Radfahrer in Essen liegen oft deutlich über der noch erlaubten Promille-Grenze

Jörg Maibaum
23 von 36 Radlern, die die Polizei in den vergangen zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen hat, waren deutlich angetrunken.
23 von 36 Radlern, die die Polizei in den vergangen zwei Jahren aus dem Verkehr gezogen hat, waren deutlich angetrunken.
Radeln im Rausch: 23 von 36 Radfahrern, die die Essener Polizei in den vergangenen beiden Jahren aus dem Verkehr gezogen hat, hatten 1,6 Promille oder mehr Alkohol im Blut - und lagen damit deutlich über der noch erlaubten Promille-Grenze. Immer wieder hat das Fehlverhalten spürbare Folgen.

Essen. Wenn schon betrunken aufs Fahrrad, dann auch richtig: Dieser Meinung scheint die Mehrzahl der Radler zu sein, die voll in die Pedale treten. Wie ein ganz nüchterner Blick auf die polizeiliche Statistik zeigt, hatten 23 von 36 Radfahrern, die die Beamten im den vergangenen beiden Jahren bei Kontrollen aus dem Verkehr zogen, 1,6 Promille Alkohol oder mehr im Blut.

Die meisten davon lagen deutlich über der noch erlaubten Grenze, die die Innenminister der Länder deutlich herabgesetzt sehen wollen. Der Unterstützung der Verkehrswacht jedenfalls können sie sich sicher sein. Der aktuelle Grenzwert sei nicht nur 20 Jahre alt, sondern zudem viel zu hoch und werde der heutigen Verkehrssituation nicht mehr gerecht.

Wenn Radler tanken

Wenn Radler ordentlich tanken, mögen die meisten von ihnen zwar nicht auffallen. Doch immer wieder hat das Fehlverhalten spürbare Folgen. Wie Polizeisprecherin Tanja Hagelüken auf Nachfrage berichtete, fing die Polizei in 2011 exakt 21 betrunkene Drahtesel-Piloten ab. Zwei davon hatten 1,1 bis 1,59 Promille getankt. 19 jedoch kamen auf Werte jenseits der erlaubten Grenze.

Im vergangenen Jahr sah das Bild kaum anders aus: Von 19 Betrunkenen, die sich abstrampelten, hatten 14 mehr als reichlich über den Durst getrunken und damit eine Straftat begangen. Eine vorgeschaltete Ordnungswidrigkeit wie bei der Promillegrenze für Autofahrer gibt es für Radler nicht. Wer bei einer Blutprobe jenseits der 1,6 Promille-Grenze landet, hat mit ernsten Konsequenzen bis hin zum Entzug des Führerscheins zu rechnen. Wer darunter bleibt, kommt ungeschoren davon, vorausgesetzt, er fällt weder durch eine unsichere Fahrweise auf, noch baut er einen Unfall. 151 der im vergangenen Jahr 269 verunglückten Radler verursachten den Crash, in den sie verwickelt waren, selbst. 38 davon waren 65 Jahre oder älter, bei 29 handelte es sich um junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren. 25 waren Kinder, die der Vollständigkeit halber zu nennen sind, aber wohl kaum zur Gruppe der massiven Alkoholsünder auf zwei Rädern gehören dürften. Die übrigen Altersklassen werden von der polizeilichen Verkehrsstatistik nicht gesondert ausgeworfen.

Situationen werden überschätzt

Als wäre das Radeln ohne Bier, Wein und Schnaps noch nicht gefährlich genug: Wer einen über den Durst getrunken hat und sich auf seinen Drahtesel schwingt, geht ein Risiko ein, dass gänzlich unkalkulierbar wird: Nicht nur, dass die Menschen leichtsinnig werden, sich selbst überschätzen oder Situationen, in denen sie sich in Sekundenbruchteilen für die richtige Reaktion entscheiden müssen.

Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bereits ab 0,3 Promille sowohl Entfernung und Geschwindigkeit eines herannahenden Autos falsch eingeschätzt wird, dass sich ab 0,5 Promille die Sehleistung vermindert und ab 0,8 Promille die Reaktionszeit verdoppelt. Ab 1 Promille verlieren die meisten die Kontrolle über das eigene Trinkverhalten.

Die Polizei jedenfalls hat angekündigt, den Radlern stärker auf dem Schlauch stehen zu wollen und die Kontrollen auch durch die zehnköpfige Radstreife zu verschärfen.