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Essen

Drogen-Drive-In mitten in Essen - Wie die Szene in der Nordstadt funktioniert

  • Für 500.000 Euro sind am Rheinischen Platz Kameras installiert worden
  • Sie sollten die Drogenszene vertreiben
  • Die ist aber nur einige Meter weiter gezogen
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Essen. Das rote Auto steht nur einen Moment lang auf dem Parkstreifen. Langsam schlendert der Dealer zur Straße. Steigt ein. Wieder aus. Das Auto braust los. Deal gemacht.

Ein Essener hatte die Aufnahme vor zwei Wochen mit seinem Handy gemacht, sie in Facebookgruppen geteilt. Es ist Nacht. Die Schützenbahn in Fahrtrichtung Rathaus fast menschenleer. Nur vor dem großen Lampenladen in der Nordstadt herrscht Betrieb.

Konsumenten fahren vor. Der Dealer steigt ein. So einfach funktioniert das. Es ist ein Drogen-Drive-In inmitten der City.

Dabei hätte es hier keine Deals mehr geben dürfen, ginge es nach Stadt und Polizei. Seit Anfang des Jahres überwachen Videokameras den Rheinischen Platz im Norden der City. Hier war das Essener Drogenproblem offensichtlich geworden. Dealer handelten in und um den U-Bahnhof mit Kleinstmengen Heroin. Anwohner bekamen das über Jahre mit. Setzten die Politik unter Druck. Deshalb wurden 500.000 Euro in Überwachungskameras gesteckt.

Drogenszene zieht nur ein paar Meter weiter

Nur: Viel gebracht hat das nicht. Die Dealer sind nur einige Meter weiter gezogen. Der Bereich um den Pferdemarkt und die Schützenbahn ist ihr neues Revier. Besonders in der Nacht. Haben sie keine Kundschaft, trinken sie Tee im nahen Wettbüro.

Kommt ein Kunde, zu Fuß oder mit dem Auto, werden sie aktiv. Den neuen Drogenumschlagplatz hat auch die Essener Polizei auf dem Schirm. Die gibt zu, dass sie nach der Installation der Videokameras dealende Schwarzafrikaner an der Schützenbahn und am Pferdemarkt festgestellt hat.

„Der Bereich wird vermehrt durch die Beamten kontrolliert. Sowohl damals als auch heute ist der Verfolgungsdruck hoch“, sagt ein Sprecher der Polizei.

Die Viehofer Straße ist keine Prachtmeile, aber von Menschen belebt. Imbisse und Cafés wechseln sich ab, manch einer spricht von Ruhrpott-Charme.

Wer über die Straße läuft, sieht aber auch ein anderes Bild. „Braucht ihr was?" Man ist überrascht, wie leicht das geht. Die beiden sind mittelalt, deutsch. Ihre gelallt-abgehackte Sprache legt nahe: Sie sind nicht nur Dealer, sondern auch Konsumenten. „Geht nicht zu den Schwarzen“, sagen sie. Das Zeug von denen sei nicht gut.

Weiter geht's eine Treppen hinab. Rechts das Geschäft mit den Lampen, links ein Gebüsch. Einer der sich mit der Szene und im Viertel auskennt verrät: Hier verstecken die Dealer ihren Stoff. Wenn sie ihre Drogen verkaufen, haben sie meist nur ein oder zwei Bubbles dabei. Das sind kleine Kügelchen Heroin. Werden sie von der Polizei erwischt, werden sie geschluckt. So sind die Dealer fein raus.

Die Polizei schnappt dann meist nur die Konsumenten.

Ein Dealer am Drogen-Drive-In zählt derweil seelenruhig sein Geld. Es ist mitten am Tag.

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Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

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