Pflegeprobleme in Essen werden sich zuspitzen

Von einem Pflegenotstand kann heute in Essen noch keine Rede sein. Aber bis 2030 wird es deutlich mehr Ältere in der Stadt geben.
Von einem Pflegenotstand kann heute in Essen noch keine Rede sein. Aber bis 2030 wird es deutlich mehr Ältere in der Stadt geben.
Foto: WR
In wenigen Jahren steigt die Zahl der Senioren deutlich, denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen in Rente. Schon heute gibt es zu wenig Pfleger.

Essen.. Essen altert: Bis 2030 werden in der Stadt über 140.000 Senioren leben. Das sind nach den Vorausberechnungen der Statistiker fast 15.000 bzw. zwölf Prozent mehr Menschen über 65 als heute. Doch wird es dann auch genügend Pflegepersonal für die älter werdende Bevölkerung geben? Schon jetzt zeichnet sich ab: Geht die Entwicklung so weiter, könnte Essen schon in wenigen Jahren der Pflegenotstand drohen.

Denn zum einen gehen ab 2020 die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Zum anderen klagen bereits heute Pflegeeinrichtungen und -dienste darüber, dass Personal fehlt. Bei der Arbeitsagentur tauchen die Altenpfleger regelmäßig unter den Top-Ten der offenen Stellen auf. Derzeit sind es rund 130 Arbeitsplätze, die nicht besetzt sind.

4400 Beschäftigte in Essen arbeiten in der Altenpflege

Wie die städtischen Statistiker jetzt ermittelt haben, arbeiten in Essen rund 4400 Frauen und Männer in der Altenpflege. Das sind zwei Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Statistiker folgern daraus: „Die Berufsgruppe Altenpflege ist gegenwärtig kein Beschäftigungsschwerpunkt am Arbeitsort Essen.“ Verschärft wird die Personalknappheit dadurch, dass Pfleger überdurchschnittlich häufig Teilzeit arbeiten.

Während über alle Berufsgruppen betrachtet nur jeder vierte Arbeitnehmer teilzeitbeschäftigt ist, sind es bei den Altenpflegern in Essen über 43 Prozent. Das liegt zum einen daran, dass der Bereich eine Frauendomäne ist – fast 80 Prozent der Pflegekräfte in der Stadt ist weiblich. Zum anderen, so kritisiert Verdi-Sekretär Gereon Falck, würden viele Arbeitgeber die Frauen nicht vollbeschäftigen, um sie flexibler einsetzen zu können.

Hoher Anteil an kostengünstigeren Helfern

Das ist nicht der einzige Punkt, den Verdi anprangert und der den Beruf häufig unattraktiv für Männer macht: Arbeitgeber würden aus Kostengründen lieber Helfer statt examinierte Altenpfleger einstellen. Tatsächlich ist die Berufsgruppe der Altenpfleger durch einen hohen Helfer-Anteil geprägt. Im Durchschnitt aller Arbeitnehmer in Essen gibt es nur 13 Prozent, die nicht als Fachkräfte gelten. Bei den Altenpflegern liegt dieser Anteil bei über 40 Prozent.

Eine vergleichsweise schlechte Bezahlung und die körperlich schwere Arbeit sind häufig die Gründe dafür, warum sich der Nachwuchs nur schwer für den Beruf begeistern lässt. Rolf Heiber von der Arbeitsagentur fordert die Branche daher auf, mehr für das Image zu tun und Markenbotschafter einzusetzen. Denn der älter werdenden Essener Bevölkerung steht demnächst eine sinkende Schulabgänger-Zahl gegenüber. Ein weiterer Faktor, der die Probleme verschärfen wird.

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