Polizei Essen nimmt 400 kriminelle Kinder in den Blick

Selbst Kinder schrecken nicht davor zurück, zum Messer zu greifen. „Kurve kriegen“ will ihnen den Weg hin zu einem straffreien Leben weisen.
Selbst Kinder schrecken nicht davor zurück, zum Messer zu greifen. „Kurve kriegen“ will ihnen den Weg hin zu einem straffreien Leben weisen.
Foto: mauritius images
  • Präventionsprojekt „Kurve kriegen“ für die Jüngsten unter den Straftätern startet nun offiziell auch in Essen
  • Es soll auffällige Kinder von der schiefen Bahn holen, bevor sie strafmündig werden
  • Die Polizei wird dabei durch zwei Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt unterstützt

Essen. Kriminelle Karrieren, die nicht selten im Knast enden, gleich von Kindesbeinen an zu verhindern, ist das erklärte Ziel des Präventionsprogramms „Kurve kriegen“: Heute gibt NRW-Innenminister Ralf Jäger mit seinem Besuch in Essen den offiziellen Startschuss für das bundesweit einmalige Projekt des Landes, das Acht- bis 13-Jährige vor der Strafmündigkeit von der schiefen Bahn holen soll, damit es nicht noch weiter abwärts geht mit ihnen.

Awo Sozialarbeiter als Kooperationspartner

Die monatelangen Vorbereitungen für das ehrgeizige Vorhaben sind abgeschlossen: Zwei Sozialarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die den Zuschlag als Kooperationspartner bekommen hat, konnten bereits ihren Arbeitsplatz im Präsidium einrichten. Die beiden Awo-Experten, ein Mann und eine Frau, sollen eng mit der Polizei, aber auch mit der städtischen Jugendhilfe zusammenarbeiten, um die kleinen Straftäter möglichst engmaschig betreuen zu können.

Arbeit für sie gibt’s offenbar genug: Nach Informationen dieser Zeitung hat die Polizei bereits rund 400 kriminelle Kinder, die stehlen, rauben, prügeln und erpressen, in den Blick genommen, um zu prüfen, wer von ihnen „förderungswürdig“ im Sinne des Programms sein könnte. Jeder einzelne Fall wird nun daraufhin abgeklopft.

Eltern in Pilotprojekten dankbar für die Hilfe der Polizei

Fällt der Polizei strafunmündiger Nachwuchs besonders unangenehm auf, bekommen die Familien der Kinder Beamten-Besuch. Bevor der Nachwuchs die „Kurve kriegen“ kann, müssen die Eltern ihre Einwilligung für die Teilnahme an dem Programm geben. Denn ohne ihr Mitwirken wäre auch die Polizei machtlos.

Doch zeigt eine mehrjährige Pilotphase in anderen Städten, dass die Beamten meist mit offenen Armen empfangen werden. Viele Eltern, so zeige die Erfahrung, sind regelrecht erleichtert, dass sich da jemand ihrer Kinder annehmen will. Ist der Vertrag zwischen der Behörde und den Erziehungsberechtigten einmal geschlossen, kommen die pädagogischen Fachkräfte der Arbeiterwohlfahrt ins Spiel, um festzustellen, welche Hilfe jedes einzelne der Kinder benötigt.

Finanzierung des Programms durch Landesmittel

Bei dem einen helfen vielleicht noch Anti-Aggressions-Trainings oder Sportkurse, der andere benötigt dann doch eher ein intensivpädagogisches Programm von einem Jahr oder länger. Es werde individuell entschieden, wer welche Unterstützung braucht, heißt es im Innenministerium. Bezahlt wird das Ganze aus Landesmitteln. Zuletzt stellte NRW rund 5,1 Millionen Euro für „Kurve kriegen“ zur Verfügung. Finanziert werden nicht nur die Fachkräfte zur Unterstützung der Polizei, sondern auch die Maßnahmen, die den kleinen Kriminellen den Weg in ein straffreies Leben ebnen sollen.

 
 

EURE FAVORITEN