Sanierungsstau in Essen wird immer dramatischer

Marcus Schymiczek
An der Ludgerusschule in Werden hat die Stadt Sanitär-Container aufgestellt. Die Sanierung der Schultoiletten lässt weiter auf sich warten.
An der Ludgerusschule in Werden hat die Stadt Sanitär-Container aufgestellt. Die Sanierung der Schultoiletten lässt weiter auf sich warten.
Foto: WAZ
  • Sanierungsstau an städtischen Immobilien spitzt sich zu
  • Es fehlt Personal und zusätzliche Aufgaben durch die Flüchtlingskrise belasten Etat
  • 5,2 Millionen Euro wurden städtischer Immobilienwirtschaft für Asylunterkünfte abgezogen

Essen. Der Sanierungsstau an städtischen Immobilien in Essen spitzt sich weiter zu. Die Verwaltung begründet dies mit fehlendem Personal und mit zusätzlichen Aufgaben, die durch die Bewältigung der Flüchtlingskrise auf die Stadt zugekommen seien. So musste die städtische Immobilienwirtschaft nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 5,2 Millionen Euro aus ihrem Budget abzweigen, um Asylunterkünfte anzumieten oder Gebäude für die Unterbringung von Flüchtlingen baulich herzurichten.

Vorgesehen war diese Summe für die Bauunterhaltung der rund 1000 städtischen Immobilien. Für diesen Zweck hat der Rat für das laufende Jahr insgesamt 26,7 Millionen Euro bereit gestellt. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht und wenn überhaupt, dann nur für das Allernötigste. Auf Anfrage teilte die Verwaltung mit: „Unter den momentanen Rahmenbedingungen reichen die Finanzmittel (...) nur noch aus, um die Verkehrssicherheit der Gebäude bzw. deren Funktionalität zu gewährleisten und den gesetzlichen Verpflichtungen nachzukommen.“

Sanierung der Schultoiletten lässt weiter auf sich warten

Zum eigenen Erstaunen mussten Mitglieder der Bezirksvertretung Bredeney/Werden/Kettwig jüngst zur Kenntnis nehmen, dass die Sanierung von Schultoiletten nicht darunter fällt. Anlass für eine Anfrage an Vertreter der Immobilienwirtschaft waren Beschwerden von Eltern, deren Kinder die Ludgerusschule besuchen, wo die Toiletten aufgrund baulicher Probleme geschlossen sind. Die Stadt hat deshalb Sanitär-Container aufgestellt, der Funktionalität wäre also genüge getan. Die Sanierung der Schultoiletten aber lässt seit mehr als einem Jahr auf sich warten, empörten sich Sitzungsteilnehmer.

Und das ist nur eine Baustelle von vielen. Längst schiebt die Immobilienverwaltung einen Berg an unerledigter Arbeit vor sich her. Dieser beläuft sich inzwischen auf ein finanzielles Volumen in Höhe von 132 Millionen Euro. Zum Vergleich: Um die Verkehrssicherheit ihrer Immobilien zu gewährleisten, also um zu verhindern, dass niemand zu Schaden kommt, gibt die Stadt pro Jahr zehn bis 15 Millionen Euro aus. Um allein die dringendsten Maßnahmen zu erledigen, müsse über Jahrzehnte mit mehr Personal und einem Budget von rund 135 Millionen Euro gearbeitet werden, lautete die ernüchternde Sachstandsbeschreibung der Verwaltung in der besagten Sitzung der Bezirksvertretung.

Gesucht werden vor allem Architekten und Bauingenieure

Mehr Personal? Wenn es denn so einfach wäre. Elf Stellen hat die Stadt für den Bereich Immobilienwirtschaft mehrfach ausgeschrieben, intern und extern. Gesucht werden vor allem Architekten und Bauingenieure. Die Zahl der Bewerber bewege sich „im Rahmen“, heißt es im Rathaus, wo man nicht vergisst darauf hinzuweisen, dass die Stadt als Arbeitgeber schließlich in Konkurrenz steht zur freien Wirtschaft.

Nach Angaben des Personalrates konnte bislang ein Drittel der ausgeschriebenen Stellen besetzt werden. Für den Personalratsvorsitzenden Kai-Uwe Gaida ist das immerhin ein Hoffnungsschimmer. „Wir starten vom Boden aus“, beschreibt Gaida die personelle Situation. „Viel schlimmer kann es nicht mehr werden.“