Essen

Essener Hauptbahnhof: Rechte verstecken „Guerilla-Werbung“ im „Spiegel“-Magazin – ist das eine neue Propaganda-Masche?

Nur ein paar Zentimeter groß ist die rechte Propaganda.
Nur ein paar Zentimeter groß ist die rechte Propaganda.
Foto: Jana Gilfert/ DER WESTEN

Essen. Rechtspopulistische „Guerilla-Werbung“, ausgerechnet im „Spiegel“? Als ich mir am 1. Juni im Zeitschriften- und Buchhandel „k presse + buch“ am Essener Hauptbahnhof eine Ausgabe (22/ 2018) des Nachrichtenmagazins kaufte, machte ich eine unangenehme Entdeckung: Ungefähr in der Mitte des Magazins fiel mir ein laminiertes Zettelchen entgegen. Das Format war kleiner als ein Passbild:

„Wenn Sie auch das lesen wollen, was Ihre Zeitung nicht schreiben darf.

www.pi-news.net

www.michael-mannheimer.net“

Was Ist PI-News?

PI-News oder auch PI, ist die Abkürzung des Internetblogs „Politically Incorrect“. Die rechtspopulitische Seite macht Stimmung gegen Einwanderer, Muslime und Flüchtlinge.

Unter den Rubriken „Einwanderung“, „Kriminalität“, „Islam“, „Linke“, „Altmedien“ und „Aktivismus“ findet man Artikel wie „Susanna! Alle haben mitgemordet – auch Merkel, auch Bild!“, „Islamterrorist darf bleiben, weil ihm daheim Folter droht“ und „Baumann: 'Die größten Gefährder sitzen hier auf der Regierungsbank“.

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Auch der Blog des Islamkritikers Michael Mannheimer fällt durch rechte Parolen, Karikaturen und Überschriften auf. Zum Beispiel „Merkel machte aus dem einst so sicheren Deutschland einen Terrorstaat“ oder auch „Massenvergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens durch 70 Moslems – bis sie starb“.

Wie kommt diese „Werbung“ in den „Spiegel“?

Auf Nachfrage von DER WESTEN beim „Spiegel“ bestätigt die Unternehmenskommunikation nur das, was eigentlich schon klar war: Der Zettel sei nicht vom Verlag. „Vergleichbare Fälle sind uns nicht bekannt“, teilt Sprecher Michael Grabowski mit.

Bei dem Unternehmen „Press & Books“, das den Laden „k presse + buch“ im Essener Hauptbahnhof führt, in dem ich den „Spiegel“ erwarb, herrscht Fassungslosigkeit: „Wir gehen dem natürlich sofort nach “, sagt Sprecher Julien Lange und erklärt, dass man sich über weitere Schritte abstimmen werde, wie zum Beispiel die Mitarbeiter der 170 Filialen zu informieren – allein am Essener Hauptbahnhof sind es drei.

Von PI-News kam bisher noch keine Rückmeldung auf unsere Anfrage. Das nicht vorhandene Impressum macht die Suche nach dem Betreiber nicht leichter. Auf dem Blog von Michael Mannheimer findet sich erst gar keine offizielle Kontaktmöglichkeit.

Die Frage, die sich stellt: Gibt es noch mehr Zettelchen? Wir bleiben an dem Fall dran.

 

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