RAG - „Lasst uns den Leuten helfen“

Marcus Schymiczek
Bei Andreas Lochthowe in Karnap steht der Keller unter Wasser.
Bei Andreas Lochthowe in Karnap steht der Keller unter Wasser.
Foto: WAZ FotoPool

Essen. Pingpong war bislang nicht als Wassersportart bekannt. Im Streit um feuchte Keller in Karnap und die Frage, wer denn bitteschön die Kosten für ein Entwässerungssystem trägt, üben sich RAG und Emschergenossenschaft in dieser Disziplin. Gestern feuerte die RAG einen Schmetterball ab: „Lasst uns den Leuten helfen. Lasst uns bauen“, formulierte RAG-Direktor Peter Fischer an die Adresse von Emschergenossenschaft und Stadt Essen. Wer welchen Anteil zahlt - darüber könnten sich die Beteiligten später einigen.

Fischer zeigte sich überrascht, dass mit den Bauarbeiten nicht längst begonnen wurde, sind doch neun Millionen Euro für Grundwasserprojekte im Haushalt der Emschergenossenschaft eingestellt. Die Angesprochenen fürchten aber, sie könnten auf den Kosten sitzen bleiben - zu Lasten der Gebührenzahler. Dabei stellt die RAG nicht in Abrede, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Steinkohleabbau im Emscherbruch und dem Grundwasserspiegel. „Wir sehen uns in der Verantwortung, den Anteil, den der Bergbau verursacht hat, auch zu bezahlen“, betonte Fischer.

Die RAG sei dabei sehr wohl mit einer „pauschalen Lösung“ einverstanden, doch dürfe eine solche nicht für den gesamten Emscherbruch gelten. „Wir wollen hier keine Einzelfallabrechnung, aber wir wollen ein Verfahren, das alle rechtlichen und technischen Fragen berücksichtigt, eine Art Kostenverteilungsschlüssel, der die jeweiligen Besonderheiten in jedem Gebiet berücksichtigt.“ In Karnap etwa sei der Bergbau „zu 100 Prozent für Bergsenkungen verantwortlich“. Allerdings seien auch Häuser gebaut worden, als die Senkungen längst sichtbar gewesen seien. Soll heißen: Die RAG sieht sich nicht in der Pflicht, auch für Schäden an solchen Häusern aufzukommen. Der Anteil an der Finanzierung müsse folglich sinken.

"Es geht um Millionen"

Bei der Emschergenossenschaft zeigt man sich irritiert und verweist auf ein 118 Quadratkilometer großes Untersuchungsgebiet von Gelsenkirchen über Herne bis Recklinghausen, auf das man sich verständigt habe, um den Zusammenhang zwischen Bergbau, Kanalsanierungen und Grundwasserstand modellhaft zu berechnen. Ergebnis: Der Bergbau sei zu einem Anteil von 30 bis 51 Prozent für den Grundwasserspiegel verantwortlich. Ziel sei es, sich auf einen Wert zu verständigen, „der dazwischen liegt“. Die RAG will davon nichts wissen. Zumal ein Gutachten der Landesregierung, das die Ergebnisse überprüft, noch aussteht. Für die Stadt wiederholte Baudezernentin Simone Raskob: „Wir können nicht bauen, so lange die Refinanzierung durch den Bergbau nicht geklärt ist. Es geht schließlich um Millionen.“