Vorfahrt für Radler auf dem Hellweg

Gordon K. Strahl
Eine Fahrradstraße soll der Hellweg in Freisenbruch werden – vorerst vom Nottebaumskamp bis Kütings Garten.
Eine Fahrradstraße soll der Hellweg in Freisenbruch werden – vorerst vom Nottebaumskamp bis Kütings Garten.
Foto: FUNKE Foto Services
Vier Fahrradstraßen hat die Bezirksvertretung für Steele und Freisenbruch beschlossen. Erste Etappe führt vom Nottebaumskamp bis Kütings Garten

Essen-Freisenbruch.  Der Hellweg wird zur Fahrradstraße: Das hat die für den Raum Steele/Kray zuständige Bezirksvertretung VII nun beschlossen und will so eine Lücke im Essener Radwegenetz schließen. Nur die FDP stimmte gegen den Vorschlag der Verwaltung. Eduard Schreyer moniert: „Die Anwohner seien nicht gefragt worden“.

Anders als bei Fahrradwegen fahren Radler auf Fahrradstraßen nicht auf abgetrennten Spuren: Vielmehr haben sie dort gänzlich Vorrang. Sie bestimmen das Tempo und dürfen auch nebeneinander herfahren. Autos sind nur gestattet, wenn dies eine zusätzliche Beschilderung erlaubt – wie es am Hellweg auch der Fall sein soll, versichert Annette Steiner vom Amt für Straßen und Verkehr. „Wir wollen die Autofahrer nicht gänzlich aussperren.“ Auch an den vorhandenen Parkplätzen soll sich nichts ändern. Als Höchsttempo wird wie bereits jetzt auf der Strecke Tempo 30 erlaubt sein.

Keine getrennten Wege

Von der Kreuzung Nottebaums-kamp bis zum Kütings Garten soll der Hellweg zur Fahrradstraße werden. Diese wird weiter über die Straßen Kütings Garten, Im Haferfeld und Renzelweg bis zur Bochumer Landstraße geführt. „Künftig sollen dort bis zur Stadtgrenze Bochum Schutz- oder Radfahrstreifen eingerichtet werden“, so die Verwaltung. Damit sollen Radfahrer künftig lückenlos von Steele bis Bochum gelangen. Die Einbahnstraßen am Hellweg und Kütings Garten bleiben wie bisher für Radfahrer in beide Richtungen offen.

Ein Vorteil von Fahrradstraßen sei die Erhöhung der Sicherheit, da Radfahrer besser wahrgenommen würden, so die Verwaltung. Auch nicht außer Acht zu lassen ist sicherlich der Kostenfaktor, denn anders als bei Radwegen ist der Bau oder die Markierung eines zusätzlichen Radwegs nicht notwendig: Es reicht, die Fahrradstraße durch Schilder auszuzeichnen. Zusätzlich sollen in regelmäßigen Abständen Fahrradpiktogramme mit Richtungspfeilen den Radlern den richtigen Weg weisen. Für diese Maßnahmen rechnet die Verwaltung mit rund 20.000 Euro. 75 % davon werden bezuschusst, den Rest trägt die Stadt.

So bald wie möglich soll der Beschluss umgesetzt werden – zunächst für eine Probezeit von zwölf Monaten. Bewährt sich die Maßnahme, soll sie dauerhaft zum Tragen kommen.

Die Politiker im Stadtteil-Parlament begrüßen den Vorschlag beinahe unisono. Lothar Wolbring vom Essener Bürger Bündnis (EBB) hofft, dass die Zunahme der Fahrradstraßen in Essen auch zur Steigerung der Bekanntheit unter Autofahrern führt: „Viele wissen gar nicht, welche Regeln dort gelten“, bedauert er.

Zwölf Monate Probezeit

Für Eduard Schreyer wird der Plan zu Ärger führen: „Ich bin gespannt, wie viele Autofahrer entnervt zum Überholmanöver ansetzen, wenn zwei Fahrräder seelenruhig nebeneinander herfahren.“ Auf seine Nachfrage, ob man die Anwohner nicht befragt habe, antwortet Annette Steiner: „Nein, es ist in der Regel so vorgesehen, dass eine derartige Vorlage nur der Bezirksvertretung vorgelegt wird.“

Aktuell 37 Fahrradstraßen in Essen

Die geplanten Fahrradstraßen in Freisenbruch sind Bestandteil des Bauprogramms „Radverkehr an Straßen“. Bereits im Jahr 2015 hatte die Bezirksvertretung VII darüber positiv entschieden.

Aktuell gibt es in der Stadt Essen 37 Fahrradstraßen. Damit gehört die Stadt in NRW zur Spitze. Eine Initiative aus dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Essen, den Grünen, der „Mobilität-Werk-Stadt“, dem Netzwerk Velo City Ruhr und Verkehrsclub Deutschland möchte diese Zahl zum Grünen Hauptstadtjahr 2017 auf 100 erhöhen.