Pils und Popcorn passten nicht zum Film

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Zeichen gegen Rechts im Stadion Essen: Nach dem Eklat kamen am Freitagabend mehr als 500 Besucher an die Hafenstraße, um sich den Film „Blut muss fließen – Undercover un­ter Ne­onazis“ anzusehen.

Essen.. Lange war die Vorführung von „Blut muss fließen – Undercover un­ter Ne­onazis“ im Stadion Essen gefordert und erwartet worden, hatte doch der Kinoabend beim Awo-Fanprojekt im Oktober für einen Eklat gesorgt. 20 Rot-Weiss-„Fans“, wie sie sich selbst

bezeichneten, stoppten die Vorführung. Und sorgten für einen Aufschrei in der Stadtgesellschaft. Mehr als 500 Mal hat Regisseur Peter Ohlendorf seine vielfach gelobte und ausgezeichnete Dokumentation bis dahin schon gezeigt. „Aber so etwas wie in Essen, das ist ihm bisher noch nie passiert“, betont Max Adelmann, Sprecher beim Bündnis gegen Radikalismus und Rechtsextremismus „Essen stellt sich quer“, damals. Flagge gegen Rechts zeigen, das war daher vergangenen Freitag angesagt – oben, im VIP-Bereich des Stadions.

500 Besucher kamen, um sich die 90-minütige Doku über die deutsche Rechtsrock-Szene anzuschauen. Mit dabei der RWE-Vorstand Michael Welling und der Aufsichtsrat, Barbara Rörig als GVE-Aufsichtsratschefin, Vertreter von Linken und Grünen, die zwei Dezernenten Bomheuer und Kromberg, SPD-Fraktionschef Rainer Marschan, Harald Philipp, der persönliche Referent des OB, die erste Mannschaft von RWE so­wie ein großes Aufgebot an Sicher- heitsper­sonal – offenbar um zu vermeiden, dass sich der Oktober-Vorfall wiederholt. Und dazu eine Popcornmaschine.

Warum zu einem derartigen Film über Gewalt Popcorn gereicht wird und Pils vom Fass – ja diesen Mangel an Feinfühligkeit quittiert nicht alleine Regisseur Peter Ohlendorf mit ei­nem Kopfschütteln. Auch hätte man erwarten können, dass sich nicht gerade die erste Mannschaft aufs Popcorn stürzt, bei der Begrüßung und bei der Vorstellung des AWO-Fanprojekts aber eher durch ihr Gibbeln auffällt.

Ebenfalls zu erwähnen ist ein kleiner Vorfall am Abend: Obwohl die unter Neonazis beliebte Modemarke „Thor Steinar“ im Stadion verboten ist, saßen aber nun doch wenige Besucher ungehindert von den Ordnern in genau dieser Kleidung im Publikum. Beim Veranstalter und Sicherheitspersonal war dies bekannt; man hatte die Gäste im Auge. Max Adelmann machte die Versammlung nach dem Film auf besagte Gäste aufmerksam. Doch bevor es zum Eklat kam, waren entsprechende Personen schon aus dem Saal verschwunden. Ob freiwillig oder mit etwas Hilfe und Überzeugungskraft des Veranstalters oder der Sicherheitskräfte – das ließ sich am Abend und danach leider nicht mehr in Erfahrung bringen.

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