Radfahren in Essen - ein Kampf mit den Schlaglöchern

Martin Spletter auf dem Rad in Rüttenscheid.
Martin Spletter auf dem Rad in Rüttenscheid.
Foto: WAZ FotoPool
WAZ-Redakteur Martin Spletter ist ein richtiger Kampfradler: Er fährt so oft es geht mit dem Fahrrad und hat hat vor allem mit Schlaglöchern zu kämpfen. Auch die Polizei wartet an jeder Ecke und verteilt eifrig Geldstrafen für, aus Sicht von Spletter wegen Kleinigkeiten.

Essen.. Gestatten, Spletter mein Name. WAZ-Redakteur, 40 Jahre alt und Kampf-Radler. Ich bin keiner, der sonntags gemütlich um den Baldeneysee gondelt, sondern ich fahre immer. Die Kinder in den Kindergarten. Zum Einkaufen. Und: Täglich zur Arbeit, neun Kilometer hin und neun Kilometer zurück. Außer, es liegt Glatteis, oder mein Rad ist kaputt.

Mein Rad, das ich im Alltag benutze, ist jetzt drei Jahre alt, ich hab’ die dritte Kette drauf. Einen Tacho habe ich nicht, aber ich komme auf rund 5000 Kilometer im Jahr, glaube ich.

Schlaglöcher gehören zu den größten Hindernissen

Ich würde sagen, die meisten Schlaglöcher auf Essener Straßen kenne ich mit Namen. Ein besonders fieses gibt es am Stadtwaldplatz, denn es versteckt sich in der Markierung des Radwegs. Ein anderes liegt mitten auf der Heisinger Straße, Fahrtrichtung Süden, Höhe Jagdhaus Schellenberg. Wenn Sie da durchbrettern, benötigen Sie vermutlich neue Felgen.

Falls Sie überhaupt lebend rauskommen aus dem Loch. Schlaglöcher gehören zu den größten Hindernissen im Alltag mit dem Rad. Wenn sich Autofahrer über den schlechten Zustand der Essener Straßen aufregen, bin ich sofort mit dabei: „Jawoll!“ Ansonsten hat man ja nicht so viel gemein mit Autofahrern. Ach, doch: Punkte in Flensburg.

„Verstoß gegen die Schallzeichenverordnung“

Ich bin neulich in Rüttenscheid von der Polizei angehalten worden. Ich hatte beim Rechtsabbiegen die rote Ampel am Arosa-Hotel übersehen. Wirklich, ich hatte sie nicht gesehen. Und den Polizeiwagen gleich neben mir, den hatte ich auch nicht gesehen. Naja. 45 Euro musste ich bezahlen, und einen Punkt in Flensburg habe ich auch bekommen.

Und weil die Polizisten gerade so schön dabei waren: Keine Klingel am Rad! Ein „Verstoß gegen die Schallzeichenverordnung“, das heißt echt so: Noch mal zehn Euro, oder 15, weiß nicht mehr. Was soll ich sagen? Sie haben ja Recht! Einen Tag später hab’ ich eine Klingel gekauft. Aber muss die Polizei deshalb den Radweg auf der Hachestraße zuparken?

„Stadtradeln“-Auftakt nach Maß

Nennen Sie mich Petze, aber am gestrigen Freitag, etwa 15.15 Uhr, stand ein Streifenwagen vor dem Intercity-Hotel da, wo Radler fahren sollen. Die Beamten unterhielten sich auf dem Bürgersteig intensiv mit zwei jungen Männern, die aussahen wie kleine Brüder von den „Ramones“, der Rockband. Ich weiß nicht, worum es ging, bestimmt um Drogen, aber der Polizeiwagen stand schon ein bisschen im Weg. Aber ich kenne das schon, blockierte Radwege, besonders auf der Hachestraße, am Dienstag spazierten mehrere Chinesen dort, und als ich langsam bremste und vorsichtig klingelte, da erschraken sie und sagten tatsächlich: „Solly!“

Ansonsten tun derzeit immer meine Waden weh. Ich fahre noch mehr Rad als sonst. Denn Anfang der Woche ist unser Auto kaputtgegangen. Kein Witz.

Ich finde, das ist ein „Stadtradeln“-Auftakt nach Maß.

 
 

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