Rot-Weiss Essen zahlt keine Stadionpacht mehr

Wolfgang Kintscher
Weil Sponsor RWE abhanden kam, zahlt Rot-Weiss keine Pacht mehr. Aber finanziell kommt’s noch dicker: Damit das neue Stadion an der Hafenstraße nicht das Schicksal des alten teilt, soll eine Instandhaltungsrücklage her. Kalkulierte Höhe: rund eine Million Euro.
Weil Sponsor RWE abhanden kam, zahlt Rot-Weiss keine Pacht mehr. Aber finanziell kommt’s noch dicker: Damit das neue Stadion an der Hafenstraße nicht das Schicksal des alten teilt, soll eine Instandhaltungsrücklage her. Kalkulierte Höhe: rund eine Million Euro.
Foto: Michael Gohl
  • Vergangenes Jahr zahlte der Viertliga-Verein noch rund 80.000 Euro, jetzt gibt’s keinen Cent
  • Zudem müssen versehentlich doppelt vergebene Werberechte finanziell ausgeglichen werden
  • Die Instandhaltungs-Rücklage hat’s in sich: Ein Sachverständiger kalkuliert sie auf eine Million Euro

Essen. Der Betrieb des nun auch schon nicht mehr ganz so neuen Stadions an der Hafenstraße kommt die Stadt Essen teurer zu stehen, als bislang stets kalkuliert. Jüngste Hiobsbotschaft: Mit dem Wegfall des Energieriesen RWE als Sponsor von Rot-Weiss Essen entfällt für die laufende Saison 2016/17 auch die bis dato gezahlte Stadionpacht des Vereins. Statt der im vergangenen Jahr noch kassierten rund 80.000 seien hier „also null Euro“ zu erwarten, wie Dirk Miklikowski den verblüfften Finanzpolitikern des Rates am Dienstag eröffnete.

Und nichts, was er als Chef der Stadion-Betreiberfirma SBGE dagegen tun könne. Denn durch die ausbleibenden Einnahmen sei jene Umsatz-Schwelle unterschritten worden, ab der Rot-Weiss Essen sich verpflichtet hat, von jedem zusätzlich kassierten Euro 25 Cent an die Stadt abzuführen.

„Unglücklich, ärgerlich und wirtschaftlich doof“

Erschwerend komme hinzu, dass mit dem Rückzug von Sponsor RWE auch dessen sämtliche Werbeträger an den sogenannten „Mundlöchern“, also den Durchgängen in den Tribünen entfernt wurden. Die aber sind dem Energieriesen über einen anderen Vertrag zugesichert worden, was Miklikowski eine „recht unglückliche Lage“ nennt, „nicht nur ärgerlich, sondern wirtschaftlich doof“. Denn nun müsse also die städtische Grundstücksverwaltung GVE als Muttergesellschaft des Stadionbetreibers die Rechte von Rot-Weiss Essen zurückholen. Man ahnt: Das kostet.

Dass die Werberechte doppelt vergeben waren – nun, „da hat der damalige Geschäftsführer entweder nicht aufgepasst, oder er war bezogen auf die Vertragsgestaltung überfordert“, glaubt Miklikowski.

Auch städtische Tochterfirmen verringerten ihr Sponsoring

Wahr ist aber wohl auch: Es ist nicht der Rückzug von Stromriese RWE allein, der den Umsatz bei Rot-Weiss Essen unter die Bezahl-Schwelle drückt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in den vergangenen Jahren auch mehrere städtische Tochterfirmen ihr Sponsoring spürbar gestutzt haben. Die Summe, derer man dadurch verlustig ging, sei, so heißt es, „wesentlich höher als das, was dem Verein jetzt bei RWE durch die Lappen ging“. Fazit für manchen Kenner: „Da habe sich die Stadt im Grunde „selber ein Eigentor geschossen“.

Auch das Erstaunen auf Seiten der Politik, raunen Insider, sei zumindest in Teilen gespielt: Der Mechanismus, ab einer bestimmten Umsatzhöhe Pacht zu zahlen, sei bekannt, ja, sogar aus dem Aufsichtsrat heraus erst gefordert worden. Denn ursprünglich sah das Vertragswerk Pachtzahlungen seitens Rot-Weiss Essen erst ab der 3. Liga aufwärts vor.

Reine Betriebskosten liegen künftig bei 1,1 Millionen Euro im Jahr

In dieser Klasse spielt Rot-Weiss nach Miklikowskis Worten aber nur finanziell, will sagen: Das Stadion sei nun mal für höherklassige Anforderungen errichtet. Das spiegele sich auch bei den Betriebskosten wieder, bei denen allein die Dachkonstruktion Wartungskosten von rund 100.000 Euro im Jahr auslöst.

Immerhin: Der für die städtische Grundstücksverwaltung extrem nachteilige Contracting-Vertrag fürs Stadion, bei dem Technik-Investitionen dadurch vermieden wurden, dass man sie auf die Betriebskosten verlagerte, wird zum Monatswechsel rückabgewickelt. Man kauft sich heraus, die Betriebskosten sinken damit um etwa 400.000 Euro auf 1,1 Millionen Euro im Jahr.

Zur Zeit lässt sich nur das Nötigste reparieren

Doch weiter runter geht’s nicht, dies machte Dirk Miklikowski den Finanzpolitikern am Dienstag noch einmal deutlich: Der Spielraum sei minimal, stemmen ließen sich damit nur die notwendigsten akuten Instandhaltungen. Damit die Stadt aber nicht wie dereinst beim Georg-Melches-Stadion Gefahr läuft, die Substanz auch ihres neuen Stadions Zug um Zug verrotten zu lassen, müsste sie beginnen, vorsorglich eine „erhebliche Rücklage“ anzusparen.

Wie groß die Summe ausfallen muss, ließ die Grundstücksverwaltung über einen Sachverständigen ermitteln, und die Summe, die dieser ins Spiel bringt, dürfte manchem die Freude am Fußball gefrieren lassen: Die Rede ist von jährlich rund einer Million Euro.

>> RÜCKLAGEN – BEI MUSEUM FOLKWANG UND PHILHARMONIE ÜBLICH

Auch wenn die Summe von einer Million Euro pro Jahr nicht in Stein gemeißelt ist: „Ganz abwegig finde ich diese Summe nicht“, sagt GVE-Chef Dirk Miklikowski über die errechnete Instandhaltungs-Rücklage fürs Stadion an der Hafenstraße.

Bei der Philharmonie wie auch beim Museum Folkwang wird bereits entsprechend vorgesorgt – dies war Bedingung der Krupp-Stiftung für deren großzügige Zuwendungen.