Rauchmelder sorgen in Essen häufig für falschen Alarm

Michael Mücke
Knapp 1400 Wohnungsbrände mussten vergangenes Jahr in Essen gelöscht werden. Damit die Bewohner sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, sind Rauchmelder bis Ende 2016 in allen Wohnungen Pflicht.
Knapp 1400 Wohnungsbrände mussten vergangenes Jahr in Essen gelöscht werden. Damit die Bewohner sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, sind Rauchmelder bis Ende 2016 in allen Wohnungen Pflicht.
Foto: Marcus Bottin
In der Ferienzeit rückt die Feuerwehr des öfteren umsonst aus, weil ein Rauchmelder falsch auslöst - oder der Batterie-Warnton missverstanden wird.

Essen. Zu fast 1400 Wohnungsbränden musste die Feuerwehr in Essen ausrücken. Und das in einem einzigen Jahr.

Vier Menschen kamen 2014 ums Leben. Weil sie die Gefahr nicht rechtzeitig bemerkt hatten, weil sie sich nicht mehr vor dem Rauch und vor den Flammen retten konnten.

Feuerwehr-Chef Ulrich Bogdahn hatte sich für die Einbaupflicht von Rauchmeldern stark gemacht. Das Risiko, dass es zu Hause plötzlich brennen kann, wird oft immer noch unterschätzt. Seit April 2013 besteht nun die Rauchmelder-Pflicht NRW-weit für Neubauten, bis Ende nächsten Jahres müssen alle Wohnungen damit ausgestattet sein. Zigtausende dieser kleinen Warnton-Geräte wurden seitdem in Essen neu angeschafft, Zigtausende kommen in den nächsten Monaten hinzu.

Zahl der Fehlalarme nimmt zu

Dass damit hier Leben gerettet wurden und werden, davon ist die Essener Feuerwehr überzeugt. Von daher betrachtet, spielt es für sie eine untergeordnete Rolle, dass die Zahl der Fehlalarme zunimmt. Weil ein Rauchmelder falsch auslöst – oder ein Nachbar den Warnton nebenan nicht richtig deutet. Letzteres passiert häufiger als ein durch einen Defekt ausgelöster Alarm, berichtet Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen. Konkrete Zahlen dazu wird es in einigen Monaten geben. Die Feuerwehr erfasst erst seit Jahresbeginn statistisch alle Feuerwehreinsätze, die im Zusammenhang mit einem Rauchmelder stehen.

Gerade jetzt, während der Ferienzeit, kann sich die Zahl der Fehlalarme erhöhen, warnt der Verbraucherschutzverband „Wohnen im Eigentum“. Oft würden private Melder falsche Signale aufgrund eines Defektes, abnehmbarer Batteriespannung oder aufgrund von Hitze auslösen.

Durchdringendes Piepsen bei müder Batterie

Auch in Essen wählen Anwohner den Notruf, weil es nebenan laut piepst. Doch manchmal qualmt da nichts, muckt lediglich die nahezu verbrauchte Neun-Volt-Batterie im Rauchmelder mit letzter Kraft auf, sendet das Gerät jede Minute einen kurzen, aber durchdringenden Ton, um auf den nötigen Batterietausch hinzuweisen.

Und das bis zu einen Monat lang.

Der Besitzer ist aber mit seiner Familie im Urlaub. Und die von einer Nachbarin alarmierte Feuerwehr kommt umsonst.

Das ist für die Retter zwar ärgerlich. Trotzdem wird die Essener Feuerwehr keinem eine Gebührenrechnung für den Löschzug-Einsatz schicken, nur weil ein Melder falschen Alarm auslöste – oder sich der Anrufer geirrt hatte. Und das aus einem ganz einfachen Grund: „Wir wollen den Menschen die Angst nehmen, uns anzurufen“, betont Mike Filzen. Wer zögert, weil er sich nicht sicher ist, ob er die Situation richtig einschätzt oder gar befürchtet, den Einsatz bezahlen zu müssen, bringt unter Umständen andere Menschen in höchste Gefahr. „Rauchmelder retten nichts, wenn keiner anruft“, sagt Feuerwehr-Sprecher Filzen.

Zweitschlüssel bei Vertrauensperson hinterlassen

Er empfiehlt den Urlaubern, vor ihrer Abreise nicht nur alle elektrischen Geräte auszuschalten und – wo möglich – auch auf den Standby-Modus zu verzichten, sowie die Nachbarn zu informieren und einen Zweitschlüssel bei einer Vertrauensperson zu hinterlassen, sondern auch den Batteriezustand der Rauchmelder durch Drücken der Test-Taste zu überprüfen und gegebenenfalls vor dem Start in die Ferien einen Austausch der Batterien vorzunehmen.

Vor der Urlaubsreise empfiehlt sich auch eine Sichtprüfung der Mess-Kammer am Rauchmelder. Die Eintrittsöffnungen müssen frei von Staub und Flusen sein, weil es sonst einen Fehlalarm geben könnte. Am Gerät selbst dürfen keinerlei Veränderungen vorgenommen werden. Möglich ist nur, es behutsam mit einem Staubsauger zu reinigen.

Qualitativ gute Rauchmelder verfügen eh über ein feines Schutzgitter, um ein Eindringen von Staubpartikeln in die Messzelle zu verhindern. Überhaupt rät die Feuerwehr zum Kauf von Markenprodukten im Elektro- oder Fachhandel, die das Gütesiegel Q tragen und erst ab rund 25 Euro zu haben sind. Diese Rauchmelder verfügen über eine fest installierte Lithium-Batterie, die zehn Jahre lang hält. Danach muss der Rauchmelder ausgetauscht werden. In Einfamilienhäusern empfiehlt Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen eine Funkvernetzung aller Rauchmelder, damit der Bewohner, der unterm Dach Musik hört, auch dort alarmiert wird, wenn unten im Keller die Waschmaschine qualmt.

Sicherheitsvorkehrungen bei Senioren

Besondere Vorsichtsvorkehrungen sind für daheimgebliebene Senioren nötig, die im Ernstfall nicht so schnell wie Jüngere reagieren können und zu der am stärksten gefährdeten Gruppe gehören. Das Risiko, bei einem Brand zu sterben, ist bei älteren Bewohnern mindestens doppelt so hoch, argumentiert der Initiativkreis „Forum Brandrauchprävention“, der auch von der Essener Feuerwehr unterstützt wird. Die Gehhilfe sollte nachts in Bettnähe platziert werden, der Wohnungsschlüssel sollte immer an der gleichen Stelle aufbewahrt werden, um nicht erst nach ihm suchen zu müssen, so Feuerwehr-Sprecher Filzen.

Er rät älteren Bewohnern, einen Risiko-Check zu machen und vorzubeugen. Die Frage-Liste kann auf der Internet-Seite (www.rauchmelder-lebensretter.de) abgerufen werden. Dort gibt es auch weitere Infos zur Rauchmelder-Auswahl und zur richtigen Installation.