Rutschig, dunkel, gefährlich

Ein beeindruckendes Lichterband auf der A40 zwischen Essen und Wattenscheid-West. Doch viele Leuchten sind falsch eingestellt, sagt der ADAC.
Ein beeindruckendes Lichterband auf der A40 zwischen Essen und Wattenscheid-West. Doch viele Leuchten sind falsch eingestellt, sagt der ADAC.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Essen. Es sind immer wieder dieselben Wörter: „Ich habe nichts gesehen“, „Es ging so schnell“, „Da war nur ein Schatten“. Autofahrer, die nicht mehr rechtzeitig bremsen konnten, als wie aus dem Nichts vor ihnen plötzlich ein Fußgänger oder Radfahrer auftauchte.

Weil sie den Verkehrsteilnehmer wegen seiner dunklen Kleidung nicht rechtzeitig erkannten, oder weil sie selbst mit defektem Licht unterwegs waren.

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigt die Unfallgefahr deutlich. Gerade der November zählt in der Ruhrmetropole wie in fast allen Großstädten zu den unfallträchtigsten Monaten. November 2013 wurden in Essen und Mülheim 2587 Verkehrsunfälle registriert - die höchste Zahl des ganzen Jahres.

Falsch eingestellt

Pendler müssen sich an die neuen Sichtverhältnisse erst gewöhnen. Zudem macht das Laub die Straßen rutschig. Die Polizei rät deshalb alle Verkehrsteilnehmer zu besonderer Vorsicht und dafür zu sorgen, zu sehen und gesehen zu werden.

Doch bisherige Appelle blieben teilweise ungehört. Nach der Auswertung des ADAC-Lichttests vom vergangenen Jahr hatte mehr als jedes zweite überprüfte Auto Beleuchtungsmängel, gab Simone Wans, Sprecherin des ADAC-Nordrhein zu bedenken.

In den meisten Fällen waren die Scheinwerfer falsch eingestellt und mussten neu justiert werden. Bei den Radfahrern kommt noch ein zweites Problem hinzu. Da ist es nicht nur der Dynamo, der klemmt - oder die durchgebrannte Glühbirne, die den Biker im Dunkeln lässt. „Viele Radfahrer schalten ihr Licht erst gar nicht an“, ärgert sich der 1. Kriminalhauptkommissar Uwe Rippke, Leiter der Verkehrsunfallprävention im Essener Polizeipräsidium. Er kündigte in den nächsten Wochen zusätzliche Aktionen gegen die Licht-Muffel an: „Wir werden in Essen Licht-Kontrollen machen.“ Bei Autofahrern und bei Radlern.

Tragen von reflektierender Kleidung

Bei den Fußgängern geht das nicht. Die dürfen sich kleiden wie sie wollen - selbst wenn der Mantel pechschwarz wie die Nacht ist. Hier gibt es keinerlei Vorschriften bezüglich des Tragens von reflektierender Kleidung - und da möchte Rippke am liebsten ein „Leider“ hinzufügen. So bleibt nur eines: informieren, aufklären und warnen. Immer noch ignorieren etliche Fußgänger, dass sie sich in der Dunkelheit ohne helle und reflektierende Kleidung auf den Straßen möglicherweise in Lebensgefahr bringen.

Denn: Bei Tempo 50 kommt ein Autofahrer frühestens nach 30 Metern zum Stehen. Dunkel Gekleidete erkennt der Autofahrer aber meist erst bei einer Distanz von 25 Metern - zu spät, um das Auto zu stoppen. Trägt der Fußgänger oder Radfahrer helle Kleidung, wird er ab 40 Meter Entfernung erkannt. Eine reflektierende Weste ist sogar schon bei einer Entfernung von 120 bis 150 Metern zu sehen.

Polizei appelliert an alle Eltern

Die Polizei appelliert an alle Eltern, darauf zu achten, dass ihre Kinder im Dunkeln eine reflektierende Weste auf den Straßen tragen. Die Essener Verkehrswacht unterstützt die Aktion, zum Schulbeginn alle I-Dötzchen mit einer knallgelben Reflektorweste auszurüsten.

Zudem gehen die Kommissare der Unfallprävention in die Seniorenheime, um dort für reflektierende Kleidung zu werben. Das muss nicht unbedingt eine Plastikweste sein. „Es gibt auch reflektierende Fäden, die am Ärmel eingenäht werden können, reflektierende Klettbänder oder Bömmelchen“, empfiehlt Uwe Rippke. Hauptsache, da leuchtet was.

Radler (vor allem Mountainbiker), die sich mit einem Dynamo nicht anfreunden können, haben seit letztem Jahr offiziell die Möglichkeit, auf batteriebetriebene Lampen zurückzugreifen. Die werden nach der Reform der Straßenverkehrsordnung nun auch von der Polizei bei den Kontrollen akzeptiert. Zumal sie weit besser als so manche Funzel strahlen.

Testen und testen lassen

Autofahrer sollten spätestens im Oktober ihr Licht am Pkw von Fachkundigen prüfen lassen. Der ADAC beispielsweise bietet das seinen Mitgliedern kostenlos an: vom 16. bis zum 21. Oktober im gelben mobilen Prüfcontainer in Essen-Vogelheim auf dem Metro-Gelände, Lütkenbrauk 64 (geöffnet mo-fr 10-13 und 14-18 Uhr sowie samstags 9-13 Uhr).

Ob überhaupt alle Lampen leuchten , kann jeder Pkw-Fahrer regelmäßig und problemlos selbst testen, indem er vor der Fahrt seine Haus - oder Garagenwand vorne und hinten anleuchtet. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, sollte einen Helfer bei seinem kleinen Check hinzuziehen. Rippke. „Und vergessen Sie dabei nicht, die Bremslichter zu überprüfen.“

 
 

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