Papst als berufliche Perspektive

Altenessen.  Der Abend in der Zeche Carl beginnt mit einer Vorwarnung für die folgenden zweieinhalb Stunden. „Es wird lang heute. Teilen Sie sich Ihre Kräfte gut ein“, bittet der Satiriker und Politiker Martin Sonneborn. Der gute Rat an das Wahlvolk verpufft. Schon zur Pause muss für die 300 Zuschauer Applaus nachbestellt werden. Am Ende des Abends gibt es in den ersten Reihen sogar Standing Ovations für den Gast aus Brüssel.

Martin Sonneborn schreibt für die Satire-Zeitschrift „Titanic“. Die hat vor Jahren die Partei mit Namen „Die Partei“ gegründet. Und für diese wurde Sonneborn 2013 ins EU-Parlament gewählt. Ganz überraschend. „Der Auftritt in Essen war zum Glück vorher vereinbart“, sagt Sonneborn.

In Brüssel ist er nicht zum bequemen Teil des Establishments gewechselt. Er dauerkritisiert, wie zuvor mit der „Titanic“, den Politik-Betrieb. Nur demaskiert er diesen jetzt von innen, macht ihn transparent. Mit Anfragen. Mit Filmen. Mit Besuchen bei Lobbyisten-Partys. Das Publikum in der Zeche Carl johlt. „Die EU ist vielleicht mal eine berufliche Perspektive für Sie“, sagt Martin Sonneborn.

Längst hat er neue Dimensionen für seine Arbeit im Kopf. „Größter Vorsitzender aller Zeiten“, nennt ihn seine Partei. „Können Sie sich vorstellen, Papst zu werden?“, fragt jemand. Kann Sonneborn. Er lächelt. „Aber da will ich erst meine Frau fragen.“

 
 

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