Richtfest für neues RWE-Stadion an der Hafenstraße

Marcus Schymiczek
Exakt im Zeitplan: Das Stadion in Essen feiert Richtfest. Neues Stdion für RWE an der Hafenstraße. Freitag der 30.03.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
Exakt im Zeitplan: Das Stadion in Essen feiert Richtfest. Neues Stdion für RWE an der Hafenstraße. Freitag der 30.03.2012 Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen
Foto: WAZ FotoPool
500 geladene Gäste feierten am Freitag an der Hafenstraße das Richtfest für das neue Stadion. Ab der kommenden Saison sollen es die Fans mit Leben füllen. Das alte Stadion, auch an dieses Argument erinnert Reinhard Paß, „hätten wir uns auf Dauer aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten können“.

Essen. Gespenstisch! Just in dem Moment, als Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) beim Richtfest für das neue Stadion an der Hafenstraße von Wehmut spricht, die so mancher RWE-Fan beim Abschied vom altehrwürdigen Georg-Melches-Stadion spüren dürfte, fällt der wie von Geisterhand der Strom aus, die Lautsprecher bleiben stumm. Manfred Breukmann, der fußballbegeisterte Radio-Moderator im Ruhestand, rettet die Situation mit fester Stimme: „Betrachten wir es als symbolhaft für die lange Entstehungsgeschichte des neuen Stadions.“

Da weht der in blau-gelben Stadtfarben geschmückte Richtkranz vor der neuen Haupttribüne, im Hintergrund das alte Stadion, oder besser das, was davon noch übrig ist.

„Fußball gehört zum Lebensgefühl, zur Identität unserer Stadt“

Der Blick geht an diesem windigen Tag aus gegebenen Anlass nicht zurück, sondern voraus. Und es ist OB Paß, der es in Worte fasst. In seiner alten Rolle im Rat als Vorsitzender der SPD-Fraktion agierte Paß in der Stadion-Debatte nicht als Spielmacher, nicht als Stürmer. Sein Part war mehr die Defensive. Nicht lange im neuen Amt irritierte der neue OB, als er vor dem Baustart eine Standortdebatte lostrat. Beim Richtfest wählt das Stadtoberhaupt treffende Worte: „Fußball gehört zum Lebensgefühl, zur Identität unserer Stadt.“ Dass Essen sich ein neues Stadion leiste, sei auch Ausdruck und Beispiel von Ausgleich und Gerechtigkeit. Denn das Stadion ist ein Projekt für den Essener Norden. Lange hat die Politik mit sich gerungen, bevor der Rat sie sich mit großer Mehrheit für den Neubau an der Hafenstraße entschied. Paß zeigt Größe und dankt auch seinem Vorgänger Wolfgang Reiniger (CDU), in dessen Amtszeit die wichtigen Weichenstellungen für das Projekt fallen: „Ohne Ihren Einsatz wären wir nicht da, wo wir heute sind.“

[kein Linktext vorhanden]Von Baukosten, von zusätzlichen Ausgaben für Businessbereiche und VIP-Logen und von intransparenten Beschlüssen zu deren nachtäglichen Finanzierung, ist bei diesem feierlichen Anlass keine Rede. Das war nicht anders zu erwarten. Und das Gebot Transparenz wurde ja nachträglich erfüllt, wie es CDU-Fraktionschef im zuständigen Ratsausschuss allen ernstes formuliert hatte. Lediglich Barbara Röhrig (CDU), Aufsichtsratsvorsitzende bei der städtischen GVE, die das Stadion baut, schneidet das Thema an: „Wir stellen uns hier keine Luxusherberge hin.“ Gebaut werde, was heute für ein modernes Stadion Standard sei.

Hoffnung, dass der alte Geist mit umzieht

Standard, dazu gehört auch ein Businessbereich mit den Ausmaßen einer Doppelturnhalle. Noch ist es ein Rohbau, wo sich die 500 geladenen Gäste an Biertischen verteilen. Viel Beton, nackte Rohre. Das sieht nicht schön aus. Es so zu belassen, wäre wohl auch nicht wirtschaftlich. Das alte Stadion, auch an dieses Argument erinnert Reinhard Paß, „hätten wir uns auf Dauer aus wirtschaftlichen Gründen nicht leisten können“. Die notwendigen Instandsetzungsarbeiten wären zu einer kostspieligen Belastung geworden. Es bleibt abzuwarten, welche finanziellen Belastungen durch den Betrieb der neuen Arena auf die Stadt zukommen. Erst einmal geht die öffentliche Hand in Vorlage. Aber: Rot-Weiss Essen habe mit dem neuen Stadion die realistische Chance, „Boden unter die Füße“ zu bekommen, den der Traditionsverein braucht, um sportlich und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. RWE befindet sich im Wiederaufbau, die Bauarbeiten am neuen Stadion liegen laut GVE voll im Zeitplan. In der kommenden Saison wird RWE in der neuen Arena auflaufen. Im Sommer 2013 soll dann die vierte Tribüne stehen. Dann finden Zuschauer Platz auf 11 300 Sitzplätzen und 9000 Stehplätzen.

Den Fans der Rot-Weissen gab Manfred Breukmann, bekennender Anhänger des Ruhrgebietsfußballs, einen Wunsch mit auf den Weg: Er hoffe, dass der alte Geist mit umziehe in die neue Arena, der Geist von „Adiole“, der Geist von Helmut Rahn, von Nobby Führhoff, von Ente Lippens, von Hrubesch und von Mill. Auf dass die Legende weiterlebt. Der ein oder andere soll ihn beim Richtfest schon gespürt haben, den alten Geist.