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Urteil im Prozess um brutal getötete Esra C. – Samir B. (36) bekommt beinahe die Höchststrafe

Die Reaktionen auf das Urteil gegen Samir B.

Das Gericht sieht es als erwiesen an: Samir B. hat seine Verlobte Esra C. brutal getötet. B. wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Gericht sieht es als erwiesen an: Samir B. hat seine Verlobte Esra C. brutal getötet. B. wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

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Essen. Samir B. hat seine Verlobte Esra C. (†26) brutal getötet. Das sieht das Essener Landgericht nach einem langen und emotionalen Indizienprozess als erwiesen an. Am Montagnachmittag wurde B. deshalb zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Am 31. Juli 2017 fanden Esras Schwester und eine Cousine die brutal zugerichtete Leiche von Esra C. in ihrer Wohnung auf dem Bett. Der Verdacht fiel schnell auf ihren Verlobten Samir B., auch, weil der nach der Tat unauffindbar verschwunden war.

Nach einer Öffentlichkeitsfahndung wurde B. in Barcelona von den spanischen Behörden festgenommen und ausgeliefert. Nun geht der mehrfach vorbestrafte 36-Jährige für die Tat in Haft.

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Der vorsitzende Richter Jörg Schmitt nannte als Grund für das hohe Strafmaß vor allem ein fehlendes Geständnis. Aber auch die „völlig unnötige Abwertung der Nebenklage“. Das Verhalten gegenüber Mutter und Schwestern der Getöteten sei „völlig inakzeptabel und schlimm“, so Schmitt.

Damit entspricht die Haftstrafe von B. den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Staatsanwältin Sonntag hatte in ihrem Plädoyer 14 Jahre Haft gefordert. Sie nannte die Bluttat den „traurigen Höhepunkt einer kriminellen Karriere“. B. sei bereits für Taten „einmal quer durch das Strafgesetzbuch“ verurteilt, stand zum Tatzeitpunkt unter Bewährung.

Samir B. nahm die zusammenfassenden Vorwürfe lachend auf, malte unaufmerksam auf einem Notizblatt herum. „Der Angeklagte hatte sich unverschämt im Leben von Esra C. breit gemacht“, so Sonntag weiter. „Die Beziehung war von starker Eifersucht geprägt, auch wenn es keine Indizien für ein Fremdgehen gab.“

Tote Mutter (26) in Gelsenkirchen

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Nach drei Tagen fast durchgehender Streitigkeiten warf Esra C. im Streit mit einem Hammer nach ihrem Verlobten. „Wenn man lange genug verbal auf jemanden einprügelt, wird irgendwann auch die Maus um Löwen und greift zum Hammer“, vermutet Sonntag in ihrem Plädoyer die Beweggründe. B. konnte das „durch sein hohes Aggressionspotenzial“ nicht auf sich sitzen lassen und schlug zuerst mit einem Messer und anschließend wohl mit einem Beil auf C. ein.

Das Opfer starb letztendlich aufgrund eines massives Schädel-Hirn-Traumas und schwere Verletzungen an Schädel und Gehirn durch 13 Messerstiche und Hammerschläge. B. griff sich nach der Tat EC-Karte und Auto der Getöteten und fuhr in seine Heimat Buchen in Baden-Württemberg, wo er laut Sonntag „ähnlich einer Abschiedstour“ seine Eltern und Geschwister besuchte und mit einigen von ihnen noch am Abend der Tat in einer Disco feierte, bevor er sich nach Barcelona absetzte.

„Gefühlskälte und Missachtung menschlichen Lebens“

„Die Schuld des Angeklagten wiegt schwer, die brachiale Gewalt grenzt an Grausamkeit. Seine Gefühlskälte und Missachtung menschlichen Lebens sind kaum zu überbieten“, so Sonntag. Außerdem habe B. auch während des Prozesses keine Spur von Reue gezeigt.

B.s Verteidiger Wolf Bonn beklagte in seinem Plädoyer eine „Hetzjagd vom ersten Tag an. Die Angehörigen der Toten, Medien und auch die Staatsanwältin hatten sich sofort festgelegt und nie auch nur versucht, einen anderen Sachverhalt zu ermitteln.“

Verteidigung beklagt „Hetzjagd“

Dabei habe es der Verteidigung nach zahlreiche Anlässe dazu gegeben. Unter anderem war fremde männliche DNA am Oberschenkel und an Schuhen des Opfers gefunden worden, die einen möglichen Kontakt zu anderen Männern nahelegen. Auch berichteten Zeugen beobachtet zu haben, dass B. immer besonnen auf teils scharfe Beleidigungen von Esra C. reagiert hatte.

„Die naheliegendste Reaktion darauf, von der Lebensgefährtin mit einem Hammer beworfen zu werden ist keinesfalls, sie zu erschlagen, sondern sich umzudrehen und zu gehen. Genau das hat mein Mandant getan.“

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