Prozess gegen Abu Walaa in Celle: 19-jähriger Tempelbomber aus Essen will nun doch aussagen

Der Angeklagte Abu Walaa vor dem Oberlandesgericht in Celle. (Archivbild)
Der Angeklagte Abu Walaa vor dem Oberlandesgericht in Celle. (Archivbild)
Foto: Julian Stratenschulte / dpa
  • Der Terrorprozess gegen Abu Walaa verläuft zäh
  • Ein 19-Jähriger aus Gelsenkirchen will nun doch reden
  • Der in Haft sitzende Zeuge erhofft sich Erleichterungen
  • Was kann er über den mutmaßlichen Top-Islamisten aussagen?

Essen / Celle.  Im Terrorprozess gegen den mutmaßlichen IS-Deutschlandchef Abu Walaa wurde am Dienstag ein neuer Belastungszeuge gehört werden.

Es handelt sich um einen der verurteilten jugendlichen Attentäter auf den Essener Sikh-Tempel im Jahr 2016 mit drei Verletzten.

Prozess gegen Abu Walaa: 19-jähriger Tempelbomber aus Essen will doch aussagen

Der inzwischen 19-Jährige wollte nach einem Rückzieher nun doch vor dem Oberlandesgericht Celle aussagen. Der inhaftierte Yusuf T. aus Gelsenkirchen will nach eigenen Angaben von Abu Walaas Netzwerk radikalisiert worden sein.

Er hat den mutmaßlichen IS-Deutschlandchef und einige der vier Mitangeklagten beschuldigt.

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Dem mitangeklagten türkischen Inhaber eines Reisebüros in Duisburg habe er über beabsichtigte Anschläge und Ausreisen junger Muslime berichtet, sagte der 19-jährige Zeuge aus Gelsenkirchen.

1.000 Leute wie ihr würden ganz Duisburg, ganz Deutschland erobern ohne Waffengewalt, habe der Reisebüro-Inhaber mit Tränen in den Augen gesagt.

Zeuge: Abu Walaa habe Predigten gehalten mit IS-Ideologie

Vor Gericht sagte er, Abu Walaa habe von der Ideologie des Islamischen Staates gezeichnete Predigten gehalten. In einem von einem serbischen Mitangeklagten in einer Wohnung in Dortmund betriebenen Gebetszentrum sei auch über Waffen gesprochen worden. „Marokkanische Brüder“ in Brüssel und Paris hätten Kalaschnikows für 1600 Euro verfügbar, habe es geheißen.

Abu Walaa steht zusammen mit vier anderen Angeklagten wegen Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat vor Gericht. Sie sollen junge Menschen im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim radikalisiert und in die Kampfgebiete des sogenannten Islamischen Staats geschickt haben.

+++Essener Tempelbomber sagt gegen mutmaßlichen IS-Chef aus+++

Der Prozess gegen die Männer läuft bereits seit mehr als einem Jahr. Unerwartet meldete sich im Frühjahr der bereits verurteilte Tempelbomber mit dem Wunsch einer Zeugenaussage.

Weil er dann aber zunächst doch nicht vor Gericht aussagen wollte, gab eine Beamtin des Landeskriminalamtes Düsseldorf seine Angaben bei der Polizeivernehmung als Zeugin in Celle wieder.

Essener Tempelbomber: Abu Walaa sei ein „großer Fisch“

Als „großen Fisch“ bezeichnete der junge Mann demnach Abu Walaa. Die Angeklagten hätten sich in unterschiedlicher Rollenverteilung um das Rekrutieren neuer Anhänger insbesondere im Ruhrgebiet gekümmert, um deren Ausreise in die IS-Kampfgebiete, um mögliche Anschlagswillige in Deutschland sowie die Waffenbeschaffung.

Selbst von einer Genehmigung eines Mitangeklagten aus Duisburg für den Berlin-Anschlag von Anis Amri will der neue Belastungszeuge gewusst haben. Dass der Tunesier Amri das Netzwerk von Abu Walaa besuchte, ist bekannt.

Sein Auftritt vor Gericht ist offenbar auch nicht uneigennützig: Wie sein Anwalt vor einigen Wochen der „Neuen Presse“ sagte, erhofft er sich von seiner Aussage, in den offenen Vollzug zu kommen. (dpa)

 
 

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