Rot-weisse Premiere begeistert Zuschauer im Essener Theater

Martina Schürmann
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Die Premiere von "Fußball, Frauen, Ferde" war ein Erfolg bei Publikum und Alt-Spielern von Rot-Weiss. Im Stück träumt der Essener Klub vom Geldregen.

Essen. Beim Heimspiel an der Hafenstraße wurden am Freitagabend fleißig Tore gesammelt. Ein paar Kilometer weiter, im Theater Freudenhaus, geht es in „Fußball, Frauen, Ferde“ nun sogar ums richtig große Geld für Rot-Weiss Essen. Autor Rainer Besel hat das Fußballmärchen geschrieben. Auf die Bühne gebracht wurde es jetzt mit geschlossener Mannschaftsleistung, einem Koffer voller Geld und der Off-Stimme von „Märchenonkel“ Michael Welling, seines Zeichens Boss von Rot-Weiss Essen.

Der Fehler im Titel ist vom Regisseur bewusst gewählt worden

2017 feiert der Traditionsverein sein 110-jähriges Bestehen. Und da darf man doch mal träumen. Von Geld, das einfach so vom Himmel fällt oder zumindest aus der Schatulle eines stinkreichen argentinischen Rinderbarones. Schließlich war ja nicht immer 4. Liga, sondern auch mal Deutsche Meisterschaft und Pokalsieg, Teilnahme am Europapokal und der verlorene Wimpel von 1955. Von all dem erzählt „Fußball, Frauen, Ferde“.

Die kleine orthografische Eigenwilligkeit haben sie sich bewusst durchgehen lassen. Beim Sportlichen aber durften sogar die Archivare von Rot-Weiss genau draufgucken. Die waren bei der Premiere im Kulturzentrum Grend ebenso dabei wie die Helden von einst, darunter RWE-Spieler Willi „Ente“ Lippens, der voll des Lobes war: „Mir ist das Herz aufgegangen“, freute sich die Fußball-Legende, „ich werde das Stück weiterempfehlen.“

Im Theaterstück werden Sorgen erkannt und Klartext geredet

Dabei ist „Fußball, Frauen, Ferde“ keine sentimentale Jubelarie auf einstige Erfolge, sondern ein Stück, das die Sorgen der Rot-Weissen kennt. Im abgetakelten Kneipenhinterzimmer wird gleich mal Tacheles geredet. Es geht um Millionenschulden, den drohenden Lizenzentzug und den Sog der tiefroten Zahlen. Kassenwart „Asbach“ (Thorsten Schade) macht sich dabei vor allem als Mundschenk bezahlt. „Präsi“ Latussek (Frank Schneider) hat sich auf krumme Geschäfte mit dem örtlichen Immobilienhai eingelassen und will das ganze Stadion verkaufen.

Nur der aufrechte Hannes (Simon Jakobi) lässt sich zum Leidwesen seiner Liebsten Selma (Sermin Kayik) nicht vom rechten Fußballpfad abbringen: erst der Verein, dann die Beziehung! Krisen werden erst mal unter den Tisch getrunken, bevor man Auswege aus dem Tal der Tränen diskutiert: Trainerentlassung, Spielerverkauf oder doch ein reicher Oligarch?

Ruhrpott-Dialekt und spanischer Zungenschlag mischen sich

Besel tröpfelt schon Bitterstoffe in die Geschichte, bevor das Märchen beginnen darf. Doch die Schmerztherapie zeigt Erfolg. Irgendwo im fernen Südamerika hat so ein Superreicher noch Lust, sich was Schönes zu kaufen: einen deutschen Fußballverein. Und schon die Dialoge zwischen Thorsten Schade als Rindfleisch-Multi Don Cristobal und Frank Schneider als tumber Handlanger Luis sind den Bühnen-Besuch wert, wenn sich zum Ruhrpott-Dialekt auch der spanische Zungenschlag in diese eigenwillige Mischung aus Fußballmärchen und Agentensatire mischt, die Orestes Fiedler als südamerikanischer Pferdejockey sportlich erweitert.

Regisseur Thos Renneberg schafft dabei mit sparsamer Ausstattung immer wieder flotte Szenenwechsel und schöne Slapstick-Momente wie die herrliche kuriose Telefonkette auf der Suche nach einem internationalen Geldgeber. Am Ende darf natürlich nicht nur die Liebe siegen, auch die Zukunft von Rot-Weiss ist auf einen guten Weg gebracht. Herzlicher Applaus für eine echte Teamleistung.

Infromationen zu Karten, Terminen und Vergünstigungen

RWE-Dauerkartenbesitzer und Vereinsmitglieder erhalten mit Ausweis im Theater zwei Karten zum Preis von einer für 19,07 Euro. Wer beim RWE diese Theaterkarten vorzeigt, erhält ebenso zwei Karten für eine. Karten und weitere Termine unter der Rufnummer 0201/85 132-30. Infors: theater-freudenhaus.de