Protonenzentrum startet endlich

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Essen..  Zwei Jahre lang stand das Westdeutsche Protonentherapiezentrum (WPE) leer, weil die Technik nicht lief. Nun kann die rund 120 Millionen Euro teure Anlage zur Bestrahlung von Krebspatienten an der Uniklinik die Arbeit aufnehmen, wie gestern der ärztliche Direktor Professor Eckhard Nagel mitteilte. Bereits am Dienstag habe der Aufsichtsrat, in dem auch das Land NRW und die Uni Duisburg-Essen (UDE) vertreten sind, grünes Licht gegeben.

Mit der Inbetriebnahme endet das Tauziehen um das Prestigeprojekt: 21 Klinik- und Instituts-Chefs der Uniklinik hatten Anfang des Monats in einem offenen Brief an den Aufsichtsrat ohne Nennung von Gründen erklärt, sie seien „nicht länger willens und bereit, mit dem ärztlichen Direktor zusammen zu arbeiten“. Der Sprecher der Gruppe, Professor Hans Christoph Diener, erklärte auf Anfrage, man fürchte die im Planungs- und Bauprozess stark gestiegenen Kosten für das WPE könnten nötige Investitionen für die anderen 50 Kliniken und Institute gefährden.

Dabei war das WPE bei Vertragsschluss als bundesweit beispielgebendes Public-Private-Partnership-Projekt in der Medizinbranche gefeiert worden. Doch die Ausrichtung des Strahls, der zur Therapie von Sarkomen, Augen- und Hirntumoren sowie Kindern dient, war lange zu ungenau, um ihn in Betrieb zu nehmen. Da es sich beim WPE um ein europaweit einzigartiges Modellprojekt handelt, mussten die Techniker neue Wege gehen. Was gelang – bei deutlich reduzierten Patientenzahlen: Gingen die Investoren eingangs von bis zu 2500 Fällen jährlich aus, werden nach aktuellen Erkenntnissen im Schnitt nicht mehr als 1000 bis 1200 Krebspatienten behandelt werden können – was mindestens 50 Prozent weniger Einnahmen bedeutet. Daraufhin machte die Uniklinik den Investoren ein Angebot; statt wie vertraglich vereinbart pro erfolgter Behandlung zu bezahlen, wollte die Uniklinik das Zentrum nun zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes kaufen. Drei Investoren mussten dem zustimmen – jetzt unterschrieb der letzte.

Die Krux: Noch ist kein Patient behandelt worden. Mit einem Behandlungsplatz will man starten, erst in vier Jahren soll der letzte in Betrieb gehen. Dann wird sich zeigen, ob die korrigierten Patientenzahlen realistisch sind. Auch dies monierten Nagels Kritiker. Jetzt kaufen – in vier Jahren rechnen, das sei vage. „Schon im letzten Jahr hat die Uniklinik mehrere Millionen Euro Verlust gemacht.“ Mit dem Zentrum, so die Kritiker, könnte das Finanzloch noch größer werden. Professor Ulrich Radtke, Rektor der Uni DUE, lobte hingegen das Projekt als „Meilenstein in der Positionierung als wichtiger Forschungsstandort im Ruhrgebiert.“

 
 

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