Psychodrama trifft Trash-Karaoke-Party

Gordon K. Strahl

Zwei Stücke in einem feierten am Donnerstag Premiere im Theater Courage: Ein spannend-düsteres Psychodrama vermischte sich mit einer schrägen Revue, in der Eintags-Hits von „San Francisco“ bis „Mambo No. 5“ das Publikum zum Mitklatschen animierten. „One-Hit-Wonderland“ ist ein Experiment, das verstört und erheitert.

Die clever konstruierte Rahmenhandlung dreht sich um Nikolai, der eigentlich ein zufriedenes Leben mit seiner Freundin Lisa führen könnte. Doch flüchtet er sich – angetrieben vom Psychologen Constantin – in eine von einer attraktiven wie mysteriösen Fremden dominierten Traumwelt. Nikolai verheddert sich zunehmend zwischen Traum und Realität. Und der Umstand, dass das Courage-Team in diesen Stoff, der alleine schon einen Theaterabend getragen hätte, ein weiteres Element steckt, macht es ihm und dem Zuschauer nicht leichter. Denn Freundin Lisa ist Fan von One-Hit-Karaoke-Abenden, die sich in Nikolais Träume schleichen. So münden dicht, fast surreal inszenierte Sequenzen plötzlich in trashige Interpretationen, z.B. von „Eins Zwei Polizei“ oder von „Don’t Worry, Be Happy“.

Dass dieser krude Mix gerade in der zweiten Hälfte immer besser funktioniert, liegt auch an den engagierten Darstellern: Sophie Eichelberg meistert ihre Doppelrolle als Traumfrau und „realer“ Freundin glaubhaft. Falk Hoffmanns Nikolai spiegelt die manchmal ratlose Verblüffung des Zuschauers perfekt, wenn die wilde Gabi Dauenhauer und das Stimmtalent Deniz Fingskes in schrillen Kostümen Song um Song zum Besten geben. Arnd Federspiels zurückhaltender Constantin bildet da wieder einen angenehmen Kontrast.