Satte Grundsteuer-Erhöhung trifft jeden Essener

Der Euro muss wieder an Stabilität gewinnen
Der Euro muss wieder an Stabilität gewinnen
Foto: ddp/Alexander Heimann

Essen.. Die Grundsteuer B steigt nun durch den Sparpaket-Beschluss des Rates stark an - von 510 auf 590 Prozent. Und das sogar rückwirkend vom 1. Januar an. Modellrechnungen zeigen auf, wie stark Mieter und Hausbesitzer betroffen sind.

Sektsteuer, Sexsteuer, Einkommenssteuer - darunter kann man sich noch etwas vorstellen. Doch die Grundsteuer B ist wohl den meisten der 572 000 Essener unbekannt - obwohl alle Einwohner diese Abgabe direkt oder indirekt an die Stadt zahlen, weswegen sie auch von einigen als Bürgersteuer bezeichnet wird. Die Grundsteuer B steigt nun durch den Sparpaket-Beschluss des Rates in Essen stark an - von 510 auf 590 Prozent. Und das sogar rückwirkend vom 1. Januar 2010 an.

Die Steuer auf bebaute Grundstücke trifft auf den ersten Blick nur Wohneigentümer, doch am Ende bekommen diesen Kostensprung von immerhin knapp 16 Prozent auch alle Mieter zu spüren. Denn die Grundsteuer darf von den Vermietern auf alle Mieter umgelegt werden - die sogenannte „Zweite Miete“, also die Umlage für Wasser, Heizung, allgemeine Stromkosten, Müll und eben auch Steuern, wird für alle Einwohner steigen.

28 Euro pro Kopf

Rein rechnerisch wird jeder vom Baby bis zum Greis mit 28 Euro getroffen - denn die Stadt plant mit dieser Grundsteuer-Erhöhung satte 16 Millionen Euro Mehreinnahmen ein.

Doch bestimmend für die Berechnung der Grundsteuer ist nicht die Personenzahl in einem Gebäude, sondern der sogenannte „Einheitswert“: Der Wert des Hauses basierend auf Erkenntnissen des Jahres 1964. Weil dieser gerade mal 10 Prozent vom heutigen tatsächlichen Marktwert der Häuser beträgt, wird die Zahl hochgerechnet. In einem komplizierten Verfahren wird dann die genaue Grundsteuer ermittelt.

„Die fällt eben von Objekt zu Objekt sehr unterschiedlich aus. In der Regel trifft die Erhöhung der Grundsteuer aber Neubauten sehr viel stärker als Altbauten“, erläutert Werner Weskamp, Geschäftsführer des Essener Eigentümerverbandes „Haus & Grund“. „So kann es sein, dass der Eigentümer einer Villa von 1900 mit üppigem Grundstück weniger Grundsteuer zahlen muss als ein Eigentümer eines neuen Reihenhauses mit Handtuch-Garten.“

Beispiele aus dem wirklichen Leben illustrieren das: Für ein neu gebautes Eck-Reihenhaus in Dellwig auf einem 250-Quadratmeter-Grundstück zahlte die Familie 524 Euro Grundsteuer 2009 an die Stadt. Für 2010 muss sie jetzt nach dem Ratsbeschluss 606 Euro zahlen - 82 Euro mehr.

Ein Karnaper Zwei-Familienhaus-Besitzer muss dagegen für seinen Bau von 1954 bisher nur 265 Euro abzweigen; ab 2010 sind es jetzt 307 Euro - 42 Euro mehr.

Weil „Haus&Grund“ für Vermieter Gebäude verwaltet, kann der Verband an echten Objekten die Folgen berechnen. Weil dies meist ältere Häuser sind, fallen die Erhöhungen der Grundsteuer nicht ganz so arg aus.

Angst vor Wegzug

So kostet ein Rüttenscheider Vier-Familien-Haus 100 Euro Grundsteuer im Jahr mehr (insgesamt 725 Euro), ein Acht-Familien-Haus in Holsterhausen ist mit 305 Euro zusätzlich dabei (insgesamt 2251 Euro) und der Eigentümer eines Fünf-Familien-Hauses in Altenessen muss 255 Euro mehr Grundsteuern entrichten (insgesamt 1883 Euro).

Für die Mieter bedeutet das in diesen echten Beispielfällen: Sie zahlen pro Quadratmeter zwischen 28 Cent bis 67 Cent zusätzlich an die Stadt. Davon abgeleitet würde dies für eine 120-Quadratmeter-Wohnung immerhin 80 Euro mehr Miete im Jahr bedeuten.

Doch gerade Privatvermieter, die nur einzelne Objekte vermieten, zögern, ihr Steuerplus weiterzugeben. „Wenn ich die Nebenkosten nach diesem harten Winter noch weiter erhöhe, ziehen meine Mieter aus. Ich bleibe auf der Grundsteuer wohl sitzen“, erzählt eine Vermieterin.

Weskamp kritisiert jedenfalls die Entscheidung der Politik: „Die Anhebung der Grundsteuer trifft die Bürger - Eigentümer und Mieter von Wohnungen und Gewerberäumen - stark und belastet sie kaum hinnehmbar.“

 
 

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