RWE und MSV sollen Geldstrafe zahlen – Hooligans hatten wohl Helfer

Philipp Wahl
Einige Randalierer, die durch den Notausgang in den Innenraum stürmten, gehören nach Informationen der Polizei wohl nicht Essener Hooligangruppierungen an. Nicht alle Störenfriede verstießen gegen das Vermummungsverbot...
Einige Randalierer, die durch den Notausgang in den Innenraum stürmten, gehören nach Informationen der Polizei wohl nicht Essener Hooligangruppierungen an. Nicht alle Störenfriede verstießen gegen das Vermummungsverbot...
Foto: WAZ FotoPool
Wegen der Ausschreitungen im Niederrheinpokal soll RWE 3000 Euro Strafe zahlen, der MSV 5000 Euro. Die Polizei ermittelt gegen je zehn bis 15 Randalierer beider Lager. Am versuchten Platzsturm waren wohl nicht nur Hooligans beteiligt. Gegen vier Trikot-Räuber hat RWE indes Stadionverbote verhängt.

Essen/Duisburg. Die Ausschreitungen beim Pokalkrimi zwischen Rot-Weiss Essen und dem MSV Duisburg am 8. April werden für Randalierer beider Fanlager voraussichtlich ein juristisches Nachspiel haben: Die Polizei hat „gegen jeweils zehn bis 15 Störer beider Fanlager Ermittlungsverfahren eingeleitet“, sagte der zuständige Leiter der Inspektion Nord, Harald Hagen. Er traf sich am Freitag außerdem mit Andreas Hillebrand, Geschäftsführer des Stadionbetreibers GVE, um über Konsequenzen aus dem versuchten Platzsturm vor der Westtribüne zu beraten.

Stadionverbote für RWE-Anhänger nach Trikotraub

Für die 30-minütige Unterbrechung der Partie, die unter dem Schutz von fünf Hundertschaften am Spielfeldrand fortgesetzt wurde, hat der Fußballverband Niederrhein RWE zu 3000 Euro Geldstrafe verdonnert. Der MSV, dessen Anhänger Ordner am Eingang überrannten und große Mengen Pyrotechnik auf den Platz feuerten, soll 5000 Euro zahlen. RWE-Chef Michael Welling wollte sich zu dem Urteil noch nicht äußern, kündigte aber eine mit dem MSV abgestimmte Stellungnahme und zivilrechtliche Schritte an: „Im Falle einer Geldstrafe werden wir uns das Geld von den Verursachern zurückholen.“ Zudem bekräftigte er, ermittelte Randalierer aus dem Stadion verbannen zu wollen.

Einige der Randalierer seien anhand der Bilder der Kameraüberwachung im Stadion identifiziert worden, sagte Harald Hagen. Er will im Zuge der Ermittlungen aber „noch das Videomaterial der Beweissicherungstrupps auswerten, um ganz sicher gerichtsfeste Beweise zu haben.“ Die Ermittler werfen Verdächtigen von West- und Gästetribüne Beleidigung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Widerstand, das Abbrennen von Pyrotechnik und Vermummung vor. Am versuchten Platzsturm sollen nicht nur Hooligans beteiligt gewesen sein, so Hagen: „Wir haben Hinweise, dass auch Personen, die nicht der Fanszene angehören, beteiligt waren.“ Nähere Angaben wollte der Inspektionsleiter „noch nicht“ machen.

Fluchttor vor der Westtribüne soll überarbeitet werden

Dass die Essener Hools und ihre Mitstreiter in den Innenraum vorrücken und das Podest vor der Westtribüne als Bühne nutzen konnten – da sind sich Polizei und GVE inzwischen einig – machte ein bekannter „Abwehrfehler“ überhaupt erst möglich: Das „Entlastungstor“ im Sicherheitszaun hatten Störenfriede schließlich schon bei anderen RWE-Spielen geöffnet. Im Niederrheinpokal betätigte ein Hooligan die Klinke von oben herab mit dem Fuß. Das soll nun provisorisch ein Schutzblech verhindern.

Die GVE wolle für die neue Saison die technischen Möglichkeiten ausloten, das Tor endgültig abzusichern. Obendrein, so Hagen, prüfe der Stadionbetreiber, ob er die Videoüberwachung „freiwillig über die bereits erfüllten Sicherheitsstandards des DFB hinaus modernisiert“.