Zweifel an der Baufälligkeit der Kita Waterfohrstraße

Dominika Sagan
Die Einrichtung an der Waterfohrstraße ist eine integrative, heilpädagogische Kita, die behinderte und nicht-behinderte Kinder besuchen.
Die Einrichtung an der Waterfohrstraße ist eine integrative, heilpädagogische Kita, die behinderte und nicht-behinderte Kinder besuchen.
Foto: Socrates Tassos
Die Stadt will die Einrichtung Waterfohrstraße wegen Mängeln an anderer Stelle neu bauen. Politik und Nachbarn fragen, ob das wirklich nötig ist.

Frillendorf.  Wegen zahlreicher baulicher Mängel hat die Stadt wie berichtet beschlossen, die Kita Waterfohrstraße zu schließen. Das Gutachten, auf das sich die Stadt beruft, überzeugt jedoch nicht alle Beobachter. Sie hinterfragen, ob die Schließung der heilpädagogischen Einrichtung in Frillendorf tatsächlich notwendig sei.

So wundern sie sich etwa, dass die Problematik des eindringenden Grundwassers als unlösbar eingestuft wird; lange Zeit habe man diese mit Hilfe einer Pumpe in den Griff bekommen.

Missstände wurden im Jugendhilfeausschuss nicht diskutiert

Politiker und Ausschussmitglieder rätseln wiederum, warum sie mit den vermeintlich massiven Missständen nicht betraut wurden. Da es vor allem um die Gesundheit von Kindern geht, „wäre das ein klassisches Thema für den Jugendhilfeausschuss gewesen“, sagt etwa Awo-Chef Oliver Kern als langjähriges Mitglied.

Zu den festgestellten Mängeln zählen immerhin Schimmel, Schadstoffe (u.a. Asbest und PCB), Ratten, unzureichende Brandschutz- und Fluchtwegsituation, marodes Rohrleitungssystem, elektrische Anlagen von 1957, zeitweise Beeinträchtigung des Trinkwassers sowie Schadstoffe in den Außenanlagen. Diese Liste hatte die Stadt erst auf Anfrage von Peter Valerius (CDU) aus der Bezirksvertretung veröffentlicht: Der Frillendorfer hatte sich erst über die Kita-Neubaupläne an der Elisenstraße gewundert und dann nach den Gründen gefragt.

Wasserrohre und Elektroinstallationen sollen ausgetauscht worden sein

Diese Mängelliste überraschte dann auch einen Kenner der Kita, der namentlich nicht genannt werden möchte. Durch unserer Zeitung erfuhr er vom angeblich desolaten Zustand der Kita. Er weist nun darauf hin, dass der Bau laufend modernisiert worden sei, so auch Elektroanlagen und Wasserrohre. Unerklärlich findet er daher, dass das Trinkwasser „zeitweise beeinträchtigt“ gewesen sein soll: „Entweder es ist belastet oder nicht.“

Und die Probleme mit eindringendem Grundwasser seien seit Jahren bekannt gewesen. Deshalb seien Pumpen installiert worden, mit denen man das Problem der Feuchtigkeit in den Griff bekommen habe. Würden diese regelmäßig gewartet und von Sedimenten befreit, blieben die Räume der Kita pulvertrocken. Er verstehe daher nicht, warum sich jetzt externe Gutachter mit bekannten Gegebenheiten hätten befassen müssen.

Fachleute überprüfen Räume regelmäßig auf Schadstoffe

Derzeit soll eine Firma die Pumpen wieder betreuen. Und spreche nicht allein die Tatsache, dass Kinder wie Mitarbeiter die Räume wieder nutzen dafür, dass die Mängel behoben seien? Zudem überprüfen Fachleute laut Stadt Raumluft und Wasser in der Kita regelmäßig auf Schadstoffe.

„Wenn überhaupt, könnte die Feuchtigkeit noch einen Raum im Untergeschoss betreffen, der noch abtrocknen muss“, sagt der Kenner. Sein Vorschlag: Jetzt, da die Pumpen seit Monaten wieder laufen, ein neues aussagekräftiges Gutachten zu erstellen. Derzeit beruft sich die Stadt noch auf eine Machbarkeitsstudie von 2015, die einen Neubau als wirtschaftlicher einstuft. Dieser soll 2018 fertig sein.

Politikerin brachte das Thema und die Fragen in die Ratssitzung

„Ist denn auf dem neuen Grundstück bereits die Frage nach Altlasten geklärt worden?“, fragte die SPD-Ratsfrau und Frillendorferin Julia Kahle-Hausmann am Mittwoch im Rat. Immerhin soll es sich an der Elisenstraße um die Fläche handeln, die als städtischer Fuhrpark samt Wartungshalle diente. Kahle-Hausmann möchte zudem wissen, wie die Verwaltung zu der Einschätzung kam, dass an der Waterfohrstraße Elektro- und Wasserleitungen noch aus dem Baujahr 1957 stammen und welche Räume derzeit noch nicht nutzbar seien.

Weiterhin fragen sich Politik und Nachbarn, was mit dem Grundstück an der Waterfohrstraße passieren soll: Das macht mit der angrenzenden städtischen Fläche, die derzeit als Park ausgewiesen ist, knapp 20 000 Quadratmeter aus, rechnet Julia Kahle-Hausmann vor. „Gibt es etwa bereits Investoren?“

Auf Nachfrage unserer Zeitung möchte sich Sozialdezernent Peter Renzel zu dem Thema nicht äußern und verweist auf die Zuständigkeit des Baudezernates von Simone Raskob. Die ihr unterstellte Immobilienwirtschaft hatte die Stellungnahme und Mängelliste veröffentlicht. Doch eine Antwort auf unsere Fragen dazu steht aus.