Polizistin auf Essener Wache mit dem Klappmesser verletzt

Sebastian H., hier neben seinem Verteidiger Hans-Georg Bothe, legte am Dienstag ein Geständnis ab. Er sagte aber, er habe die Polizistin mit dem Messer nur erschrecken wollen.
Sebastian H., hier neben seinem Verteidiger Hans-Georg Bothe, legte am Dienstag ein Geständnis ab. Er sagte aber, er habe die Polizistin mit dem Messer nur erschrecken wollen.
Foto: Ulrich von Born
  • Drogensüchtiger 32-Jähriger wehrte sich mit dem Messer gegen seine Festnahme
  • In einem anderen Fall setzte er das Messer nach einem Ladendiebstahl ein
  • Vor dem Schwurgericht sagt er, er habe die beiden nur erschrecken wollen

Essen. Der 32 Jahre alte Sebastian H., der am 14. Dezember 2015 auf der Altenessener Polizeiwache eine Beamtin mit dem Messer verletzt hatte, legte am Dienstag vor dem Schwurgericht ein Geständnis ab. Er beteuerte aber, dass er die 24-Jährige nur habe erschrecken wollen.

In ruhiger Atmosphäre wird der Fall jetzt vor Gericht aufgerollt. Kurz nach der Tat hatte es geheißen, der Mann habe das Messer verborgen und unvermittelt gezückt. Tatsächlich war das Klappmesser der Polizei bekannt.

Nach der Haft geriet er wieder auf die schiefe Bahn

Der Reihe nach. Sebastian H. muss sich am Dienstag sogar für zwei Taten verantworten. Der drogensüchtige Essener war erst am 8. Januar 2015 nach längerer Haft entlassen worden, damit er eine Entzugstherapie antreten konnte. Das klappte nicht, er geriet wieder auf die schiefe Bahn, brauchte Geld für Drogen. Deshalb ging er am Abend des 20. Januar 2015 zu einem Supermarkt in der Stoppenberger Straße. Sechs Bierkästen lud er in seinen Einkaufswagen und ging damit, ohne zu bezahlen, an der Kasse vorbei nach draußen. Nicht gerade die unauffälligste Form des Ladendiebstahls.

Der Filialleiter verfolgte ihn, sprach ihn an. Den Wagen ließ Sebastian H. stehen. Aber dem Filialleiter wollte er nicht in den Laden folgen. Er zog ein Messer stieß es in Richtung des Kopfes des Mannes, der den Kopf schnell zurückzog und nur einen leichten Stoß am Hals spürte. Verletzt wurde er nicht.

Anklage wertet Angriff als versuchten Mord

Diese Attacke wertet die Anklage als versuchten Mord, weil der Stich ja nur durch Zufall keine lebenswichtigen Gefäße verletzt habe. Anders sieht die Anklage den Angriff auf die Polizistin. Staatsanwalt Joachim Lichtinghagen liest zwar vor, dass Sebastian H. der Beamtin „die Klinge an den Kehlkopf hielt“. Hier könne es aber sein, dass es beim Gerangel zu ihren Verletzungen am Hals kam. Der Angeklagte war am 14. Dezember am U-Bahnhof in Altenessen aufgefallen, weil er eine Softairpistole offen bei sich getragen hatte. Die alarmierten Polizisten durchsuchten ihn und fanden in seinem Rucksack auch das Klappmesser. Weil sie es als unbedenklich einstuften, legten sie es wieder in seinen Rucksack.

Zur Wache musste er mit, weil seine Personalien nicht ganz klar waren. Die Stimmung war aber freundlich und kippte erst, als die Beamten entdeckten, dass es gegen Sebastian H. einen Haftbefehl gab, und er aus einer alten Strafe noch 400 Tage verbüßen müsse. Kurz danach telefonierte er mit seiner Mutter, die ihm Vorwürfe gemacht haben soll. Darauf nahm er das Messer und bedrängte die auf einem Stuhl sitzende Beamtin. Doch sie wehrte sich, beide fielen auf den Boden. Danach blutete sie.

 
 

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