PC-Programme, um „Tierversuche effizienter und stressfreier“ zu machen

Frank Buschmann mit einem Mäusetor aus dem Tierversuchslabor. Foto: Oliver Müller
Frank Buschmann mit einem Mäusetor aus dem Tierversuchslabor. Foto: Oliver Müller
Foto: WAZ FotoPool
2010 wurden in Deutschland 2,9 Millionen Wirbeltiere, meist Mäuse oder Ratten, für Versuche oder andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Die „FBI Science GmbH“ aus Essen stellt PC-Programme und Apparaturen her, die die Versuche „effizienter und stressfreier“ machen. Dafür gab es jetzt eine Auszeichnung.

Essen. Auf der Kettwiger Straße schaut Frank Buschmann gerne Tauben hinterher. An ihrem Flug erkennt er, wie es ihnen geht, denn über Jahre hat er das Verhalten der Vögel an der Bochumer Ruhruniversität erforscht. Weil ihm dazu aber notwendige Geräte fehlten, entwickelte er diese kurzerhand selbst.

Daraus entstanden ist 2006 die „FBI Science GmbH“, mit der Buschmann in Huttrop PC-Programme und Apparaturen herstellt, mit denen „die Tierversuche effizienter, ihre Anzahl in Europa um zehn Prozent reduziert und die Versuche für die Tiere stressfreier werden“. Kürzlich hat die Firma den landesweiten Wettbewerb „Benchmark Award Med“ gewonnen.

2010 wurden in Deutschland nach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz rund 2,9 Millionen Wirbeltiere, meist Mäuse oder Ratten, für Versuche oder andere wissenschaftliche Zwecke eingesetzt. Die meisten Tiere werden zur Grundlagenforschung genutzt, jeder fünfte Versuch europaweit findet zur Arzneimittelprüfung statt.

„Tierversuche sind nichts, über das man gerne spricht oder woran man als Patient denken will“

Tierschutzorganisationen wie „Peta“ kritisieren die Versuche scharf. Dessen ist sich Frank Buschmann, Doktor der Psychologie und Diplom-Biologe, bewusst. „Tierversuche sind nichts, über das man gerne spricht oder woran man als Patient denken will. Sie sind aus der medizinischen Forschung aber noch nicht wegzudenken und vom Gesetzgeber teils vorgeschrieben“ – etwa in Verordnungen über Medizinprodukte oder Pflanzenschutzmittel.

Buschmann bezeichnet sich als Tierfreund, wichtig sei ihm, so der gebürtige Mülheimer, den Tierschutz in der Forschung zu verbessern. „Zum einen geht das, indem weniger Tiere eingesetzt werden.“ Er und sein Team haben kleine Funkgeräte entwickelt, die in den Nacken der Versuchstiere injiziert werden, auch Antennen und Schalthäuschen, in denen Empfänger stecken.

Sie öffnen Schleusen und Röhren, leiten die Tiere so zu den Versuchsbereichen, in denen sie zum Beispiel Verhaltenstests machen müssen. „Der Vorteil ist, dass die Tiere unabhängig von der Tageszeit und Aufsicht durch die Wissenschaftler stressfrei und wann sie wollen, an den Tests teilnehmen können“, sagt Buschmann.

Bilder und Muster wiederzuerkennen, darum geht es zum Beispiel bei Alzheimertests, die Tiere müssen einen Sensorbildschirm berühren, den Buschmann entwickelt hat. Wie sie abschneiden, erfasst automatisch ein Computersystem, das eine umfangreiche Datenbank über jedes Tier führt, darin unter anderem Gewicht, Futtermenge und Gruppenzugehörigkeit festhält.

Das System bildet auch ab, wie viele Tiere überhaupt in den Versuch eingebettet sind, es verhindere damit, dass mehr Tiere eingesetzt werden als nötig. „Das Programm dokumentiert den Versuch und stellt sicher, das auch nur das mit dem Tier gemacht wird, was im Versuchsantrag zugelassen wurde.“ Es zeigt aber auch die Kosten – zeigt damit, wo ein Unternehmen sparen kann.

Eingesetzt werde könne das Programm auch bei Rassezüchtigungen. Ihre Apparate exportiert die FBI Science ins europäische Ausland und die USA, auch das Essener Uniklinikum gehörte bis vor kurzem zum Kundenkreis. Zwei Festangestellte sind in der Firma beschäftigt, zudem je nach Saison bis zu sechs Aushilfen. Im vergangenen Jahr hat die GmbH 250 000 Euro umgesetzt, „in diesem Jahr wollen wir den Umsatz verdoppelt, um einen weiteren Mitarbeiter einzustellen“, sagt Buschmann.

 
 

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