Essen

„Pöbeln, wenn sie betrunken sind“ - Straßenzeitung „fiftyfifty“ fordert „Holländerverbot“ auf Weihnachtsmärkten

Ein Obdachloser verteilt ein Straßenmagazin auf einem Weihnachtsmarkt. (Archibild)
Ein Obdachloser verteilt ein Straßenmagazin auf einem Weihnachtsmarkt. (Archibild)
Foto: Foto: Funke Foto Service
  • Obdachlose dürfen auf dem Essener Weihnachtsmarkt keine Straßenzeitung mehr verkaufen
  • Jetzt fordert Straßenzeitung „fiftyfifty“ augenzwickerend ein Holländer-Verbot auf Weihnachtsmärkten
  • Offenbar richtet sich das Verbot laut Oberbürgermeister Kufen direkt gegen die Verkäufer

Essen. „Sie reisen mit vielen Bussen an, mischen mitgebrachten hochprozentigen Genever in ihren Glühwein und pöbeln, wenn sie betrunken sind”, schreibt die„fiftyfifty“ in einem Statement. Es ist eine nicht ernst gemeinte Retourkutsche von den Machern der Straßenzeitung.

Das geforderte Holländerverbot ist eine Reaktion auf die Maßnahme der Stadt Essen, Druckerzeugnisse jedweder Art während des Weihnachtsmarktes in der Innenstadt ohne Ausnahme zu untersagen.

Fiftyfifty: Holländer stören durch Dorgenkonsum öffentliche Ordnung

In ihrer Stellungnahme schreibt „fiftyfifty“ weiter: „Zudem würden einige von ihnen durch das Rauchen von in ihrer Heimat zugelassenen Drogen auffallen und damit die öffentliche Ordnung stören.“

„Wenn das unangemessene Verhalten Einzelner zum Vorwand genommen wird, eine ganze Gruppe von Menschen pauschal zu bestrafen, müssen Niederländer sofort von Weihnachtsmärkten ausgeschlossen werden”, so Fiftyfifty-Geschäftsführer Hubert Ostendorf augenzwinkernd.

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Verbot soll sich gegen Verkäufer und Obdachlose richten

Das Straßenmagazin hat sich direkt an Oberbürgermeister Thomas Kufen gewandt. Über seinen Büroleiter soll dieser geantwortet haben, dass sich das Verbot tatsächlich gegen fiftyfifty-Verkäufer und andere Obdachlose wendet.

Weiter zitiert das Straßenmagazin aus dem E-Mail-Verkehr mit Kufens Büroleiter: „In den vergangenen Jahren war immer wieder festzustellen, dass sich auf Markt- und Veranstaltungsereignissen Verkäufer von Obdachlosenzeitungen konzentriert haben, da sie sich offensichtlich von dem erhöhten Publikumszulauf eine Verbesserung Ihrer Einnahmen erhofften.”

Diese Maßnahme sei eine pauschale Diskriminierung von Wohnungslosen und benachteiligten Menschen, so die Zeitung.

Verbot ist herber Rückschlag für Obdachlose

Das Verkaufsverbot trifft die Obdachlosen hart, so die Zeitung weiter. Dabei hätte bereits im Frühjahr ein soziales Hilfsprojekt bei der Stadt auf das Problem hingewiesen. „Wir haben gehofft, dass die Gespräche gefruchtet hätten", sagt Markus Pajonk vom Projekt „Essen packt an“ der WAZ. Hat es aber nicht.

Nun versuchen die Obdachlosen ihre Zeitungen vermehrt auf der Limbecker Straße und in Rüttenscheid zu verkaufen. Die Linke-Ratsfraktion bereitet bereits eine Klage gegen das Verbot vor, so die WAZ.

(mb/ ds)

 
 

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