Samba vor der Demo zum 1. Mai in Essen - Gewerkschaften bitten zum Tanz

Tim Walther
Foto: Remo Bodo Tietz
Foto: Remo Bodo Tietz
Foto: Remo Bodo Tietz; NRZ
Die traditionelle Maifeier des DGB kehrt nicht als reine Kundgebung auf den Burgplatz zurück. Vorher startet ein Demo-Zug um 10 Uhr in Rüttenscheid. In Altenessen feiert man auf der Zeche Carl, wo auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft erwartet wird.

Essen. Mit Folklore haben die Änderungen, die der DGB für die Maifeier am Dienstag vorgenommen hat, wahrlich nichts zu tun: Der für 1000 Personen angemeldete Demo-Zug startet erstmals um 10 Uhr am Girardethaus mit einer Samba-Truppe vorneweg, sonst besinnt man sich auf alte Zeiten. Die eher als Familienfest mit Kinderprogramm denn als reine Kundgebung geplante Feier zum Tag der Arbeit zieht nach über 40 Jahren wieder auf den historisch wichtigen Burgplatz. Statt ellenlanger Reden setzt man auf Interviews mit lokalen Vertreter zu aktuellen Fragen.

„Wir wollen mit der neuen Strecke auch andere Schichten ansprechen“, sagt Koordinator Klaus Waschulewski. Nach dem Sammeln auf dem Messeparkplatz P2 zieht der Tross auf die Wittekindstraße und biegt auf die Rüttenscheider Straße. Statt mit Trillerpfeifen, wolle man mit freundlichen Rhythmen die Leute einladen, sich anzuschließen.

Auch vor den Wohngebieten macht man nicht halt: Über Franziska- und Julienstraße geht’s zum Markt an der Klarastraße und über den Stern, die Rü, Huyssenallee, Freiheit, Willy-Brandt-Platz und Kettwiger Straße zum Burgplatz. Dort spielt ab 10 Uhr das Bergwerksorchester Niederrhein auf, ehe ab 11 Uhr Oberbürgermeister Reinhard Paß und DGB-Stadtverbandsvorsitzender Bruno Neumann (IG Metall) reden.

Internationales 1. Mai-Fest auf Zeche Carl

Letzterer steht bewusst auf dem Podium – wegen der drohenden Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie. Circa 53.200 Mitglieder zählten der DGB und seine Mitgliedergewerkschaften Ende 2010. Dass sie wieder im Auftrieb sind, erklärt der DGB-Vorsitzende für Mülheim-Essen-Oberhausen, Dieter Hillebrand, mit den Gefahren der kontinentalen Finanzkrise: „Die Armut ist in Europa um acht Prozent gestiegen, Regierungen stürzen durch gesellschaftlichen Widerstand gegen harte Sparkurse. Demokratische Grundrechte, etwa die Selbstbestimmung in den Betrieben nehmen wir den Griechen weg, geraten in Gefahr. Wir leben auch hier nicht auf einer Insel der Glückseligen.“

Maifeier und noch dazu international gibt’s am Dienstag auch auf der Zeche Carl in Altenessen. Von 13.30 bis 20 Uhr feiert man an der Wilhelm-Nieswandt-Allee 100 den 30. Geburtstag der traditionellen 1. Mai-Feier. Neben politischen, sozialen und kulturellen Ständen sowie Folklore-Darbietungen, Live-Musik und kulinarischen Köstlichkeiten werden Bezirksbürgermeister Hans-Willi Zwiehoff und DGB-Regionsvorsitzender Dieter Hillebrand sprechen. Gegen 19.30 Uhr will auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vorbeischauen. Leider nicht für einen flotten Tango mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Eintritt ist frei. Info: www.zechecarl.de