen und guckt ziemlich auffällig in Richtung Treppenaufgang. Loredana Coronato weiß nicht, dass über sie gesprochen wird. Die junge Frau mit den bunten Turnschuhen und den rötlichen Haaren hält sich die recht abstrakt gezeichnete Schatzkarte vors Gesicht und denkt angestrengt nach. „Letztens hab‘ ich gelesen, dass in Steele ein Kind Schmuck und Münzen gefunden hat“, erzählt sie recht gelassen und ergänzt: „Jetzt will ich auch was finden!“ Eine Strategie hat sich die 23-jährige Essenerin bereits überlegt: „Sollen die anderen doch meinetwegen zu Aufgabe 1 laufen – wir fangen einfach hinten an“, sagt Coronato zu ihrem Freund Michael Schwarz, der in dem erhofften Preisgeld die Anzahlung für ein neues Auto sieht.

Die meisten der etwa 300 Schatzsucher erkennt man an den staubigen Wanderschuhen. Alle haben am frühen Morgen ihre Tageszeitung durchblättert und dort den Aufgabenzettel zu einer modernen Schnitzeljagd gefunden. Irgendwo im Ruhrgebiet will die DB Regio NRW Gold im Wert von 1250 Euro versteckt haben. Sie brauchen keinen Spaten, kein GPS, keinen Metalldetektor“, hatte der Rätselerfinder „CUS“ geschrieben. Stefan Janßen und seine beiden Begleiterinnen haben sich aus Erfahrung im Geocaching aber trotzdem auf alle Eventualitäten vorbereitet. Der 42-jährige Bochumer listet sein Gepäck auf: „Taschenlampe, Gummihandschuhe, Landkarte, Teleskopspiegel, etwas Werkzeug, das Millimeterpapier und dann noch etwas zum durchpausen.“ Wenige Minuten vor der Abfahrt gibt die Deutsche Bahn dann den entscheidenden Hinweis zum Zielort: Es geht nach Witten.

Überall versteckte Hinweise?

Der erste Wegpunkt ist schnell gefunden: „Na klar, das ist da oben. Das Zierfenster vorne an der Bahnhofsfassade“, freut sich Janßen, der seinen beiden Bekannten daraufhin aus der Schatzkarte vorliest: „Am Bahnhof findest Du die Krone. Gehe unter ihr hindurch.“ Alle drei nicken. Auch die anderen Teilnehmer haben sich vor dem Eingangstor versammelt. Einige, laufen zielstrebig davon, andere suchen in ihrem Smartphone nach Kartenmaterial von Witten, wieder andere rufen Freunde mit Ortskenntnis an. Birgit Oertel hat ihre Hündin Kira zur Unterstützung mitgebracht. „Normalerweise findet sie alles was essbar ist – ich hoffe das klappt heute auch mit Gold“, scherzt sie mit ihrem Mann Peter. Helga Liefkes dagegen versucht in Hausnummern und Straßenschildern versteckte Hinweise zu entdecken. Beim Laufen hört man, wie sie Quersummen aus Kilometerangaben berechnet. Manchmal bleiben sie und ihre Gruppe abrupt stehen und fotografieren ein Gebäude. Die meisten Schatzsucher treibt es in Richtung Muttental, vorbei an der Zeche Nachtigall, weit hinein in die Wälder. Nach 30 Minuten sind keine Menschen mehr zu sehen.

Stefan Janßen steht vor einem Hinweisschild, dass zu einer alten Schachtanlage gehört und sieht wie eine seiner Mitstreiterinnen einen Stift zum Abschreiben sucht. „Ich hab‘ 16 Gigabyte“, ruft der Englischlehrer, greift in die Tasche seiner etwas zu groß geratenen Wanderjacke und präsentiert allen stolz die Fotofunktion seines Handys. Geocaching-Freundin Margit Kraus vermutet einen Zusammenhang mit Begriffen aus der Sprache der Bergleute und beginnt mögliche Lösungswörter aufzuzählen. Die drei Bochumer gehen häufig zusammen in die Natur und lösen dort in ihrer Freizeit Rätsel. „Beim Geocaching geht es darum, kleine, raffiniert versteckte Gegenstände zu finden. Dazu muss man erst mehrere kleine Rätsel lösen, um an den genauen Zielort zu gelangen“, sagt Janßen, der sich von seinem Teil der erhofften Siegesprämie einen Antrieb für sein Garagentor kaufen will. „Die Schwierigkeitsstufen reichen je nach Versteck von eins bis fünf“, ergänzt Margit Kraus. „Das heute wäre eine gute drei.“

