„Paris, wir kommen wieder“, versprechen die Essener

Christina Wandt
Als Erster schrieb Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen am Montag in das Kondolenzbuch zum Gedenken an die Terroropfer von Paris. Hinter ihm (v.l.):  Bürgermeister Franz-Josef Britz, CDU-Ratsfraktionschef Jörg Uhlenbruch, Kulturdezernent Andreas Bomheuer und Sozialdezernent Peter Renzel.Foto: Ulrich von Born
Als Erster schrieb Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen am Montag in das Kondolenzbuch zum Gedenken an die Terroropfer von Paris. Hinter ihm (v.l.): Bürgermeister Franz-Josef Britz, CDU-Ratsfraktionschef Jörg Uhlenbruch, Kulturdezernent Andreas Bomheuer und Sozialdezernent Peter Renzel.Foto: Ulrich von Born
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Anteilnahme, Trauer und trotzige Bekenntnisse finden sich im Kondolenzbuch der Stadt Essen. Es ist eine große Solidaritätsgeste an Frankreich.

Essen. Der alten Dame kommen die Tränen, sie schluckt: „Ich kann das einfach nicht begreifen!“ Margot Baginski (82) ist an diesem Montagmittag aus Katernberg ins Rathaus gefahren, um sich ins Kondolenzbuch zum Gedenken an die Opfer der Anschläge in Paris einzutragen. Trotzdem bringt sie die Frage nach einer besonderen Beziehung zu Frankreich kurz aus der Fassung: „Ich war noch in diesem Jahr in Paris, da waren auf den Straßen so viele fröhliche Menschen...“ Im übrigen sei nicht nur eine pulsierende Stadt getroffen worden, sondern unser aller Lebensstil, die Menschenwürde, ergänzt Gisela Schröder (69): „Ich habe persönlich keine Angst, aber dieser Anschlag trifft die ganze Welt.“

Ganz ähnlich urteilt Michel Vincent, Leiter des deutsch-französischen Kulturzentrums und Stimme Frankreichs in Essen. „Mit diesem Attentat wurde die Rote Linie überschritten, es hat mitten in die Gesellschaft gezielt und traf Menschen, die beim Fußball, Konzert oder im Café saßen.“ Nun dürfe man nicht in Panik verfallen oder sich verkriechen: „Wir haben am Donnerstag eine ausverkaufte Veranstaltung, die wir natürlich nicht absagen.“

Wichtig, "dass Europa jetzt zusammen steht"

Entschlossen zeigte sich auch Oberbürgermeister Thomas Kufen: Nach der Schweigeminute im Rathaus um 12 Uhr rief er den Mitarbeitern der Verwaltung zu: „Bei allem Schmerz, aller Trauer, wir weichen nicht zurück.“ Ins Kondolenzbuch notiert Kufen, wie erschüttert Essen auf die „menschenverachtenden Taten in Paris“ schaue. Die Essener seien mit den Opfern, ihren Angehörigen und auch mit den Bürgern der Partnerstadt Grenoble in diesen schweren Stunden verbunden. Die Anschläge sollten die Freiheit im vereinten Europa treffen, dem stelle man sich entschieden entgegen.

Dass dieses Europa in jüngster Zeit kein geschlossenes Bild abgab, gerade in der Flüchtlingsfrage uneins agierte, will auch der OB nicht bestreiten. Wichtig sei aber, „dass Europa jetzt zusammen steht“. Ein solches Zusammenstehen aber äußert sich in den großen Solidaritätsbekundungen auf internationalem Parkett ebenso wie in der auf halbmast wehenden Fahne am Essener Rathaus.

Generalkonsul nimmt Bekundungen entgegen

Oder in der Geste von Bürgerbündnis-Ratsherr Udo Bayer, der an diesem Montag seinen höchst selten getragenen Orden anlegt: Mit dem „Ordre des Palmes Académiques“ wurden einst seine Verdienste um die Bildungszusammenarbeit anerkannt. Ins Kondolenzbuch notiert Bayer: „Wir lieben die Freiheit und beugen uns dem Terror nicht.“ Auch Sozialdezernent Peter Renzel formuliert kraftvoll: „Wir werden in Essen keinen Millimeter weichen.“ Sein für Integration zuständiger Amtskollege Andreas Bomheuer schreibt, seine Gedanken seien nun bei den Angehörigen.

Natürlich variieren viele der Einträge ganz ähnliche Gedanken, aber was bis Freitag (20. November) hier niedergeschrieben wird, ist eben auch eine Solidaritätsgeste und geht als solche an den französischen Generalkonsul Vincent Muller. Der kann dann auch das trotzige Versprechen von Familie Grieger lesen: „Paris, wir kommen wieder!“