Radfahrer nutzen den Gehweg

Vera Eckardt
Foto: WAZ FotoPool

Stillstand auf der Rü: Es ist Montagabend, 19.30 Uhr, und nichts geht mehr. Stoßstange an Stoßstange stehen die Autos Richtung Bredeney. Knappe 45 Minuten dauert es vom Bahnhof bis zur Gruga. Viele Radler weichen auf die Bürgersteige aus, um weiterzukommen. „Das beobachte ich seit der Sperrung der Alfredstraße häufig“, sagt Tanja Nagel, Besitzerin des italienischen Feinkostladens Olive. Jeden Tag sieht sie die Blechlawine über die Rüttenscheider rollen und hat Verständnis für die Zweiradfahrer, auch wenn der „Umweg“ über die Gehwege eigentlich nicht erlaubt ist. „Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat eigentlich kaum eine andere Möglichkeit“, sagt sie.

Auch Mohammad Darvishe, Besitzer der gegenüberliegenden Schnellpizzeria Piccolo II, ist vom Dauerstau genervt: „Ich hoffe sehr, dass es bei den Arbeiten auf der Alfredstraße keinen großen Verzug gibt und dass der Spuk bald vorbei ist.“ Für seine Gäste, die vor seinem Geschäft an den Tischen sitzen, sind manche Radler schon gefährlich geworden. „Für die ist einfach kein Platz auf dem Gehweg.“

„Als Rüttenscheiderin lasse ich mein Auto lieber stehen und bin nur mit dem Rad unterwegs“, sagt Regina Poppels. Aber derzeit hat sie manchmal Angst auf der Rü. Zu eng sei die Straße, zu rücksichtslos seien manche Autofahrer gegenüber Zweiradfahrern. „Da weiche ich tatsächlich auf den Bürgersteig aus, wenn es nicht anders geht“, gibt sie zu. Brigitte Schumann, seit 40 Jahren Anwohnerin der Rü, bewegt etwas anderes: „Die Radfahrer machen mir keine Sorgen, aber was ist, wenn ein Rettungswagen hier durch will?“

Bislang gab es laut Polizei noch keine nennenswerten Probleme oder groben Verkehrsverstöße. Aber: „Seit die Alfredstraße gesperrt ist, haben wir mehr Beschwerden über Radler; meist von Anwohnern und Geschäftsinhabern“, sagt Ulrich Faßbender, Sprecher der Polizei. Grundsätzlich gilt: Auf dem Gehweg vom Rad steigen und schieben, so Faßbender. Wer sitzen bleibt, wird meist mündlich verwarnt, ohne eine Buße zahlen zu müssen. „Nur wenn die Radler nicht einsichtig sind oder andere in Gefahr bringen, müssen sie zahlen.“ In der Regel seien die beiden Bezirkspolizisten, die in Rüttenscheid unterwegs sind, sehr entspannt und freundlich, weiß Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR). Für Krane ist der Stau auf der Rüttenscheider kein Thema: „Außerhalb der üblichen Stoßzeiten kommt man eigentlich gut durch.“ Trotzdem zählt auch er die Tage, bis die Alfredstraße wieder frei ist. Und: „Würden sich alle Autofahrer an die ausgeschilderten Umleitungen halten, gebe es überhaupt kein Problem.“