Essen

Resolute Verkäuferin aus Essen bringt SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will in Bedrängnis

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will.
SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz bei Anne Will.
Foto: imago
  • Studiogast Maurike Maaßen aus Essen sagt: In Deutschland geht es ungerecht zu
  • Mit großer Sachkenntnis bringt die 54-jährige Verkäuferin SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Erklärungsnot
  • Schulz: „Wir müssen uns mal tief in die Augen schauen“

Essen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz musste sich am Sonntagabend bei Anne Will beweisen. Einst war das Revier die große SPD-Hochburg, heute gibt es hier viele SPD-Zweifler und enttäuschte Wähler.

Dazu gehörte auch Studiogast Maurike Maaßen: Anne Will ließ die 54-jährige Verkäuferin aus Essen-Altendorf nach einem kurzen Einspieler zu Wort kommen. Der Tenor im Film: Die SPD hat ihre Werte verraten.

„Vertrauen Sie diesem Mann, wenn Sie ihm tief in die Augen schauen?“, fragte Anne Will den Ruhrpott-Studiogast eindringlich.

Die Essenerin ließ es sich nicht nehmen, Missstände, die sie sieht, schonungslos anzusprechen.

„Als Mensch sind Sie mir wesentlich sympathischer als der Herr Gabriel“

Maurike Maaßen lebt in Essen-Altendorf. Sie ist bei Verdi aktive Betriebsrätin, könnte also das perfekte SPD-Mitglied sein. Doch schon seit einigen Jahren ist sie das nicht mehr - aus Enttäuschung.

Schulz sei ihr zwar sympathischer als der bisherige Parteivorsitzende Sigmar Gabriel. Das führe aber nicht dazu, dass sie dem neuen SPD-Kanzlerkandidaten jetzt ohne weiteres einfach so glaube.

1500 Euro: Zu wenig zum Leben

Maaßen arbeitet 24 Stunden in der Woche und verdient dabei rund 1.500 Euro brutto. Zu wenig zum Leben in Essen, sagt auch Martin Schulz.

Maaßen beweist enorme Sachkenntnis - und bringt Schulz damit arg in Bedrängnis: „Erst vor kurzem hat Arbeitsministerin Nahles auf einer Branchenkonferenz gesagt, dass sie es befürworten würde, wenn die Tarifverträge für verbindlich erklärt werden würden und dass sie auch einen dringenden Handlungsbedarf sieht.“

Doch passiert sei bisher nichts.

„Für die SPD wird es schwierig“

„Bei einer Branche von drei Millionen Mitarbeitern, wo überwiegend Frauen beschäftigt sind und überwiegend Teilzeit-Beschäftigte - ganz ehrlich, das ist im öffentlichen Interesse“, sagte Maaßen energisch.

Auf die Frage hin, ob Martin Schulz die engagierten Verkäuferin zum Wiedereintritt in die SPD bewegen könnte, antwortet sie entschlossen: „Für die SPD wird es schwierig, das verlorene Vertrauen zurückzugewinnen.“

Schulz kann Skepsis verstehen

Schulz hörte Maurike Maaßen aufmerksam zu. Er könne ihre Enttäuschung zwar verstehen. Aber: Die SPD sei Juniorpartner in der Regierung, er müsse nun einmal mit seinem Koalitionspartner klar kommen.

„Ich glaube, wenn wir uns über mein Programm unterhalten würden, wären wir uns relativ schnell einig“, sagte Schulz an Maaßen gewandt. Er werde sich für verbindliche und höhere Tarife einsetzen.

„Deshalb würde ich Sie um ihre Stimme bitten und um einen Vertrauensvorschuss“, so Schulz.

„In diesem Land geht es nicht gerecht zu“

Wenn sie eine Mehrheit für soziale Gerechtigkeit haben wolle, müsse sie auch eine Partei wählen, die dafür steht. „Jetzt sitzen Sie so weit weg im Publikum, dann müssen wir uns wohl auf Distanz tief in die Augen schauen“, sagt Schulz mit einem Augenzwinkern.

Schulz sagte, er müsse wieder dafür sorgen, dass die SPD die Partei der hart arbeitenden Mitte dieses Landes sei. Maaßen nickte zustimmend im Publikum.

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