Projekt in Kitas in Essen soll Kinder für Naturwissenschaft begeistern

Die Projektverantwortlichen, Helfer und Unterstützer machten sich in der Kita Bulkersteig ein Bild davon, wie das Projekt bei den Kindern ankommt.
Die Projektverantwortlichen, Helfer und Unterstützer machten sich in der Kita Bulkersteig ein Bild davon, wie das Projekt bei den Kindern ankommt.
Foto: WAZ FotoPool
Alle reden über Fachkräftemangel. Die Stadt Essen will etwas dagegen tun - und setzt bei den Jüngsten an. Ein Projekt an den städtischen Kitas soll Kinder schon früh für Mathe, Informatik und Technik begeistern.

Essen.. Mit einem neuen Bildungsprojekt will die Stadt schon bei Kita-Kindern frühzeitig Interesse wecken für die so genannten Mint-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). In der 2012 gestarteten Pilotphase waren zunächst fünf Kindertagesstätten an dem Programm beteiligt. Jetzt wird das Projekt „Kids go MINT“ ausgeweitet. Sieben weitere Kitas sind jüngst gestartet. Zukünftig soll das Angebot alle 45 städtischen Kitas erreichen. Die Stadt sieht sich damit Ruhrgebiets-weit als Vorreiter.

Doch was verbirgt sich hinter dem Projekttitel, was passiert in der Praxis vor Ort? Ein Beispiel: In der vergangenen Woche haben die Kinder in der Kita Bulkersteig in Überruhr Puppenhäuser aus Schuhkartons gebastelt. Jetzt statten sie die Modelle mit elektrischem Licht aus. Spielerisch und zwanglos sollen sie so lernen, was der abstrakte Begriff „Elektrizität“ bedeutet. Andere Themen, die auf dem Kita-Lehrplan stehen, sind etwa „Wasser und Luft“, „Licht und Farbe“ sowie „Kraft und Bewegung“.

"Die Zeiten von Kohle und Stahl sind vorbei"

Vor dem Hintergrund des sich verstärkt abzeichnenden Fachkräftemangels in der Wirtschaft hofft man bei der Stadt, dass bei manch einem der heute etwa fünfjährigen Kita-Besucher langfristig das Interesse an den Naturwissenschaften bestehen bleibt. „Es geht um unsere Zukunft“, sagte jüngst Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD). „Die Zeiten von Kohle und Stahl sind vorbei. Was uns bleibt, ist das, was die Menschen im Kopf haben.“

Während es im musischen Bereich in der Stadt stets viele Förderangebote für Kinder gegeben habe, sei der Mint-Bereich ungewollt eher vernachlässigt worden. „Wir liefen Gefahr, den Anschluss zu verpassen“, sagte Paß. Jetzt soll sich das ändern. Auch wenn es etwas dauern wird, bis die heutigen Kita-Kinder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

FOM lässt Kontakte zur lokalen Wirtschaft spielen

Mit an Bord bei „Kids go MINT“ sind auch die Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) und die Uni Duisburg-Essen. Die Bildungseinrichtungen wirken mit beim Gestalten des Lehrmaterials. Die meisten Mint-Botschafter, die in den Kitas ehrenamtlich den Unterrichten leiten, sind Studierende. Die FOM lässt ihre Kontakte zur lokalen Wirtschaft spielen und wirbt für Spenden für das Projekt. Rund 50.000 Euro sind so bereits eingesammelt worden.

Beinahe 300 Kinder kamen bereits mit dem Projekt in Kontakt. Jetzt wechseln sie an die Grundschulen. Dann ist erstmal Schluss mit der gezielten Förderung durch „Kids go MINT“. Um diese Lücke zu schließen, sei geplant, das Lehrmaterial für die Anforderungen von Grundschülern weiterzuentwickeln, heißt es bei der Stadt.

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