Polizei bilanziert - 290 Unfälle mit Radfahrern in Essen in diesem Jahr

Hans-Karl Reintjens
Alle mit Helm, das ist aus Sicht der Polizei vorbildlich. Inzwischen verunglückt nahezu täglich ein Radler in Essen.
Alle mit Helm, das ist aus Sicht der Polizei vorbildlich. Inzwischen verunglückt nahezu täglich ein Radler in Essen.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Essens Polizei zählte in diesem Jahr bereits 290 Unfälle mit Radfahrern. Dabei wurden 221 Menschen leicht und 68 schwer verletzt. Die Polizei sagt, dass viele Verletzungen vermieden werden könnten, wenn die Radler einen Helm tragen würden.

Essen. Ob er die Straßenbahn-Schienen in der Dunkelheit nicht gesehen hat? Ob er über nasses Laub rutschte? Der 51-jährige Radfahrer stürzt jedenfalls am Montag gegen 21 Uhr auf der Altenessener Straße, in Höhe der Hausnummer 160, ohne ersichtlichen Grund, wie die Polizei später feststellt. Mit ungeschütztem Kopf schlägt er auf die Schienen in der Fahrbahnmitte auf, noch an der Unfallstelle muss der schwer verletzte Mann von einem Notarzt behandelt werden, bevor ihn ein Rettungswagen in eine Klinik bringt.

„Ein Fahrradhelm hätte die schweren Kopfverletzungen vermutlich verhindern können“, heißt es bei der Polizei. Warum der Mann keinen Helm trug? „Gute Frage“, sagt Polizeisprecher Peter Elke, „wir können immer wieder nur auf die Folgen hinweisen. Wer ohne Helm fährt, riskiert schwerste, sogar tödliche Kopfverletzungen.“

Und das inzwischen nahezu täglich: 290 Verkehrsunfälle mit Radlern führt die Essener Polizei für 2013 bereits in ihrer Statistik, mit 221 Leicht- und immerhin 68 Schwerverletzten. Die Zahlen bewegen sich auf hohem Niveau: 2012 waren es nach den ersten neun Monaten noch gut zwei, drei Prozent weniger. „Wir gehen dabei von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Stürze uns nicht gemeldet werden“, sagt Elke.

Helm vermindert Kopfverletzungen

Der anhaltende und erfreuliche Zweirad-Boom hat leider auch Nebenwirkungen. Vor allem bei vielen Unfällen mit Schwerverletzten heißt es immer wieder: Hätten sie doch nur einen Helm getragen. „Sicher, es ist schon besser geworden“, sagt Peter Elke, der die Helm-Quote auf gut 50 Prozent schätzt. „Vor zehn Jahren beispielsweise trugen nur die Kinder einen Helm, das hat sich deutlich geändert.“ Aber zu glauben, man fahre nur etwas langsamer, da könne dann nichts passieren, sei mitunter ein verhängnisvoller Fehler. Dies lässt sich regelmäßig im Polizeibericht nachlesen: In Bergeborbeck beispielsweise prallt ein Radfahrer (76) gegen einen Lkw und wird dabei lebensgefährlich verletzt. Auf der Westfalenstraße in Steele übersieht ein Opel-Fahrer einen 46-jährigen Radler. Der Mann schlägt mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe.

Ein Helm hätte die schweren Kopfverletzungen mindern, wenn nicht gar verhindern können, so die Polizei. Der Bericht nennt auch positive Beispiele: In Holsterhausen übersieht ein Radler (49) die weit geöffnete Tür eines Autos auf der Holsterhauser Straße, touchiert sie und stürzt. Obwohl der 49-Jährige anschließend über starke Kopfschmerzen klagt, verhindert sein Fahrradhelm schwerere Verletzungen.

Ob Appelle helfen? Wer sich bei dem aktuell geradezu idealen Oktober-Fahrradwetter auf seinen Drahtesel schwingt, sagt Peter Elke, „der sollte noch einmal nachdenken und den Helm nehmen. Es könnte ihm vielleicht das Leben retten.“