Rot-Weiss Essen spielt bald im „Stadion Essen“

Das neue Stadion des RWE heißt schlicht "Stadion Essen".
Das neue Stadion des RWE heißt schlicht "Stadion Essen".
Foto: WAZ FotoPool
Der wichtigste Verein der Stadt, Rot-Weiss Essen, trägt seine Heimspiele im „Stadion Essen“ aus. Einen solch unaufgeregt sachlichen Namen hatte am Rande der offiziellen Namensgebung offenbar kaum einer der Anwesenden erwartet. Andere Namen hätten vielleicht nahe gelegen. „RWE-Stadion“ zum Beispiel.

Essen.. Das neue Fußballstadion an der Hafenstraße hat einen Namen: „Stadion Essen“.

Als Oberbürgermeister Reinhard Paß und Arndt Neuhaus, Vorstandsvorsitzender der RWE Deutschland AG, am Rande des frisch verlegten Grüns, das Geheimnis lüfteten, reagierte die versammelte Presseschar für einen Moment verblüfft. RWE hatte die Spannung bis kurz vor der Stadion-Eröffnung hoch halten wollen, sagte Neuhaus. Doch als das dunkelblaue Tuch von der provisorischen Stellwand fiel und den Namen preisgab, entwich die Spannung wie Luft aus einem Ballon.

Einen solch unaufgeregt sachlichen, ja fast schon bescheidenen Namen hatte offenbar kaum einer der Anwesenden erwartet. Mancher dürfte gar mit dem Schlimmsten gerechnet haben, denn seit Sponsoren und Vereine ums große Geld Doppelpass spielen, gehören Stadionnamen, die an Versicherungen, Bankhäuser oder Brauereien erinnern, zum Fußball dazu wie die samstägliche Konferenzschaltung im Radio.

RWE, der Energieriese vom Opernplatz, hat sich anders entschieden, nicht für eine verkrampfte Kopfgeburt aus der Kreativabteilung, sondern für einen Namen, „kurz und bündig, so wie ein Namen sein soll“, betonte Arndt Neuhaus. Es sei ein Stadion für die Bürger der Stadt Essen, dieses habe man deutlich machen wollen. Warum so bescheiden? In diesen Zeiten stünde auch einem Konzern wie RWE Bescheidenheit gut zu Gesicht, antwortete der Konzernchef in Anspielung an die wirtschaftliche Großwetterlage.

Andere Namen hätten vielleicht nahe gelegen. „RWE-Stadion“ zum Beispiel. Doch eine „Verwechslungsgefahr“ habe man bewusst vermeiden wollen, formulierte Neuhaus mindestens eine Nuance zu drastisch, als sei der Traditionsverein von der Hafenstraße, dessen Jugendarbeit der Energiekonzern seit Jahren fördert, nicht sonderlich wohl gelitten. Vertreter von Rot-Weiss Essen oder der SG Schönebeck waren zur Enthüllung übrigens nicht geladen. Und dass Oberbürgermeister Paß eine rote Krawatte mit zarten weißen Streifen trug, war „reiner Zufall, aber schön, dass es passt“.

Der OB nannte die Wahl des Namens „eine besondere Geste gegenüber der Stadt“. Paß erinnerte auch daran, dass die RWE AG einen stattlichen Betrag zur Finanzierung des Stadtions beigetragen hat und dass dieses Engagement privater Geldgeber zwingender Bestandteil des politischen Beschlusses für den Neubau gewesen sei.

Mit zwei Millionen Euro hat sich RWE als einziges Wirtschaftsunternehmen dieser Stadt am neuen Stadion beteiligt. Den Löwenanteil trägt die öffentliche Hand. Das gilt indirekt auch für Sparkasse, die mit fünf Millionen am Ball ist. Rund 42,5 Millionen Euro inklusive Grundstück wird die Arena nach Rechnung der städtischen Grundstücksverwaltung Essen (GVE) am Ende kosten.

Die Namensrechte hat sich die RWE AG für bis zu zehn Jahre gesichert , sollte Rot-Weiss Essen höherklassig spielen, verkürzt sich die Laufzeit. Ob es bei „Stadion Essen“ bleibt, wird man dann sehen.

Eröffnungsfeier steht nichts mehr im Wege

Der Eröffnung des Stadions am Sonntag, 12. August, steht nach Auskunft der städtischen Grundstücksverwaltung Essen (GVE) nichts mehr im Wege. Gestern nahm die Bauaufsicht den Neubau an der Hafenstraße in Augenschein. Das Ergebnis: Es seien keinerlei sicherheitsrelevante Mängel beanstandete worden, so GVE-Geschäftsführer Andreas Hillebrand.

Derweil hat das Landesbauministerium der Stadt eine zeitlich befristete Genehmigung in Aussicht gestellt, damit die Eröffnungsveranstaltung wie geplant über die Bühne gehen kann. Hintergrund: Für die transparente Dacheindeckung steht eine so genannte Zustimmung im Einzelfall durch das Ministerium noch aus. „Es sieht so aus, dass man es genehmigen kann“, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Sobald alle erforderlichen Unterlagen vorlägen, werde die Genehmigung erteilt.

Fritz Herkenrath kommt zum Anstoß

Zur Eröffnungsfeier hat sich auch RWE-Legende Fritz Herkenrath angekündigt. Der Torhüter der Meistermannschaft von 1955 wird mit Oberbürgermeister Reinhard Paß und Steffi Jones, DFB-Direktorin für Frauenfußball, den offiziellen Anstoß vornehmen. Der 84-jährige Herkenrath spielte von 1952 bis 1962 an der Hafenstraße, an der Seite von Helmut Rahn wurde er 1953 Pokalsieger und holte ein Jahr später den Meistertitel nach Essen. Von 1954 an absolvierte er 21 Länderspiele, bei der WM 1958 in Schweden wurde Herkenrath mit der deutschen Elf Vierter. Für RWE stand er 248-Mal zwischen den Pfosten.

RWE-Fans planen Protestmarsch

Unzufriedene RWE-Fans planen zur Stadioneröffnung eine Protestkundgebung. Sie wollen sich um 8 Uhr auf dem Willy-Brandt-Platz versammeln, anschließend zum Stadion ziehen, dort aber nur dem Spiel der U 19 von RWE beiwohnen. „Wir wollen keine Statisten für den Oberbürgermeister sein“, so Initiator Raphael Kömp, der bis zu 400 Fans erwartet. Die Anhänger protestieren dagegen, dass nicht die 1. Mannschaft von RWE das Eröffnungsspiel austrägt. Auch sei man nicht einverstanden damit, dass neben RWE auch die SG Schönebeck und der FC Kray im neuen Stadion spielen werden, so Kömp. Die Kündigung sei Polizei angemeldet. Ein Polizei-Sprecher konnte dies noch nicht bestätigen.

 
 

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