Publikums-Experiment auf Pact Zollverein

Mit irritierenden Veranstaltungen darf man im Tanzzentrum „pact“ auf Zollverein schon rechnen. Diesmal war der Choreograf und promovierte Molekularbiologe Xavier Le Roy zu Gast. Er experimentierte. Mit seinem Publikum. Zu sehen war die Uraufführung seines Werks „Untitled (2014)“.


Wie soll man reagieren, wenn ein Akteur auf der leeren Bühne steht und behauptet, er habe sein Gedächtnis verloren? Er wisse gar nicht, weshalb er hier stehe und welches Stück er zeigen solle? Nach und nach entlockt er dem Publikum unbeholfene Fragen. Die Situation ist paradox. Aber Xavier Le Roy spielt sie überzeugend.

Dann das nächste Experiment: Im Düstern etwas Verknäultes, das sich Insektenartig bewegt. Nach und nach erkennt man, dass sich ein Mensch in enger Umarmung mit einer lebensgroßen Puppe auf dem Boden wälzt. Im dritten Stück schwebt diese Puppe als Marionette in der Luft und hampelt grotesk nach Bartóks „Music for string, percussions and celesta“. Der Tänzer und Choreograf liegt dabei am Boden und zieht mithilfe technischer Raffinesse die Strippen. Die zwei letzten Stücke sind schaurig schön und anrührend, das erste ist provokant. Man muss ein Faible für Absurdes haben, um den Abend genießen zu können. Das Publikum im Pact, längst geschult an internationalen künstlerischen Versuchen, hatte es und reagierte mit Begeisterung.

 
 

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