Real Magic: Endspiel der Spaßgesellschaft auf Zollverein

Schräge Stand-Up-Tragedy: Die Performer von „Forced Entertainment“ machen die Pact-Bühne zur großen Quiz-Parade.
Schräge Stand-Up-Tragedy: Die Performer von „Forced Entertainment“ machen die Pact-Bühne zur großen Quiz-Parade.
Foto: Hugo Glendinning
Forced Entertainment, gefeierte Vorreiter des Experimentaltheaters, zeigen auf Pact Zollverein ihr neues Stück „Real Magic“. Das Leben als Game-Show.

Essen.. Gedanken-Leser gesucht! Das ist das Anliegen der „Real Magic“-Show. Allerdings dürfen die Kandidaten nur dreimal raten. Dann sind sie raus, und der nächste nimmt Platz auf dem heißen Rate-Stuhl. Um Game-Shows dieser Un-Art, die bis zur Schmerzgrenze Ratelustige vor laufender Kamera bloßstellen und mit der Lust am Betrachten von Versagen Quote machen, geht es in dem neuen Stück von „Forced Entertainment“, das jetzt auf Pact Zollverein seine Uraufführung feierte.

Vorgeführt als gnadenlose Endlosschleife der immer gleichen Fragen und immer gleichen Antworten von drei Figuren. Mal aufgekratzt, mal melancholisch frustriert. Kein Entrinnen gibt es für sie aus dieser Quizshow. Ein bitterböses Endspiel der Spaßgesellschaft bietet die renommierte Truppe aus Sheffield, seit zehn Jahren Koproduktions-Partner von Pact Zollverein. So hoben sie „Real Magic“ jetzt wieder in der ehemaligen Zechen-Waschkaue aus der Taufe. Stolz ist Pact auf die Zusammenarbeit mit dem Regieteam von Tim Etchell, wurde das britische Theater-Kollektiv doch erst im März in Oslo mit dem Henrik-Ibsen-Preis ausgezeichnet. Ein mit 280 000 Euro höchst dotierter Theaterpreis (Peter Brook und Peter Handke erhielten ihn zuvor), die manche mit einem Theater-Nobelpreis gleichsetzen.

Preiswürdig ist sicherlich auch diese Stand-Up-Tragedy, bei der der Zuschauer nicht weiß, ob er lachen oder verzweifeln soll. Auf einem grünen Teppich in einem trashigen TV-Set wechseln Claire Marshall, Richard Lowdon und Jerry Killick drei Rollen. Der Talkmaster, links der Kandidat, auf der rechten Seite derjenige, der den angeblich ausgedachten Begriff auf einer Tafel geschrieben dem Publikum vor die Nase hält. „Electricity“, „Hole“ und „Money“ sind die falschen Antworten, die die drei drehen und wenden, mal in schriller Comedy-Manier, dann wieder mit grüblerischem Tiefsinn.

Vom Clown zur tragischen Figur

Erstaunlich, welche Bandbreite von Charakteren die drei in zig Wiederholungen mit so wenig Text vorführen können. Für Sekunden spielen sie den Clown und steigen unvermittelt empor zu tragischen Theaterfiguren. Fazit: Schauspiel-Kunst der Sonderklasse.

Die nächste Deutschlandpremiere am 20./21. Mai gestaltet die bildende Künstlerin Tine Van Aerschot auf Pact Zollverein. Van Aerschot arbeitete u. a. bereits mit Meg Stuart zusammen. Ihr Stück „When in doubt, duck“ ist eine Performance als Konzert mit einem Text als Partitur. Karten im Vorverkauf: 11/6 € unter 0201/8122-200.

 
 

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