Polizei in Essen stuft die "Hooligans gegen Salafisten" als Gewalttäter ein

Aggressive Stimmung: Hooligans aus ganz Nordrhein-Westfalen zogen Sonntag durch die Innenstadt
Aggressive Stimmung: Hooligans aus ganz Nordrhein-Westfalen zogen Sonntag durch die Innenstadt
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Randale am Sonntagabend in der Essener Innenstadt, die einen Großeinsatz der Polizei auslöste, mischten auch einschlägig bekannte Personen aus der Essener Fußball-Fan-Szene mit. Beim Marsch durch die Innenstadt provozierten und bedrohten die "Hooligans gegen Salafisten" die Einsatzkräfte.

Essen. Am Tag nach der bizarren Hooligan-Randale in der Essener Innenstadt bemühten sich Polizei und Staatsschutz, die Hintergründe dieses Protestes zu erhellen. Fest steht: Bei den genannten „Hooligans gegen Salafisten“ handelt es sich um ein neuartiges Phänomen. „Es ist das erste Mal, dass sie hier in dieser Form aufgetreten sind“, bestätigt ein Polizeisprecher. Und fügt hinzu: „Einige gehören zur Essener Hooligan-Szene und sind einschlägig bekannt.“

Der martialische Aufmarsch der in Schwarz gekleideten und zum Teil vermummten Randalierer beschert Essen nach der Anti-Israel-Demo im Juli abermals eine zweifelhafte bundesweite Aufmerksamkeit. Denn es handelt sich um einen Personenkreis, dessen Nähe zu Rechtspopulisten und Neonazis unübersehbar ist. „Insgesamt zeigten sich die 15- bis 48-Jährigen extrem aggressiv. Ein Großteil ist als Gewalttäter aus der Fußballszene bekannt“, so die Polizei.

Hooligans verhöhnten und provozierten Polizisten

Etwa 90 Personen haben sich am Sonntagnachmittag an drei Stellen getroffen: am Café Nord, am Limbecker Platz und vor dem Cinemaxx. Im Sozialen Netzwerk brüsten sie sich mit Gruppenfotos, die vor dem Kino und auf dem Willy-Brandt-Platz aufgenommen wurden. Beim Zug durch die City Richtung Hauptbahnhof bedrohten sie die Einsatzkräfte massiv. Mit Rufen wie „Setzt schon mal Eure Helme auf“ und „Holt die Knüppel raus“ verhöhnten und provozierten sie die Uniformierten, die die Gruppe später nahe dem Bahnhof geschickt einkesselte.

Um die zentrale Frage, warum die Hooligans ausgerechnet Essen als Aufmarschplatz wählten, ranken sich verschiedenste Gerüchte. Eines besagt, dass der vom Christentum zum Islam konvertierte Hassprediger Pierre Vogel in der Ruhrmetropole eine Kundgebung abhalten wollte. Wohl kein Zufall: In der Nähe der Chaoten fiel ein Funktionär der rechtsextremen, ausländerfeindlichen Splittergruppe Pro NRW auf.

Niemand hat eine Demo angemeldet

Die Polizei macht deutlich, dass es sich bei der Hooligan-Aktion keinesfalls um eine Demonstration gehandelt hat. Zwar lasse das Versammlungsgesetz Spontan-Demos zu. Doch auch dafür gelten klare Spielregeln: So muss es einen Verantwortlichen geben und mit der Polizei kooperiert werden. „Niemand hat eine Demo angemeldet“, betont der Polizeisprecher.

 
 

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