Wachsender Konkurrenzkampf

Als Loredana Coronato und die Gruppe um Stefan Janßen an der Burgruine Hardenstein aufeinander treffen, schlägt Kraus ihre Hand in Sekundenbruchteilen auf die ausgebreitete Lösungsskizze und unterbricht ihre Freunde beim Reden. „Habt ihr alle Nummern?“, will Michael Schwarz von den drei Geocachern wissen. Ohne zu zögern antwortet Janßen, welche zwei Nummern der Gruppe noch fehlen. Schwarz zündet sich eine Zigarette an und schaut zu seiner Freundin, während Janßen strenge Blicke von seinen Bekannten erntet. Mehrere Sekunden vergehen. „Vielleicht könnte man ja tauschen“, sagt der Englischlehrer betont freundlich in die Runde. „Vier gegen Dreizehn“, erwidert der 24-jährige. Ein kurzes Nicken. „Das richtige Wort heißt Grube.“ Kurz darauf gehen die Gruppen wieder getrennte Wege. Noch ein paar Mal begegnen sich die fünf Schatzsucher im Wald bei Witten. Immer wieder achten die beiden Frauen im Team auf den notwendigen Abstand. „Stefan, Du hast einfach so eine laute Lehrerstimme. Du musst denen ja nicht alles verraten“, beschwert sich Margit Kraus.

Ein paar Mal wirkt es so, als hätte sich die Gruppe verlaufen. Ein Lösungsbuchstabe ist immer noch offen. Janßen läuft quer über einen Acker, einen Hügel hoch, dann wieder zurück, läuft zu alten Stolleneingängen, fotografiert etwas und berät sich wieder mit seiner Gruppe. Coronato ist meistens ein paar hundert Meter entfernt. Unterwegs hat sie einen Autofahrer angehalten, Anwohner befragt und schließlich Tomaten gegessen. Nach vier Stunden ohne Pause ist ihr kalt und sie muss sich hinsetzen. „Michael ist gerade völlig im Jagdfieber“, sagt sie und zeigt dabei auf ihren Freund, der eigentlich „nur so“ mit kommen wollte und gerade zu ein paar beschmierten Felsbrocken rennt, um sie auf Hinweise zu untersuchen. Erst vor wenigen Minuten hieß es in einer SMS, dass der Schatz noch immer nicht gefunden sei.

Die Lösung liegt im Portemonnaie

An einer alten Schienentrasse bleibt Janßens Gruppe stehen um kurz nachzudenken. „Vielleicht hat das Lösungswort doch nichts mit Bergwerken zu tun“, urteilt die Runde. Margit Kraus hat plötzlich einen Verdacht. Sie zieht ihr Portemonnaie hervor, klappt es auf und hält es den beiden Freunden vor die Nase. „Schöner Tag Ticket“. Die Gruppe verliert kein Wort sondern läuft wieder los, die beiden Frauen sprinten vorne weg in Richtung Zeche Nachtigall, da piepst kurz das Handy von Stefan Janßen auf. Er liest vor: „Der Schatz wurde gefunden.“ Am Zielpunkt sitzen bereits seine beiden Bekannten und winken. Überall hört man ein Tuscheln, wie bereits Vormittags am Bahnhof. Familie Oertel und ihre Hündin sitzen auf einer Bank und trinken Limonade. Janßen geht die Anwesenden nach bekannten Gesichtern durch, die „Kleine“ ist nicht dabei.

Noch eine halbe Stunde dauert es, dann stehen die Sieger auf dem Hof: Helga Liefkes, die Frau mit den Quersummen und ihre drei Freunde vom Hochbegabtenverein Mensa in Deutschland. „Es war wirklich ziemlich schwer“, urteilt die 56-jährige aus Düsseldorf. Zusammen mit ihren Mitstreitern Jana Linden, Gisela Feldhaus und Thomas Voß wird sie zum Fototermin gebeten. Wie sie den Schatz gefunden haben? „Wir haben heute Nacht nicht geschlafen, sondern vor den Rechnern gesessen und nach Hinweisen zum geheimen Zielort gesucht“, berichtet Liefkes, die das Marketing für verschiedene IT-Unternehmen organisiert. Auch die Organisatoren staunen nicht schlecht. Strahlend berichtet sie weiter: „Auf der gemalten Landkarte gab es kleine Symbole und die sind wir dann bei Google durchgegangen. Wir haben uns auch Papierkarten besorgt und stundenlang geschaut, wo die Schatzsuche denn bloß stattfinden könnte.“

 
 

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