Polizei Essen nimmt zum Schulstart Eltern-Taxis ins Visier

Volle Straßen, Staus, Hektik und Stress. Gefährdet sind dann vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer.
Volle Straßen, Staus, Hektik und Stress. Gefährdet sind dann vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer.
Foto: Jakob Studnar/FUNKE Foto Services
  • Viele Autofahrer in Essen sind gestresst, beklagt die Verkehrswacht
  • Autofahrer sollten sich mehr Zeit nehmen und Ruhr im Straßenverkehr bewahren
  • Die Polizei kontrolliert an Schulen und geht gegen Eltern-Taxis vor

Essen. Wenn am kommenden Mittwoch der Unterricht startet und sich rund 4700 I-Dötze zum ersten Mal auf den Schulweg machen, dann ist die Polizei in Hab-Acht-Stellung. Sie wird nach dem Ferienende rund um die Schulen Tempo-Kontrollen machen, und die Beamten werden erneut gegen Eltern-Taxis vorgehen, weil Väter und Mütter ihre Kinder unmittelbar vor der Schule im Halteverbot aus dem Auto aussteigen lassen und damit sich und andere gefährden. Und wieder werden die kontrollierenden Beamten Ausreden hören wie „Ich hatte keine Zeit“ oder „Ich war auf den letzten Drücker“.

Polizeisprecher Lars Lindemann kennt diese Sätze in- und auswendig. „Es sind immer wieder dieselben Argumente.“ Dabei müssten die Eltern „einfach nur den Wecker einige Minuten früher stellen“, so Lindemann. Denn Autofahrer, die in Zeitnot geraten, können sich zu schweren Fahrfehlern verleiten lassen.

Autofahrer fahren in aggressiver Stimmung

Die ständigen Staus, der zunehmende Autoverkehr, aber auch der Zeitdruck im Alltag nagt an den Nerven vieler Autofahrer. Deshalb wundert sich der Vorsitzende der Essener Verkehrswacht, Karl-Heinz Webels, überhaupt nicht über die jüngsten Umfrageergebnisse der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Fast die Hälfte der Autofahrer gab an, viel schneller zu fahren, wenn sie sich ärgern. Mehr als jeder dritte Autofahrer ist in aggressiver Stimmung unterwegs und jeder zweite findet den Autoverkehr „chaotisch“, „aufreibend“ oder schlicht „stressig“.

„Solche Erfahrungen machen wir in Essen auch“ bedauert Webels. „Das Klima ist rauer geworden. Es wird nicht mehr geblinkt. Man wird abgebremst. Der Stärkere zählt und nicht die Regel“, kritisiert der Chef der Verkehrswacht. „Und das ärgert einen, der sich wie ich stets an die Regeln hält.“ Webels sieht in erster Linie die Eltern gefordert, ihren Kindern ein gutes Beispiel zu geben: „Nehmen Sie sich mehr Zeit, stehen Sie zehn Minuten früher auf, hören Sie rechtzeitig den Verkehrsfunk“, empfiehlt er, damit sich Autofahrer vorzeitig auf mögliche Behinderungen einstellen können. Vor allem: „Bewahren Sie auf den Straßen immer die Ruhe.“

Polizei: Kinder sollten zu Fuß zur Schule gehen

Auch das Polizeipräsidium rät dazu, dass Eltern mehr Zeitpuffer einbauen und mit ihren Kindern auch Verkehrssicherheit trainieren. „Es passiert immer weniger, dass Eltern mit ihren Kindern den Schulweg zu Fuß gehen und üben“, beklagt Polizeisprecher Lars Lindemann. „Das aber würde die Entwicklung der Kinder positiv fördern.“

Sagt ebenso die Essener Mobilität-Werk-Stadt vom „Runden UmweltTisch“. Sie findet, dass Kinder nicht regelmäßig mit dem Auto zur Schule gebracht werden, sondern möglichst früh auf den Alltag im Straßenverkehr vorbereitet werden sollten – mit dem Fahrrad, zu Fuß und mit Bus und Bahn. Das Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub VCD appellieren an die Eltern, ihre Kinder tatkräftig dabei zu unterstützen, den Schulweg zu Fuß, mit Roller oder Rad zurückzulegen. Nur so lasse sich souveränes Verhalten im Straßenverkehr trainieren. Gerade mit jüngeren Kindern empfiehlt es sich, vor dem ersten Schultag, gemeinsam einen Weg festzulegen und mehrmals abzulaufen.

 
 

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